Die Angst vor dem Notfall
Ein Defibrillator kann Leben retten und die Handhabung ist ganz einfach.

Die Angst vor dem Notfall

Die meisten Tunnelstationen der hannoverschen Stadtbahn sind mit Defibrillatoren ausgestattet. Doch kaum jemand würden sie im Notfall einsetzen. „Viele Laien verspüren einen inneren Widerstand, fremden Menschen, die bewusstlos am Boden liegen, zu helfen“, so Professor Reinhard Brunkhorst, Chefarzt für innere Medizin im Klinikum Nordstadt.

Seit 2013 sind in den 19 Tunnelstationen der Stadtbahn insgesamt 46 Defibrillatoren und ein Ersatzgerät installiert. Zum Einsatz gekommen sind sie laut Feuerwehr im Notfall bisher noch nicht. Trotzdem hält Brunkhorst die Laien-Defibrillatoren für sinnvoll. „Sie können Leben retten. Es sollte sich niemand abschrecken lassen“, ermutig er. Er vermutet, dass diejenigen, die im Notfall eine Herzdruckmassage machen, auch einen Defibrillator einsetzen würden.

Die Kosten für die insgesamt 47 Defibrillatoren in Höhe von 130.000 Euro teilen sich Wilhelm Hirte Stiftung mit 70.000 und die üstra mit 60.000 Euro. Aktuell sind aber nur noch 43 Geräte im Einsatz – an den Stationen Mühlenberger Markt, Kopernikusstraße und Lister Platz fehlen die Defibrillatoren vandalismusbedingt.

Die Wartung und Instandhaltung der „Defis“ kostet jährlich rund 3000 Euro für Smartpads und Batterien. „Die Kosten sind in der Projektfinanzierung enthalten und für acht Jahre sichergestellt“, erläutert Udo Iwannek. Dazu kommen die Kosten für beschädigte Defis: „Ingesamt wurden seit der Einführung der Defibrillatoren rund 6000 Euro Schaden durch Vandalismus verursacht“, sagt Iwannek.

Defibrillatoren werden zur Behandlung von Kammerflimmern des Herzens eingesetzt. Kammerflimmern ist die häufigste Ursache für den sogenannten plötzlichen Herztod, und im Prinzip kann es jeden treffen.

Gerade deshalb sei es wichtig, dass auch Laien im Notfall einen Defibrillator einsetzen. „Als ich kürzlich im Fitness-Studio trainiert habe, ist ein Mann bewusstlos zusammengebrochen“, so Brunkhorst. Weil die Herz-Druck-Massage erfolglos blieb, setzte er einen Defribrillator ein, der vor Ort war: „Damit konnte ich ihn tatsächlich zurückholen.“
Grundsätzlich gelte: Wenn jemand nicht ansprechbar ist und keine Atmung feststellbar ist, sollte man sofort mit einer Herzdruckmassage beginnen. Die Defibrillatoren kommen zum Einsatz, wenn die Herz-Druck-Massage keinen Erfolg hat.

Die Laien-Defibrillatoren, wie sie in U-Bahn-Stationen installiert sind, können keinen Schaden anrichten, versichtert Brunkhorst. Wenn das Herz noch schlägt, lösten sie nicht aus. Man müsse einfach die beiden Klebepads wie beschrieben auf die Brust des Patienten kleben und dann auf den Knopf drücken. Den Rest übernehme der Defibrillator. Der einzige Fehler, den man machen könne, ist: nicht zu helfen.

 

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