Das Rote Sofa: Carsten Pülm
Carsten Pülm spricht über das Arbeiten in einem Familienunternehmen und die Chancen der Bustouristik. Foto: Oberdorfer

Das Rote Sofa: Carsten Pülm

Vor mehr als 60 Jahren gründete Karl Pülm das gleichnamige Verkehrs- und Reiseunternehmen. Heute wird es in der dritten Generation geführt. Gemeinsam mit Stefan steht Carsten Pülm an der Spitze des Unternehmens. Sein Vater ist noch als Seniorpartner an Bord, Brigitte Pülm kümmert sich um Produktentwicklung und Einkauf, Jens Pülm um die Bereiche Touristik und Mietbus. Wie es ist, in einem Familienunternehmen zu arbeiten und wo die Chancen der Bustouristik liegen, hat Carsten Pülm in einem Interview erklärt.

Herr Pülm, Sie sind gerade aus dem Urlaub zurück. Wie waren Sie unterwegs: Sind Sie mit dem Auto, der Bahn oder dem Bus gefahren?
Wir waren mit dem Auto unterwegs. Aber bei Sportreisen bin ich gerne im Bus dabei. Als Hannover 96 noch in der Euro League spielte, sind wir mit Bussen und ganz vielen Fans aus Hannover zu den Spielen gefahren. Aber derzeit ist das Interesse nicht so da.

Gehen Sie denn zu den Spielen von 96 ins Stadion?
Ja, klar. Ich habe eine Dauerkarte.

Fankurve oder VIP-Bereich?
Fankurve, mittendrin.

Da war es ja in der letzten Zeit oftmals nicht so toll, kann ich mir vorstellen.
Doch, doch. Ich glaube, Hannover 96 hat ganz viel richtig gemacht mit André Breitenreiter (neuer 96-Trainer, Anm. d. Red.). Den kenne ich schon aus Havelse. Wir fahren den TSV heute noch zu Spielen. Der Breitenreiter ist ein ganz gewinnender Typ. Der kann seine Mannschaft zum Siegen bringen.

Sie scheinen der Region hier ja auch sehr verbunden zu sein. Der Hauptsitz Ihres Unternehmens ist in Seesen, Sie selbst wohnen in Hannover. War es eigentlich Ihr Ziel, ins Familienunternehmen einzusteigen?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe als Unternehmensberater gearbeitet. Ich war nur unterwegs. Meine Frau hat in Münster ihre erste Arbeitsstelle gehabt. Als dann unser erster Sohn zur Welt kam, haben sich die Prioritäten verschoben. Wir haben uns gefragt, wie wir es schaffen, ein Familienleben aufzubauen. Gleichzeitig kam meine Familie auf mich mit der Idee zu, ins Unternehmen einzusteigen.

Haben Sie Ihre Entscheidung jemals bereut?
Nein, ganz und gar nicht. Es war die beste Entscheidung, die ich habe treffen können. Ich würde es genauso wieder machen. Mein Vater hat damals gesagt, dass er zwar da sein wird, wenn es ein Problem gibt, er aber uns machen lassen wird. Er hatte gelernt, die Fehler seines Vaters nicht zu wiederholen.

Aber ist ein Familienunternehmen nicht manchmal auch Fluch und Segen zugleich?
Es ist schwierig und zugleich schön. Wir können uns unbedingt aufeinander verlassen. Natürlich geht es manches Mal auch emotionaler zu. Das ist sicherlich manchmal auch anstrengender. Aber wo Reibung ist, entsteht auch Wärme. Und: Bislang feiern wir Weihnachten immer noch zusammen (lacht).

Ihr Großvater hat das Unternehmen 1945 gegründet. Inzwischen ist eine Menge Zeit vergangen…
Ja, über Jahrzehnte ist der Bustouristik-Markt stark gewachsen. Heute schaffen wir es, in einem schrumpfenden Markt zu wachsen. In der 80er Jahren war die Hochphase des Bustourismus. Zu der Zeit hatten wir ein relativ genügsames Publikum. Die Nachkriegsgeneration war froh, rauszukommen. Das hat sich heute grundlegend geändert. Die Kunden sind anspruchsvoller geworden. Wir müssen unsere Kunden heute noch besser verstehen, um ihnen entsprechende Angebote machen zu können.

Wer fährt mit Ihnen weg?
Die meisten unserer Kunden sind 50 plus. Unsere Stammkunden sind gut situiert, älter als 60 Jahre und möchten noch viel erleben. Sie mögen Kurzreisen. 30 Prozent sind Stammkunden.

Was tun Sie, um jüngere Kunden zu gewinnen?
So gesehen nichts. Ein kluger Mann hat einmal gesagt: Es ist wichtiger einen Markt zu haben als eine Fabrik. Wir wenden uns bewusst nicht an Jüngere. Der Bus ist eher das Thema der älteren Menschen. Zudem verkaufen wir nicht über den Preis unsere Produkte. Uns sind andere Themen viel wichtiger. Beispielsweise die Sicherheit. Wir investieren in unsere Fahrer, die Fahrsicherheitstrainings bekommen. Wir investieren in die Sicherheit unserer Busse, die mit allen technischen Dingen bezüglich der Sicherheit ausgerüstet sind, die es gibt.

Gleichzeitig bieten Sie auch Reisen an, die an kulturelle Veranstaltungen gekoppelt sind.
Ja, wie beispielsweise Reisen zur Elbphilharmonie nach Hamburg mit einer Übernachtung im Hotel Louis C. Jacob.

Was ja nicht unbedingt als Luxushotel eine erste Adresse für Busreisen ist.
Das stimmt. Aber durch unsere Kontakte haben wir es geschafft, dass dort Gäste von uns übernachten dürfen. Und diese fallen unter den anderen Gästen des Hotels keineswegs auf. Die Leistungen des Luxus-Hotels decken sich hervorragend mit der Erwartungshaltung unserer Musik- und Kulturreisenden.

Interview: Heike Schmidt

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