Das Rote Sofa: Schauspieler Pavel Trávnícek
Schauspieler Pavel Trávnícek steht in „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ als König auf der Bühne. Vor 40 Jahren war er der Prinz. Foto: Niehaus

Das Rote Sofa: Schauspieler Pavel Trávnícek

Er war der Märchenprinz einer ganzen Generation. Jetzt spielt Pavel Trávníček den König in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Ein Gespräch über versinkende Pferde, Schwierigkeiten bei Dreharbeiten und ein Leben als „der ewige Prinz“.

Herr Trávníček, ich muss Ihnen gestehen: Sie sind der Märchenprinz meiner Kindheit – und von tausenden anderen Mädchen auch. Wann ist Ihnen das eigentlich bewusst geworden?
Ach, das ist mir erst sehr spät klar geworden. Als der Film 1973 gedreht wurde, gab es noch nicht so viel Reklame. Auch von Medienseite gab es nicht so viel Rummel. Das kam alles erst Jahre später.

Jetzt sind Sie vom Prinzen zum König geworden – war das eine natürliche Entwicklung?
Ja, so ist das nun mal. Männer werden älter, Frauen altern nicht. (lacht) Von daher ist das für mich eine völlig normale Entwicklung gewesen.

Hat Sie die Prinzenrolle jemals losgelassen? Oder anders gefragt: Nervt es Sie, der ewige Prinz zu sein? Inger Nilsson ist ja auch die ewige Pippi Langstrumpf…
Nein, es nervt mich nicht. Die Rolle war ja die Grundlage meiner Karriere. Der Prinz bleibt mir mein ganzes Leben. Ich habe danach ja noch einige Prinzen in Defa-Produktionen gespielt – in Schneeweißchen und Rosenrot oder auch Der dritte Prinz. Ich bin lebenslang ein Prinz.

Für Ihre Rolle mussten Sie damals reiten lernen. Sind Sie bei den Dreharbeiten jemals heruntergefallen?
Ich hatte damals ja nur eine Woche Zeit zum Reiten lernen. Normalerweise braucht man mindestens ein halbes Jahr dazu. Einmal bin ich tatsächlich heruntergefallen.

Es gibt in dem Film die superromantische Szene während des Abspanns, in der Prinz und Prinzessin durch die tiefverschneite Landschaft galoppieren. War das nicht schwierig?
(lacht) In der Tat! Ich bin nur 30 Meter weit gekommen. Dann hatte ich kein Pferd mehr, beziehungsweise man sah nur noch die Ohrspitzen von dem Schimmel. Ich war mitten in eine Schneewehe geritten, und wir kamen da nicht mehr ohne Hilfe heraus. Es musste ein Trecker geholt werden, der uns quasi ausgrub. Das war vielleicht was. Der Regisseur rief nur: Was machst Du denn da?!

Was war die schwierigste Situation bei den Dreharbeiten?
Eigentlich war der ganze Dreh schwierig. Der Film sollte eigentlich im Sommer gedreht werden. Aber sie wurden nicht mit den Vorbereitungen fertig. Also hatten wir im tiefsten Winter bei Minus 15 Grad Sommerkostüme an. Sie erinnern sicherlich die Strumpfhosen, die der Prinz und sein Gefolge anhatten. Wir haben sehr gefroren.

Haben Sie auch Armbrust-Schießen gelernt?
Nein. Meine Armbrust war eine Attrappe. Der Pfeil kam nur drei Meter weit. Der Landesmeister im Schießen hat danach für die Szene einen Pfeil geschossen. So viele Tricks wie heute gab es damals nicht.

Und wie hat man das hinbekommen, dass Rosalie, die Eule, so malerisch mit den Augen klimpert, wenn es passt?
Das war wirklich reiner Zufall. Das konnte man nicht beeinflussen. Aber man hatte schon einige Schwierigkeiten, dass sie genau dahin flog, wo man sie hinhaben wollte. Die Tauben, die Aschenbrödel beim Lesen der Linsen helfen, bekamen extra Körner, mit denen sie angelockt wurden. Das war einfacher.

Ist das Märchen in Ihrer Heimat Tschechien eigentlich auch so bekannt?
Ich glaube, es ist in ganz Europa der Weihnachtsklassiker schlechthin.

Wie ist es eigentlich, dem heutigen Prinzenpaar zuzusehen?
Das Prinzenpaar hat sich etwas geändert. Ich war für die damalige Zeit sehr modern, frech, selbstbewusst – wie der heutige Prinz auch. Das Aschenbrödel ist heute hingegen weitaus energischer als das von einst. Aschenbrödel weiß, was es will. Sie ist eben so, wie die jungen Frauen heute sind. Da war das einstige Aschenbrödel, Libuše Šafránková, weitaus zurückhaltender.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren einstigen Mitspielern?
Zu Libuše ab und an noch einmal.

Sie betreiben heute ein eigenes kleines Theater in Prag. Was steht bei Ihnen auf dem Spielplan?
Wir spielen Komödien. Wissen Sie, die Leute arbeiten den ganzen Tag. Da möchte ich, dass sie etwas Lustiges sehen

Interview: Heike Schmidt

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