Der Blick geht Richtung Freiheit
Uli Hoeneß kann seiner Haftentlassung entgegenblicken. Foto: Imago

Der Blick geht Richtung Freiheit

Nach der Hälfte der Haftstrafe: Uli Hoeneß in wenigen Wochen wieder auf freiem Fuß

Von Reinhard Urschel
Berlin. Zu 42 Monaten Gefängnis verurteilt, aber schon nach 21 Monaten ein freier Mann – wie kann das sein? Genießt der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Uli Hoeneß einen Promi-Bonus? Gewissermaßen eine Extrawurst für den bayrischen Wurstfabrikanten und ehemaligen Bayern-Präsidenten?
Es gibt nicht wenige, die das so sehen. Monatelang hatte Bayerns Justiz betont, für Hoeneß werde keine Extrawurst gebraten. Führende Juristen hatten erklärt, dass eine Freilassung von Hoeneß nach nur der Hälfte der Strafe nicht angehe: zu hoch sei die Summe seiner Steuerhinterziehung, zu sehr müsse man sich in Acht nehmen, dass nicht der Anschein der Besserbehandlung eines Prominenten entstehe. Man muss dazu wissen: Bewährung nach nur der Hälfte der Strafe – das ist in Deutschland die absolute Ausnahme, in Bayern ohnehin.
Das mit der Extrawurst ist Auslegungssache, die Freilassung selbst aber nicht. Denn die vorzeitige Haftentlassung ist im Strafgesetzbuch eindeutig geregelt. In Paragraf 57, Absatz 2, heißt es: „Schon nach Verbüßung der Hälfte einer (…) Freiheitsstrafe (…) kann das Gericht die Vollstreckung des Restes zur Bewährung aussetzen, wenn die verurteilte Person erstmals eine Freiheitsstrafe verbüßt und diese zwei Jahre nicht übersteigt oder die Gesamtwürdigung von Tat, Persönlichkeit der verurteilten Person und ihrer Entwicklung während des Strafvollzugs ergibt, dass besondere Umstände vorliegen (…).“ Hoeneß ist zwar Ersttäter und erfüllt damit die wichtigste Voraussetzung für die vorzeitige Entlassung. Allerdings wurde er zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt.
Entscheidend ist in dem langen Satz aber das Wort „oder“. Die zuständige Strafvollstreckungskammer am Landgericht Augsburg ging davon aus, dass die dort beschriebenen „besonderen Umstände“ im Fall von Hoeneß zutreffen. Bei der Entscheidung seien unter anderem die Persönlichkeit von Hoeneß, sein Vorleben, die Umstände der Tat und das Verhalten des 64-Jährigen in der Haftzeit gewürdigt worden, sagte Gerichtssprecher Claus Pätzel. Die Kammer habe betont, „dass der Verurteilte trotz seiner Position stets bereit gewesen sei, sich in die Gefangenengemeinschaft zu integrieren“. Bei seinen zahlreichen Ausgängen sei es zu keinen Beanstandungen gekommen. Den Schaden habe Hoeneß durch Zahlungen in Höhe von mindestens 43 Millionen Euro wieder gutgemacht, sagte Pätzel.
Hoeneß ist bereits seit einem Jahr Freigänger und arbeitet tagsüber in der Jugendabteilung des deutschen Fußball-Rekordmeisters. Die Wochenenden kann er meist in seinem Haus am Tegernsee verbringen.

 

Uli Hoeneß kommt vorzeitig frei: Finden Sie das richtig? (Umfrage & Fotos: Triller)
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Michael Steinberg (63), Buchhändler, Hannover: Nein, grundsätzlich finde ich die vorzeitige Entlassung nicht richtig. Wo kommen wir denn da hin? Ich glaube, Hoeneß hat wohl einen kleinen Promibonus bekommen.

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Oliver Thiel (48), Sozialversicherungsfachangestellter, Barsinghausen: Ja, die vorzeitige Entlassung entspricht der deutschen Rechtsprechung. Hoeneß hat seine Schulden bezahlt. Es gibt keinen Grund, ihn härter als andere zu bestrafen.

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Thomas Blomer (24), Verfahrensmechaniker, Dinklage: Juristisch betrachtet ist es richtig, dass Hoeneß vorzeitig entlassen wird. Dass ein Promibonus vergeben wurde, ist dabei nicht ganz auszuschließen.

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Uwe Ehnien (48), Sozialarbeiter, Hannover: Nein, ich finde das nicht richtig. Ich vermute, dass Leute, die nicht prominent sind, nicht so früh aus der Haft entlassen worden wären. Das widerspricht dem Grundsatz der Gleichbehandlung.

Uwe%20Peya

Uwe Peya (75), Rentner, Lehrte: Ja, ich finde die vorzeitige Entlassung richtig. Hoeneß hat sich selbst angezeigt, 43 Millionen Euro Wiedergutmachung gezahlt und er hat sich in der Haft gut geführt.

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