Rita Girschikofsky auf dem roten Sofa
Rita Girschikofsky im Gespräch mit Gesamtredaktionsleiterin Heike Schmidt. Foto: Niehaus

Rita Girschikofsky auf dem roten Sofa

Wie steht es um den Sport in Hannover? Gibt es genügend Hallen? Wie steht es um die Schwimmbäder? Rita Girschikofsky ist seit 2004 Vorsitzende des Stadtsportbundes und Präsidentin des Niedersächsischen Leichtathletikverbandes. Wir baten sie zum Interview auf das rote Sofa.

Hallo, Frau Girschikofsky, haben Sie heute schon Sport gemacht?
Nein, heute noch nicht. Heute hatte ich keine Zeit. Ich musste mich um mein Auto kümmern. Aber normalerweise laufe ich morgens einmal um den Maschsee. Von Haustür zu Haustür sind das sieben Kilometer. Da brauche ich 40 bis 45 Minuten.

Sie haben aber schon immer Sport gemacht. Sie waren in Ihrer Jugendzeit eine erfolgreiche Langsprinterin und Mittelstrecklerin.
Ja, das stimmt. Aber ich habe auch einmal ganz klassisch mit Turnen angefangen, bevor ich die Leichtathletik für mich entdeckt habe. Eigentlich habe ich davor alle Sportarten durchgemacht. Bis auf Fußball. Auch Schwimmen war nicht so mein Ding.

A propos Schwimmen. In Bezug auf das baufällige Misburger Bad, das seit Monaten geschlossen ist, weil tragende Konstruktionen schwer beschädigt sind, haben Sie ja interessante Vorschläge gemacht…
Das ist sehr traurig, was da abgelaufen ist. Das wird man sehr tief graben müssen, um einen Schuldigen ausmachen zu können. Jetzt muss man aber das Beste aus der Situation machen. Um das Bad nicht nur als Freibad nutzen zu können, sollte man wirklich darüber nachdenken, ob man vielleicht eine Halle über dem Außenbecken errichten kann.

Wie steht es denn allgemein um die Situation für Schwimmer in Hannover?
Offiziell heißt es, dass wir in Hannover überproportional mit Schwimmbädern bedacht sind. Aus Sicht der Kunden ist das aber nicht so. Die Vereine brauchen mehr Wasserflächen. Ich weiß, das ist auch eine finanzielle Frage, aber Wasserflächen fehlen. Und wir sollten auch angesichts der Flüchtlingslage darüber nachdenken, mehr Mädchen- und Frauenbadetage einzuführen, um Mädchen auch aus anderen Kulturkreisen zum Schwimmen zu bekommen.

Da Sie die Lage der Flüchtlinge in Hannover ansprechen. In der Vergangenheit mussten Sportler auch auf Hallen verzichten.
Noch immer stehen uns einige Hallen über einen (langen) Zeitraum bis zum Schuljahresende für Vereins- und Schulsport nicht zur Verfügung. Es ist zugegeben eine schwierige Zeit. Aber ich sehe durchaus Positives. Ich sage immer: „Viele unserer Hallen sind sanierungsbedürftig – und so schnell hätten wir nie eine Sanierung durchbekommen wie nach dem Auszug der Flüchtlinge aus den Hallen.“ Trotzdem: Wir freuen uns jetzt auf den Sommer und darauf, auch wieder draußen trainieren zu können.

Im Sommer kommt ja noch eine sportliche Großveranstaltung auf Hannover zu: die Special Olympics.
Ja, ich denke, für die Stadt ist das auch eine sehr gute Geschichte. Unsere Sportvereine werden die Spiele auch tatkräftig unterstützen. Wir engagieren uns ja schon lange im Bereich der Inklusion, obwohl das nicht ganz einfach ist. Wie auch an den Schulen. Wir brauchen Übungsleiter, die speziell ausgebildet sind. Das kostet. Wir müssen mit der Stadt einmal darüber sprechen.

In welchen Bereichen werden die Vereine helfen?
In fast allen. Das Problem ist nur: In den meisten Vereinen sind die Mitglieder ehrenamtlich engagiert. Die Special Olympics dauern eine Woche. Viele müssten sich also eine Woche frei nehmen.

Wie viele Menschen sind in Hannover eigentlich in Sportvereinen engagiert?
Von 500.000 Einwohnern sind es etwa 116.000.

Das hört sich erst einmal viel an. Wie steht es denn um den Nachwuchs? Vielerorts hört man, dass Kinder oftmals gar keine Zeit mehr für Sport im Verein haben.
In der Tat sind die Kinder heute ganz schön gefordert. Sie gehen ganztags in die Schule oder den Hort. Die Eltern arbeiten – und abends ist es dann zu spät. Daher setzen wir unter anderem auch auf Kooperationen mit Schulen. Ich habe zudem schon vor Jahren dem Ministerium vorgeschlagen, in die Ausbildung zum Erzieher eine Übungsleiterausbildung zu integrieren. In China und in Japan wird beispielsweise konsequent nach zwei Stunden Lernen in der Schule eine Pause und Sport gemacht. Da müssen sich die Kinder bewegen.

Wenn Sie sich etwas wünschen dürften, was wäre das?
Für mich persönlich wäre es Gesundheit und Sonne. Für den Sport in Hannover wären es zwei bis drei große Hallen, die wir beispielsweise für Ballspielearten (Handball und Basketball) nutzen könnten.

 

Das Interview führte Heike Schmidt.

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