Dem Nachwuchs auf der Spur
Das Tor im Blick: Lukas Hiller von der D2 des TSV Anderten beim Sprungwurf. Foto: Serreck

Dem Nachwuchs auf der Spur

Handball: Der Verband hofft auf mehr Ehrenamtliche und qualifizierte Trainer

Hannover. Für Mia Lakenmacher beginnt der Handballtag um 7.30 Uhr. „Dreimal in der Woche habe ich Frühtraining“, erzählt das Talent der HSG Hannover-Badenstedt. Die 15-jährige besucht das Sportinternat des Humboldt-Gymnasiums. Dem Unterricht folgt abends das Vereinstraining. Mia hat einen Traum: „Die Nationalmannschaft.“

Eine Aufgabe von Jan Friedrich (links) ist die Trainerausbildung. Foto: Serreck

Die Tochter des früheren Nationalspielers Sven Lakenmacher hat es mittlerweile zur Sichtung des DHB geschafft. In den vergangen vier Jahren durchlief sie die Förderung des Handballverbandes Niedersachsen (HVN). „Es war schon viel, hat aber Spaß gemacht“, findet Mia.

Los geht es für die Kinder im Alter von 10 oder elf Jahren mit der Regionssichtung. Diejenigen, die es in den Regi-onskader schaffen, trainieren alle 14 Tage gemeinsam, dazu gibt es Lehrgänge und Turniere. Nach zwei Jahren geht es beim HVN weiter. Jeweils 40 Mädchen und Jungen werden weitere zwei Jahre begleitet. Einzige Vorgabe sind drei Trainingseinheiten in der Woche. „Die Liga schreiben wir nicht vor“, sagt Landestrainerin Christine Witte. Das regele sich von allein, sobald die Jugendlichen nicht gefordert sind. Um zu testen, ob man sich den Sprung zum größeren Verein zutraut, gibt es im Jugendbereich das Doppelspielrecht.

Sammeln von Spielern in einem Verein hält Witte für wenig sinnvoll. „Ein dritter Spieler auf einer Position ist dann Bankdrücker.“ So ist ein Kriterium zur Erlangung des DHB-Jugendzertifikates die individuelle Ausbildung der Athleten. Um diesen den optimalen Weg aufzuzeigen, gibt es eine Laufbahnberatung durch den HVN. Grundsätzlich sei kein früher Vereinswechsel nötig. „Es muss alles passen. Jungen die das Talent für die dritte Liga haben, müssen nicht von Anderten nach Burgdorf wechseln“, findet die Landestrainerin. Weil die A-Jugend des TSV Anderten nur in der Oberliga spielt, ist Joel Wolf trotzdem diesen Weg gegangen.

Dass es die Spieler nach Burgdorf zieht, erklärt sich für Stephan Lux, Trainer des HSV Hannover und auf Honorarbasis für den HVN tätig, mit der „Zugkraft der Erstli-gamannschaft.“ Ein starker Club habe Vorteile für den Verband, aber nicht unbedingt für die anderen Vereine. „Wir haben noch keine Antwort gefunden, wie wir die Breite entwickeln können“, bedauert Lux. Dazu kommt: es wird immer schwieriger, Kinder für Handball zu begeistern. „Die Folge der abnehmenden Bedeutung des Sports in der Gesellschaft“, erläutert Jan Friedrich, HVN-Bildungsreferent für Lehre und Interimstrainer HSG Hannover-Badenstedt. Zeitanteile des Sports in der Schule werden gekürzt. Lux, selber Lehrer, formuliert es drastisch: „Die Ganztagsschule ist eine Katastrophe für den Sport und die Kultur des Vereinswesens.“

Neben dem Nachwuchs fehlen Ehrenamtliche. Nicht alle Jugendlichen sind so talentiert wie Mia Lakenmacher, aber wichtig für den Sport. „Als Schiedsrichter oder Trainer“, sagt Friedrich. Er weiß: Es fehlen qualifizierte Trainer, da viele Vereine zu wenig in ihren Nachwuchs investieren. Immerhin – 2017 wurden 150 C-Trainer ausgebildet. Das macht Hoffnung, dass auch künftig Talente wie Mia Lakenmacher entwickelt werden.

von Uwe Serreck

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