Chancen für Spätstarter
Sie werden noch gesucht: Auszubildende in den Bereichen Frisör, Logistik oder auch in der Gastronomie wie beispielsweise Köche. Foto: imago

Chancen für Spätstarter

Noch immer sind zahlreiche Lehrstellen vorhanden / Bewerbungen möglich

Von Heike Schmidt
Hannover. Wandel auf dem Ausbildungsmarkt: Galt einst der 1. August als Stichtag für das neue Ausbildungsjahr, halten es die Unternehmen nun weitaus flexibler. „Wir tragen noch Ausbildungsverhältnisse bis zum 31. Oktober ein“, sagt Sabine Wilp, Pressesprecherin der Handwerkskammer Hannover. Soll heißen: Bis zum 31. Oktober können sich Jugendliche und junge Erwachsene noch auf Handwerksberufe bewerben und richtig durchstarten.
Auch die Unternehmen, die der Industrie- und Handelskammer (IHK) angehören, sind längst nicht mehr auf das Datum im August fixiert. „Jugendliche sollten sich nicht von dem vermeintlichen Stichtag 1. August abschrecken lassen. Der Ausbildungsstart ist in vielen Unternehmen im September oder noch später möglich“, sagt Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover.

Sie werden noch gesucht: Auszubildende in den Bereichen Frisör, Logistik oder auch in der Gastronomie wie beispielsweise Köche. Foto: imago

Sie werden noch gesucht: Auszubildende in den Bereichen Frisör, Logistik. Foto: imago

Eine Chance auf einen Ausbildunsgplatz gebe es besonders in den Bereichen Logistik, Handel oder auch Gastronomie. Doch nicht nur dort wird gesucht. „Auch im IT-Bereich und bei gewerblich-technischen Berufen gibt es freie Plätze“, erklärt der IHK-Chef. Viele Unternehmen hätten ihre Ausbildungsplätze bisher noch nicht komplett besetzen können oder stehen noch in der Besetzungsphase, weil der Ausbildungsbeginn erst später ist.
Warum die Unternehmen sich zunehmend flexibler zeigen, hat mehrere Ursachen. „Zum einen gibt es Unternehmen, die ihren Ausbildungsstart verschieben, weil sie bis dahin keine passenden Bewerber gefunden haben“, erklärt IHK-Pressesprecher Stefan Noort:
Eine große Rolle spielten aber mittlerweile auch die Ferienzeiten.Viele Unternehmen planten bei relativ späten Sommerferien wie in diesem Jahr von vornherein einen späteren Ausbildungsbeginn nach oder zum Ende der Sommerferien ein.
Auch im Handwerk haben Jugendliche noch eine Chance: „In der Stadt und Region Hannover gibt es für dieses Jahr noch 254 freie Lehrstellen im Handwerk in unserer Lehrstellenbörse“, sagt Wilp. Besonders gesucht würden Fachverkäufer im Nahrungsmittelhandwerk (dort sind derzeit noch 68 Stellen frei), Friseure (in dem Bereich gibt es 34 freie Stellen) oder auch Elektroniker (in dem Lehrbereich sind noch 16 Stellen zu besetzen).werbung an die jeweiligen Unternehmen schicken, sollten sie aber immer einmal vorher in dem Betrieb anrufen und nachfragen, ob die Stelle wirklich noch zu haben ist“, rät Wilp.
Eine Chance, seinen Lieblings-Ausbildungsplatz zu bekommen, besteht aber noch immer, denn: Mehrere Hundert Jugendliche treten ihre Ausbildung gar nicht erst an. „Viele bewerben sich bei mehreren Unternehmen und unterschreiben einen Vertrag“, erklärt IHK-Pressesprecher Stefan Noort. Wenn sie dann allerdings ihren Lieblingsplatz bei einem anderen Unternehmen bekämen, würden sie die erstere Stelle gar nicht antreten. Ähnliches weiß auch Sabine Wilp von der Handwerkskammer zu berichten: „Manche Azubis stellen nach drei Wochen fest, dass ihnen der Job doch nicht gefällt und machen dann etwas anderes.“ Auch diese Plätze würden dann frei.

Sie werden noch gesucht: Auszubildende in den Bereichen Frisör, Logistik und Gastronomie. Foto: imago

Sie werden noch gesucht: Auszubildende in den Bereichen Frisör, Logistik und Gastronomie. Foto: imago

Die IHK meldet diese offenen Stellen der Agentur für Arbeit. „Anfang Oktober wird die IHK gemeinsam mit den Arbeitsagenturen und Jobcenter Nachvermittlungsgespräche mit den jungen Menschen anbieten, die bis zum 30. September noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben“, sagt Noort. Dort werde jeder Jugendliche ein Angebot für Ausbildungsplätze oder Einstiegsqualifizierungen erhalten. „Um an der Nachvermittlung teilnehmen zu können, müssen die Jugendlichen allerdings als ausbildungsplatzsuchend bei der Agentur für Arbeit gemeldet sein“, betont der IHK-Sprecher.
Dennoch sind in diesem Jahr laut IHK weitaus mehr Ausbildungsverträge zum 1. August abgeschlossen worden als in den Jahren zuvor. „Bei der IHK in der Region Hannover sind zu diesem Datum 4.268 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, 1.191 bei gewerblich-technischen Berufen und 3.077 bei den kaufmännischen Berufen. Das entspricht einem Plus von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, erklärt Noort.

 

Tausende unbesetzte Ausbildungsplätze

Am 30. Juli meldete die Agentur für Arbeit 2386 unbesetzte Ausbildungsstellen in der Region Hannover. Wer einen Platz sucht, kann die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer unter www.hwk-hannover.de/lehrstellenboerse oder die der Industrie- und Handelskammer unter www.ihk-lehrstellenboerse-hannover.de nutzen.

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