„In Hannover Wurzeln geschlagen“
Milan Pejic ist seit fast 40 Jahren Priester der serbisch-orthodoxen Gemeinde St. Sava. Die Gemeinde feiert in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Foto: Haak

„In Hannover Wurzeln geschlagen“

In der serbisch-orthodoxen Gemeinde St. Sava treffen seit 70 Jahren viele Menschen aufeinander – mit ganz unterschiedlichen Geschichten, Sprachen und kulturellen Prägungen. „Wir sind innerhalb der Gemeinde zusammengewachsen und haben mit der Gemeinde in Hannover Wurzeln geschlagen“, sagt Priester Milan Pejic anlässlich des Jubiläums.

Ende der 1990er Jahre waren die Mitglieder der Gründergeneration mit ihren Kindern ebenso vertreten wie jugoslawische Gastarbeiter und Flüchtlinge, die vor den Jugoslawienkriegen geflohen waren.  Zugleich vereint die Gemeinde viele unterschiedliche Nationalitäten. „Unsere Mitglieder kommen nicht nur aus den Balkan­ländern, sondern auch aus Russland, Bulgarien, arabischen und afrikanischen Ländern“, sagt Pejic. Das ist auch deshalb möglich, weil er seine Predigten zweisprachig auf Deutsch und auf Serbisch hält.

Ihm war es immer wichtig, auf Neuankömmlinge zuzugehen und sie in der Gemeinde aufzunehmen. Als in den 1960er und 70er Jahren Gastarbeiter aus Jugoslawien nach Deutschland kamen, suchte er im hannoverschen Adressbuch nach serbischen Namen, um sie über die Gemeinde zu informieren: „Das war ein voller Erfolg. Viele von ihnen sind in unsere Gottesdienste gekommen.“
Gegenwärtig hat die Gemeinde 2000 zahlende Mitglieder, insgesamt nutzen etwa 5000 bis 6000 Menschen ihre Angebote. „Zu den Sonntagsgottesdiensten kommen etwa 80 bis 150 Gläubige“, sagt Pejic. Darunter seien viele junge Menschen. Denn im Vergleich zu vielen anderen christlichen Gemeinden in der Region hat St. Sava das gegenteilige Problem: „Wir haben Schwierigkeiten, Kontakt zu den Senioren zu halten“, bedauert der Priester. Das liege an dem großen Einzugsgebiet. Für ältere Gläubige aus dem Umland sei es schwierig, in die Kirche zu kommen.

Entstanden ist die serbisch-orthodoxe Gemeinde St. Sava nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Gründer der Gemeinde waren größtenteils unfreiwillig nach Hannover gekommen. Während des Krieges waren sie als Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene nach Deutschland verschleppt worden oder in Konzentrationslagern inhaftiert gewesen. Nach Kriegsende kamen sie in Flüchtlingsunterkünften unter. „Viele lebten in einer früheren Kaserne, der sogenannten Kriegsschule, in Vahrenwald“, sagt Pejic. Dort richteten sie sich ihre erste Kapelle ein.

Die meisten hofften, wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Doch als in Jugoslawien Tito an die Macht kam, beschlossen viele zu bleiben. 1958 ließ sich die Gemeinde als Verein eintragen und begann vorsichtig, ihre Zukunft in Hannover zu planen. Ein Pastor bot ihnen einen freien Raum in der Kreuzkirche an. Bis 1995 fand die Gemeinde dort ihre Heimat. Diese Zeit habe die Gemeinde geprägt: „Obwohl wir eine kleine Gemeinde sind, waren wir mittendrin und nahmen aktiv am Stadtleben teil.“

Dass sie die Räume in der Kreuzkirche schließlich aufgaben, hatte praktische Gründe. Mit den Gastarbeitern und ihren Kindern und den Kriegsflüchtlingen sei die Gemeinde schnell gewachsen. „Wir brauchten größere Räumlichkeiten“, begründet Pejic den Umzug. Zusammen mit der griechisch-orthodoxen Gemeinde erwarben sie ein Grundstück am Mengendamm in der List, um dort ein eigenes Kirchenzentrum zu bauen. 1995 konnten sie dort den ersten Gottesdienst feiern.

In der Gemeinde sieht er nicht nur eine Gebetsgemeinschaft. „Es geht vor allem darum, Probleme zu teilen und sich im Alltag zu helfen“, betont Pejic, der seit 40 Jahren Priester der Gemeinde ist. Für die Gemeindemitglieder, die ihn einfach „Vater Milan“ nennen, sei er immer erreichbar: „Sie kommen auch mit ganz einfachen alltäglichen Fragen zu mir.“

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