Die Angst als Begleiter
Sorgen für Sicherheit: An zentralen Orten zeigt die Polizei eine höhere Präsenz. Foto: Dröse

Die Angst als Begleiter

Vor einem Jahr waren wir alle Charlie. Am 7. Januar 2015 stürmten zwei schwerbewaffnete Dschihadisten die Redaktion der Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Dort und an den folgenden drei Terrortagen in Frankreich starben insgesamt 20 Menschen. Danach rollte eine Welle der Solidarität durch Europa. „Je suis Charlie“, das sollte heißen: Wir lassen uns unsere freie, offene Gesellschaft nicht kaputtmachen. Meinungsfreiheit und Toleranz sind stärker als Maschinengewehre. Dass solch ein Anschlag auch in Deutschland immer möglich ist, war auch vor einem Jahr allen bewusst. Statt der Angst aber herrschte damals Hoffnung. Hoffnung darauf, dass ein Schulterschluss zwischen Bürgern jeden Glaubens und jeder Herkunft sowie einen enge Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden einen Anschlag verhindern könnten. Vielleicht sogar Hoffnung darauf, dass mögliche Gotteskrieger ihren Wahn erkennen und merken, wie erbärmlich und allein sie letzlich sind.
Ein Jahr später herrscht nur noch Angst. Sie kam wieder aus Paris. Das sinnlose Abschlachten von feiernden, fröhlichen Menschen im Konzertsaal Bataclan und den Cafés im 11. Arrondissement ließ auch die Deutschen zusammenzucken. Schließlich hatte es immer wieder Warnungen und Absagen gegeben, in Dresden, Frankfurt, Bremen, zuletzt in München. Die Hintergründe der angeblichen Anschlagspläne während des Fußball-Länderspiels in Hannover sind ebenso unklar wie jene, die zur Absage des Braunschweiger Karnevalsumzugs führten. Gut möglich, dass auch in München die Ermittlungen bald stocken werden. Der Polizei liegt bisher offenbar nur wenig Belastbares vor.
Natürlich müssen die Behörden Hinweise auf Anschläge ernst nehmen. Gewiss fällt ihnen die Abwägung zwischen Sicherheit und Freiheit in jedem Einzelfall schwer. Doch sie sollten das Bedürfnis der Bürger nach Aufklärung nicht unterschätzen – sie müssen ihr Vorgehen wenigstens im Nachhinein besser begründen. Denn Unwissen führt nicht nur zu Angst. Unwissen ist der beste Nährboden für Rassismus und Verschwörungstheorien. Von Marina Kormbaki und Jan Sternberg.

Hannover, Brüssel, München – wie reagieren Sie auf Terrorwarnungen?

Anna Mosel (28),  Lehrerin, Hannover:  Die Terroranschläge machen mir Angst. Ich meide Plätze mit vielen Menschen und bin deshalb auch nicht zum Weihnachtsmarkt gegangen. Ich muss auch mein Kind schützen.

Anna Mosel (28), Lehrerin, Hannover:
Die Terroranschläge machen mir Angst. Ich meide Plätze mit vielen Menschen und bin deshalb auch nicht zum Weihnachtsmarkt gegangen. Ich muss auch mein Kind schützen.

Albert Koch (25),  Student, Hannover: Vom Gefühl her hat sich durch die Terroranschläge etwas bei mir verändert. Aber mein Verhalten habe ich nicht geändert. Ich schränke mich nicht ein.

Albert Koch (25), Student, Hannover:
Vom Gefühl her hat sich durch die Terroranschläge etwas bei mir verändert. Aber mein Verhalten habe ich nicht geändert. Ich schränke mich nicht ein.

Mohamed Hasnaoui (39), Detektiv, Braunschweig: Ich mache mir schon Gedanken wegen der Terroranschläge, aber die Gefahr beeinflusst mein Verhalten bisher nicht. Dass die Polizei sehr viel Präsenz zeigt, finde ich positiv.

Mohamed Hasnaoui (39), Detektiv, Braunschweig:
Ich mache mir schon Gedanken wegen der Terroranschläge, aber die Gefahr beeinflusst mein Verhalten bisher nicht. Dass die Polizei sehr viel Präsenz zeigt, finde ich positiv.

Andreas Bakszas (66), Techniker, Celle: Man bekommt Respekt vor den Dingen. Angst habe ich nicht und mein Verhalten habe ich nicht geändert. Das wollen Terroristen: Angst verbreiten und uns dazu bringen, unser Verhalten zu ändern.

Andreas Bakszas (66), Techniker, Celle:
Man bekommt Respekt vor den Dingen. Angst habe ich nicht und mein Verhalten habe ich nicht geändert. Das wollen Terroristen: Angst verbreiten und uns dazu bringen, unser Verhalten zu ändern.

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