In seinem Brief an die Juroren kritisierte Panahi das iranische Regime mit offenen Worten: „Die Wirklichkeit ist, dass mir ohne Prozess seit fünf Jahren das Filmemachen untersagt wird.“ Festival-Direktor Dieter Kosslick erklärte, er habe noch am Abend zuvor mit Panahi telefoniert – und dieser habe gewollt, dass der Brief vorgelesen werde. Aber er befürchte jetzt, dass der Brief das vorerst Letzte sei, was von Panahi zu hören gewesen sei.
Ein Jahr nach ihrem 60. Jubiläum will sich die Berlinale in diesem Jahr neu erfinden. „Wir haben ein anderes Programm gemacht und versucht, neue Tendenzen im Weltkino zu entdecken“, sagte Kosslick. Im offiziellen Programm werden erstmals vier 3D-Filme gezeigt, unter anderem Wim Wenders’ Film über die Tänzerin und Choreografin Pina Bausch, der außer Konkurrenz läuft. Kosslick betonte außerdem, vier junge Regisseurinnen seien im Wettbewerb aufgenommen worden – ebenfalls „eine neue Note“, wie er sagte.
Auch dieses Jahr erwartet das größte deutsche Filmfestival jede Menge Prominenz. Nachdem die Berlinale 2011 von den Brüdern Joel und Ethan Coen mit ihrem Western „True Grit“ (nominiert für den Oscar als „Bester Film“ und „Beste Regie“) eröffnet wurde und die beiden Regisseure samt der Hauptdarsteller Jeff Bridges (nominiert für den Oscar als „Bester Schauspieler“), Josh Brolin und Hailee Steinfeld (nominiert für den Oscar als „Beste Nebendarstellerin“) über den Roten Teppich flanierten, heißt es in Berlin wieder „Hollywood-Alarm“. So haben sich für die kommende Woche unter anderem noch Vanessa Redgrave, Colin Firth, Helena Bonham-Carter, Liam Neeson und Diane Kruger angekündigt.
Ein Geheimnis machte Madonna aus ihrem Berlinalebesuch. Kommt sie, oder kommt sie nicht, kommt sie offiziell mit großem Trara oder gar inkognito – selbst Berlinale-Chef Dieter Kosslick, sonst immer gut informiert, wusste nichts genaues: „Sicher ist, dass es im European Film Market einige Minuten aus ihrem Film W.E. zu sehen gibt".
Madonna schaffte es mal wieder, sich in den Fokus der Öffentlichkeit zu setzten – ob sie nun kam oder nicht, man redete über ihren Drei-Minuten-Beitrag zur Berlinale. Letztendlich kam sie tatsächlich inkognito ohne großes Brimborium.
Aber es gibt natürlich auch fertige Filme zu sehen: Knapp 400 Filme aus 58 Ländern werden in diesem Jahr auf der Berlinale gezeigt. Im Rennen um den Goldenen Bären sind 16 Filme, 13 von ihnen feiern auf der Berlinale ihre Weltpremiere. Während Regisseure und Schauspieler noch zittern müssen, steht der Preisträger des Ehrenpreises schon fest: Er geht an Armin Mueller-Stahl. Er erhält den goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk.
Momente der Berlinale: (M)ein subjektiver Rückblick auf zehn Tage Filmfestspiele
von Clemens Niehaus
Am Sonnabend, 19. Februar, gingen in der Bundeshauptstadt mit der Verleihung der goldenen und silbernen Bären, die 61. Internationalen Filmfestspiele von Berlin, kurz, die Berlinale, zu Ende. Zahlreiche nationale und internationale Leinwandstars wandelten auf den roten Teppichen vor den Kinos, posierten für Pressefotografen und stellten sich den Fragen der Journalisten. Manche hinterließen tiefe Eindrücke, manche überraschten positiv, manche negativ.
Meine persönlichen Highlights der Berlinale 2011:
Einen tiefen Eindruck hinterließ Sänger und Aktivist Harry Belafonte. Der charismatische fast 84-Jährige präsentierte „Sing your Song“, seine unter der Regie seiner Tochter Gina entstandene Biografie. Belafonte spielte beim Fotocall mit den Fotografen, nutzte den Platz vor der Fotowand als Bühne. Während der Pressekonferenz erzählte er mit tiefer warmer Stimme von seinem beindruckenden Leben und seinem Kampf für die Menschenrechte und Menschlichkeit. Dafür gabs zu Recht stehenden Applaus.
Ebenfalls viel Applaus gab es für den Film „Nader and Simin – a Separation („Nader und Simin – eine Trennung“)“ des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi. Er galt als heißer Kandidat für den goldenen Bären als „Bester Film“ – und er räumte nicht nur DEN begehrten Bären ab, sondern ebenfalls die silbernen Bären sowohl für die besten weiblichen und besten männlichen Darsteller. Die zudem nicht nur an einen einzelnen Akteur verliehen wurde, sondern jeweils an das gesamte Ensemble.
Am meisten gelacht wurde bei der Pressekonferenz von Jurypräsidentin Isabella Rossellini, die in der Sektion „Berlinale Spezial“ ihren Film „Late Bloomers“ vorstellte. Regie führte Julie Gavras, Tochter der Regielegende Constantin Costa-Gavras.
Für den größten Fanauflauf sorgte Colin Firth, der zusammen mit Filmpartnerin Helena Bonham Carter das zwölffach oscarnominierte Werk „The King‘s Speech“ präsentierte. Firths Speech-Partnerin Helena Bonham Carter machte auf dem Roten Teppich den gestresstesten Eindruck. Schließlich hatte sie am selben Tag mit „Toast“ noch einen zweiten Film auf der Berlinale, den sie ebenfalls mit Fototermin, Pressekonferenz und Gang auf dem Roten Teppich promotete.
Der enttäuschendste Moment für die Fans war die Berlinale-Absage von Liam Neeson, der eigentlich mit Diane Kruger „Unknown“ vorstellen wollte, aber aufgrund von Änderungen im Drehplan in Kanada vor der Kamera stehen musste.
Den tiefsten Fall als Kultobjekt erlebte die sonst so begehrte Berlinale-Tasche. Für 15 Euro gabs den mit der heißen Nadel verarbeiteten blauen Beutel im Fanshop – wenigstens war er aus biologischer Baumwolle.
Den für mich schmerzhaftesten Eindruck der Berlinale 2011 hinterließ mein sauschwerer Koffer, der mir bereits auf dem Hinweg auf den rechten kleinen Zeh knallte und mir einen bleibenden Schmerz bescherte. Inzwischen gehts aber schon wieder.






