Sieben Wochen Fastenzeit
Sieben Wochen Verzicht üben.

Sieben Wochen Fastenzeit

Die tollen Tage sind vorbei, seit alters her bereiten sich die Menschen jetzt auf die Osterzeit vor. Dabei spielt es offenbar keine Rolle, ob sie nun aus religiösen Gründen oder aus persönlichen Motiven heraus handeln. Viele verzichten in den sieben Wochen bis zum Fest auf liebgewordene Dinge. Die größte und bekannteste Aktion heißt „7 Wochen ohne“. Nach einer Emnid-Umfrage nehmen mehr als drei Millionen Deutsche daran teil, freiwillig. 7 Wochen ohne – ja, aber ohne was denn?

Für Katholiken ist die Sache klar. Für sie ist die Fastenzeit eine Zeit der Buße. Sie sollen an bestimmten Tagen auf Fleisch verzichten, an den anderen Tagen sollen sie sich nur einmal täglich sattessen. Es ist eine Zeit der Läuterung, des Verzichts. Die Aktion „7 Wochen ohne“ ist vor Jahrzehnten von der evangelischen Kirche ins Leben gerufen worden, mit ähnlichen Zielen.
Erstaunlicherweise hat eine Forsa-Umfrage eindrucksvoll bestätigt, was man auch im Bekanntenkreis hören kann: „Nein, danke, ich trinke zurzeit keinen Alkohol.“ Oder: „Nein, bitte keine Süßigkeiten.“ Mehr als 11 Millionen Deutsche verzichten in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag auf irgendetwas – und das gänzlich ohne jeden religiösen Hintergrund. Es muss also etwas dran sein an dem Gedanken, einmal im Jahr für eine Weile Maß zu halten. Das kann man vordergründig mit dem nahenden Frühjahr – Stichwort „Bikini-Diät“ – erklären, aber auch mit zutiefst menschlichen Bedürfnissen: Mäßigung ist schließlich eine der vier platonischen Kardinaltugenden.

Natürlich wird der Alkohol zuvörderst genannt, auch Nikotin. Es folgen Süssigkeiten, Fertiggerichte und Fernsehen. Letzteres wird in jüngerer Zeit zunehmend vom Verzicht aufs Internet abgelöst. Vielleicht die härteste Prüfung: Sieben Wochen ohne Handy. Verzicht auf ständige Erreichbarkeit, nicht mehr für jeden verfügbar zu sein. Auch ein schöner Vorsatz: Sieben Wochen ohne Ausreden.

Wozu das Ganze gut sein soll, wenn man ohne den religiösen Hintergrund der Buße handelt, erklären Psychologen ganz plausibel. Es ist ein Ausbruch aus den Alltagsgewohnheiten, eine Art Aufräumen sozusagen. Der Verzicht auf dieses und jenes schafft Platz im Leben – Platz für Veränderungen, Platz für Neues. Von Reinhard Urschel

 

Aschermittwoch – Verzichten Sie auf etwas? (Fotos/Umfrage: Triller)

Felix Kostrzewa (44),  Kulturmanager, Hannover: Ich habe mir vorgenommen, mich sieben Wochen vegan zu ernähren. Ich mache mir die Struktur der Fastenzeit zu nutze, deshalb fang ich Aschermittwoch damit an.

Felix Kostrzewa (44), Kulturmanager, Hannover:
Ich habe mir vorgenommen, mich sieben Wochen vegan zu ernähren. Ich mache mir die Struktur der Fastenzeit zu nutze, deshalb fang ich Aschermittwoch damit an.

 

Mark Heinz (37),  VW-Mitarbeiter, Hannover: Die Fastenzeit hat für mich keine Bedeutung, ich verzichte auf nichts. Als Norddeutscher habe ich mit Karneval eh‘ nichts am Hut.

Mark Heinz (37), VW-Mitarbeiter, Hannover:
Die Fastenzeit hat für mich keine Bedeutung, ich verzichte auf nichts. Als Norddeutscher habe ich mit Karneval eh‘ nichts am Hut.

 

Lisa Jäger (22), Hausfrau  und Mutter + Andrea  Rieckenberg (25),  Buchhalterin, Hannover: Karneval finden wir gut und wir feiern gerne mit. Aber die Fastenzeit bedeutet uns nichts. Wir üben keinen Verzicht.

Lisa Jäger (22), Hausfrau und Mutter + Andrea Rieckenberg (25), Buchhalterin, Hannover:
Karneval finden wir gut und wir feiern gerne mit. Aber die Fastenzeit bedeutet uns nichts. Wir üben keinen Verzicht.

 

Sebastian Cielewicz (17), Schüler, Hannover: Für mich als Christ hat die 40-tägige Fastenzeit eine große Bedeutung. Ich entscheide mich aber erst am Aschermittwoch kurzfristig, auf was ich bis Ostern verzichten werde.

Sebastian Cielewicz (17), Schüler, Hannover:
Für mich als Christ hat die 40-tägige Fastenzeit eine große Bedeutung. Ich entscheide mich aber erst am Aschermittwoch kurzfristig, auf was ich bis Ostern verzichten werde.

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