Brodowys Woche: Selbstgespräche
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“. Foto: Privat

Brodowys Woche: Selbstgespräche

Hab ich mich verjagt! Da saß ich nach einem Auftritt in meinem Hotelzimmer und auf einmal stellte ich fest, dass ich Selbstgespräche führe. „Merkst Du eigentlich, dass Du Selbstgespräche führst?“, fragte ich mich. „Ich? Um Himmels Willen! Wie kommst Du denn darauf?“ Aber mit dieser Gegenfrage gab ich mir ja selbst die Antwort. Einerseits war ich verblüfft, andererseits auch froh, nicht alleine zu sein. Offenbar hatte ich mich schon längere Zeit mit mir unterhalten, ohne es zu registrieren. Doch nun plötzlich, da ich mir dessen bewusst war, trat so eine verlegene Stille ein, die ich irgendwann mit einem typisch norddeutschen „Und sonst?“ zu durchbrechen versuchte. „Muss ja!“ war die zu erwartende Antwort. Es eröffnet ganz neue Möglichkeiten, wenn man mit sich selbst in den Dialog tritt. Zum Beispiel kann man schonungslos offen sein und sich die Wahrheit ins Gesicht sagen, ohne dass man hinterher sauer ist. Obwohl… Ich war mir da plötzlich nicht so sicher. Gerade, wenn man sehr vertraut ist, kann man bei allzu großer Offenheit auch schnell verletzt ein sein. Also beschloss ich, trotz aller Vertrautheit, mir das „Sie“ anzubieten. Ich finde, es wird im Allgemeinen viel zu viel und viel zu schnell geduzt. Das ist so schade, denn das Siezen hat viel mit Respekt zu tun. Der Flucher im Auto beispielsweise schreit stets „Du Idiot“. Auf „Sie Idiot“ käme er gar nicht. Wie auch immer. Seit ich mich also in meinen Selbstgesprächen sieze, pflegen wir, ich und ich, einen geradezu philosophischen Diskurs über Gott und die Welt und das Sein im Allgemeinen.

Am 12. und 13.1. tritt Matthias Brodowy im Theater am Küchengarten auf.

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