Das Rote Sofa: Caroline und Gerhard Bosselmann
Caroline und Gerhard Bosselmann zusammen mit Redaktionsleiterin Heike Schmidt (ganz links) auf dem Roten Sofa. Foto: Oberdorfer

Das Rote Sofa: Caroline und Gerhard Bosselmann

Man spürt, dass diese beiden sich gut verstehen: Beide sind begeisterte Reiter. Beide leben inzwischen wieder zusammen. „In einer WG“, wie sie betonen. Und sie haben eine Leidenschaft für das gleiche Unternehmen: die Landbäckerei Bosselmann. Gerhard und Caroline Bosselmann sind Vater und Tochter – und in absehbarer Zeit auch mehr: Gerhard Bosselmann wird den Betrieb an seine Tochter übergeben. Diese soll sich aber nicht ins gemachte Nest setzen. Sie soll den Job von der Pike auf lernen und vor allen Dingen Begeisterung mitbringen. Ein Gespräch über Väter und Töchter, über mittelständische Unternehmen und das Besondere der Landbäckerei Bosselmann.

Sie sind beide Reiter…
Gerhard Bosselmann: Ja, ich erinnere mich noch an die erste Führzügelklasse, in der Caro gestartet ist. Das Pony war 32 Jahre alt, und ich wog zu der Zeit wahrscheinlich mehr als das Pony.

Caroline Bosselmann: …und jetzt hat Papa mir angeboten, eines seiner Pferde zu reiten.

Geht das gut?
Caroline Bosselmann (lacht): Inzwischen ja. Ich weiß ja, wie er es meint.

In absehbarer Zeit wollen Sie noch mehr an Ihre Tochter abgeben. Sie soll die Landbäckerei übernehmen. Um jeden Preis?
Gerhard Bosselmann: Auf gar keinen Fall! Sehen Sie, ich komme aus einem preußischen Elternhaus. Da wurde mein Vater von meinem Großvater einbestellt, und er hatte den Betrieb zu übernehmen. Das will ich anders machen. Eine Firma ist eine Gruppe von Menschen mit Begeisterung und Emotionen. Ich muss die Begeisterung spüren, sonst wird das nichts. Ich möchte auch nicht, dass sie eines dieser Kinder wird, die sich aufgrund ihrer Tochter- oder Sohnfunktion ins gemachte Nest setzen. Auch wenn sie mich manchmal wahnsinnig macht. Ich möchte Persönlichkeit. Viele mittelständische Unternehmen machen das falsch. Caroline soll nicht nur „Tochter des Chefs“ sein.

Caroline Bosselmann (lacht): Toll, darf ich Dich damit mal zitieren?

Frau Bosselmann, gab es denn jemals eine Alternative zur Bäckerei?
Caroline Bosselmann: Ja, klar! Ich wollte unbedingt erst eine Ausbildung machen und arbeiten. Ich habe Hotelfachfrau im Luisenhof gelernt. Dort ist der Anspruch schon sehr hoch. Es ist eben auch ein Familienbetrieb. Und da habe ich einige Schichten hingelegt.

Das war sicherlich nicht sehr einfach, immer allen Menschen gerecht zu werden.
Caroline Bosselmann: Da muss man der Typ für sein. Ich arbeite immer noch in der Gastronomie, weil mir das total Spaß macht. Ich bin da nicht nur das Tellertaxi.

Gerhard Bosselmann: Und das ist es auch, was ich an Caroline so schätze: Sie hat da eben keine Kunden, sondern Gäste. Genau das wollen wir ja auch vermitteln. Wir verkaufen nicht nur Backwaren, wir verkaufen auch Herzlichkeit, ein kleines Stückchen Urlaub in einer Zeit, in der alles schneller wird.

Haben Sie nicht trotzdem manchmal mit dem Vorurteil zu kämpfen, als Tochter vom Chef einen einfacheren Weg vor sich zu haben?
Caroline Bosselmann: Sicher. Aus meiner Umgebung höre ich öfter: „Mit so einer Vorlage hast Du ja leichtes Spiel“. Das hört sich ja auch erst einmal super an. Aber die haben keine Ahnung, wie viel Arbeit dahinter steckt. Auch gerade, wenn es um neue Produkte geht.

Probieren Sie eigentlich immer alles durch?
Caroline Bosselmann (lacht): Das Frühstück ist jedenfalls immer gesichert!

Gerhard Bosselmann: Natürlich. Wissen Sie, in manchen Hotels sind die Betten oder die Duschen so schlecht, dass man sich fragt, ob der Direktor selbst bei sich im Haus schlafen würde. Das möchte ich nicht.

Beim Stichwort Schlafen fällt mir ein: Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie wieder bei Ihrem Vater einzogen sind?
Caroline Bosselmann: Ich studiere derzeit in Hamburg BWL und Marketing. Meine Freundin, die mit in der WG dort lebte, bekam ein Jobangebot. Es war halt einiges im Umbruch, und da bin ich abends nach Hause gefahren und habe ihn gefragt, was er davon hielte, wenn ich wieder einzöge.

Und standen die Koffer da schon gepackt vor der Tür?
Gerhard Bosselmann (lacht): Ja, so in etwa war das. Dass sie wieder eingezogen ist, hat aber auch eine Menge Vorteile. Sie bekommt auch meine täglichen Sorgen mit. Dann sitzen wir abends gemeinsam am WG-Tisch und sprechen.

Caroline Bosselmann: Und da ich auch Marketing studiere, habe ich auch manchmal Ideen, wie man was machen könnte.

Gerhard Bosselmann: Und dass sie ihre Ideen mit einbringt, ist extrem wichtig. Ein Bäcker altert mit seinen Produkten und eben auch seiner Kundschaft. Wenn wir jüngere Kunden ansprechen wollen, dann müssen wir uns auch in diesem Bereich verändern. Ich weiß noch, wie Du mir das erste Mal von Chai Latte erzählt hast. Das war ja etwas, was ich noch nicht einmal aussprechen konnte.

Caroline Bosselmann: Dafür kannst Du den Kunden die Geschichte hinter Earl Grey-Tee erzählen. Und genau das ist wichtig: Die Kunden sollen die Geschichte hinter dem Produkt erfahren. Auch das ist Nachhaltigkeit. Wenn sie wissen, was hinter dem Produkt steht, wer dafür arbeitet und woher die Zutaten kommen, lassen sie sich eher darauf ein.

Interview: Heike Schmidt

Weitere Interviews auf dem Roten Sofa lesen Sie auf unserer Themenseite.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.