„Das ist eine Art zu leben“
Seit 30 Jahren glücklich in Hannover: Loek Grobben kam einst der Liebe wegen in die Landeshauptstadt. Foto: Wallmüller

„Das ist eine Art zu leben“

Es war die Liebe, die ihn vor fast 30 Jahren nach Hannover geführt hat. Bei einem internationalen Seminar in Ungarn hatte der Niederländer Loek Grobben seinen Freund kennengelernt – einen Hannoveraner. Drei Jahre lang sind sie zwischen dem niederländischen Groningen und der niedersächsischen Landeshauptstadt gependelt. Für beide war es nicht einfach, ihren Arbeitsplatz aufzugeben. Grobben war als Sozial- und Kulturpädagoge an der Hochschule für Krankenpflege in Groningen tätig; sein damaliger Freund war höherer Beamter in Hannover. Schließlich entschied sich Grobben, zu ihm an die Leine zu ziehen.

Für seine Mutter sei es anfangs schwer gewesen, die Beziehung ihres Sohnes zu einem Deutschen zu akzeptieren. Sie war Jüdin. Viele ihrer Familienmitglieder waren während des Nationalsozialismus in Konzentrationslager deportiert und ermordet worden. „Als ich noch in Groningen lebte, lud ich meine Mutter ein“, erinnert sich der heute 70-Jährige. Gemeinsam mit seinem Partner holte er sie vom Bahnhof ab: „Mein Freund ist wunderbar auf sie eingegangen. Wir saßen nur ein paar Minuten zusammen im Auto, da hatten die beiden schon Freundschaft geschlossen.“

In Hannover hat Grobben sich vom ersten Tag an wohlgefühlt, obwohl er nur wenig Deutsch konnte und auch beruflich neu anfangen musste. „Ich hatte mit meinem Freund die Abmachung, dass ich mir in Hannover zunächst nur das Geld für meine Kleidung und ein Taschengeld verdienen musste. Ich habe dann Volkstanzkurse und andere Seminare an der Volkshochschule gegeben“, erinnert er sich. Es sprach sich schnell herum, dass seine Kurse beliebt waren. Und so bekam der studierte Theaterpädagoge immer mehr Aufträge, beispielsweise von Freizeitheimen, Schulen und dem Kommunalen Seniorenservice sowie einen Lehrauftrag an der Universität Hildesheim.

Grobben fühlte sich bald zu Hause in Hannover. Auch als er sich 2002, nach 19 Jahren, von seinem Freund trennte, blieb er. Er hat inzwischen einen neuen Partner gefunden, mit dem er jetzt seit fast 13 Jahren in der List zusammenlebt. Vermisst habe er die Niederlande und seine Heimatstadt Amsterdam in all den Jahren nie. „Es ist nicht mein Ding, in der Vergangenheit zu leben“, so Grobben.

In die Niederlande fährt er nur selten, um seinen Bruder und seine Neffen zu besuchen. Auch in Hannover habe er lange keinen Kontakt zu anderen Niederländern gesucht. Erst 2006 zur Fußballweltmeisterschaft ist er bei Facebook auf einen Aufruf gestoßen: „Da haben Niederländer Landsleute zum gemeinsamen Fußballgucken gesucht.“ Obwohl er kein großer Fußball-Fan sei, habe er sich bei ihnen gemeldet. „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Seitdem treffen wir uns regelmäßig“, so Grobben.

Nach wie vor nimmt seine Arbeit viel Raum ein. Häufig komme er auf 40 Wochenstunden. „Das ist aber schon eine deutliche Reduzierung. Ich bin 60 bis 80 Stunden gewöhnt“, sagt der 70-Jährige. Ganz ohne seine Theaterprojekte wäre seine Rente sehr knapp. Doch das ist nicht der einzige Grund für ihn, weiterzuarbeiten: „Ich sage immer: Ich habe keinen Beruf. Das ist eine Art zu leben.“

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