Erster Tunnel für Hannover
So könnte der Ersatz für die Schnellweg-Brücke aussehen: Oberbürgermeister Stefan Schostok (Mitte) diskutiert mit Stadtbaurat Uwe Bodemann (links) die Architektenentwürfe. Foto: Triller

Erster Tunnel für Hannover

Die niedersächsische Landeshauptstadt könnte ihren ersten Auto-Tunnel bekommen: Er soll die marode Schnellweg-Brücke über die Hildesheimer Straße ersetzen. Das ist das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs, an dem sich 14 Architekturbüros beteiligt hatten. Zehn von ihnen plädierten dafür, die Brücke durch einen Tunnel zu ersetzen. Als Baubeginn wird das Jahr 2023 angepeilt.
Bei der Jury kamen die Tunnelpläne gut an: Die beiden Wettbewerbssieger, das hannoverschen Büro BPR und die Berliner Architekten HoffmannLeichter sowie die Hamburger Bürogemeinschaft Gertz Gutsche Rümenapp auf dem zweiten Platz sprechen sich dafür aus, das Teilstück des Südschnellwegs unter die Erde zu verlegen. Je nach Entwurf variiert die Tunnellänge zwischen 750 und 850 Metern. Eine Entscheidung ist mit diesem Jury-Votum allerdings noch nicht gefallen. In einer Detailplanung sollen nun die besten Ideen zusammengetragen und daraus dann eine Bauplanung entwickelt werden. Zudem steht die Zustimmung des Bundes – er müsste das dreistellige Millionenprojekt bezahlen – noch aus.

Der Plan des hannoverschen Architekturbüros BPR: Eine zweispurige Brücke führt über die Teiche hinweg, dann geht es in die Trogstrecke hinein. Zeichnung: BPR

Der Plan des hannoverschen Architekturbüros BPR: Eine zweispurige Brücke führt über die Teiche hinweg, dann geht es in die Trogstrecke hinein. Zeichnung: BPR

Die marode Schnellwegbrücke über der Hildesheimer Straße soll durch einen Tunnel ersetzt werden. Dadurch soll die Willmerstraße vom Verkehr entlastet und attraktiver gestaltet werden. Die Planungen sehen vor, dass die Bauarbeiten für den Tunnel im Jahr 2023 beginnen sollen. Eine Behelfsbrücke soll während der Baumaßnahme dafür sorgen, dass der Verkehr auf dem Südschnellweg weiter fließen kann. Eine detailierte Kostenplanung für das Projekt gibt es noch nicht.

Der Ideenwettbewerb wurde seitens des Landes Niedersachsens und der Stadt Hannover begleitet. „Die Arbeiten sind sehr gelungen. Sie zeigen Wege für eine kluge Verkehrsführung und eine kluge Stadtentwicklung auf“, betonte Minister Lies im Pressegespräch vergangene Woche. Die Lösungen seien sinnvoll und finanzierbar. Konkrete Zahlen für den „Trog mit Deckel“ konnte Minister Lies jedoch nicht nennen.

Um zu vermeiden, dass während der Tunnelarbeiten der umgeleitete Verkehr andere Straßen in Hannover belaste, ist eine Behelfsbrücke, die auf der Gewerbe-Seite des Schnellweges vorgesehen. Die Behelfsbrücke wird in diesem Bereich die Grunstücke ein Stück weit tangieren.

„Der Tunnel wird absolut hochwertig und leistungsfähig gestaltet sein“, freute sich Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) bei der Präsentation der Pläne. Der Tunnelbau biete „tolle Perspektiven“. In städtebaulicher Hinsicht habe der Bereich an der Willmerstraße erhebliches Entwicklungspotential und die Lebensqualität der Menschen dort werde sich deutlich verbessern.
Der Zeitablauf sieht vor, dass in den kommenden drei Jahren der Entwurf für das Planfeststellungsverfahren vorbereitet wird. Bis das Vorhaben genehmigt ist, könnten voraussichtlich weitere zwei Jahre verstreichen. Im Anschluss folgt das Ausschreibungsverfahren, so dass mit dem Baubeginn im Jahr 2023 gerechnet wird.

„Wir sind in positiven Gespräch mit dem Bund, aber es liegen noch Jahre der harten Arbeit vor uns“, sagte Lies. Der Bund ist zuständig für den Bau und Unterhalt von Bundestraßen, darunter auch der Bundestraßen 3,6 und 65, die im Südschnellweg zusammengeführt sind. Von Thomas Oberdorfer und Bärbel Triller

 

So sehen die Pläne im Detail aus

Platz 1
Bürogemeinschaft BPR; Schneider+Schumacher; LAD+
(Hannover; Frankfurt a.M.)
Die Linienführung des Südschnellweges wird beibehalten. Der Schnellweg ist im Bereich der Ricklinger Teiche je Richtung auseinandergezogen. Die Tunneleinfahrt ist an der Schützenallee, die Ausfahrt befindet sich Höhe Wiener Straße. Im Tunnel sind zwei Fahrspuren inklusive Standstreifen in jede Richtung auf einer Gesamtbreite von 25 Metern geplant. Die Willmerstraße wird entlastet und bietet Raum für ein neues Stadtquartier.
Platz 1
HoffmannLeichter; StadtLandFluss;
FranzReschke (Berlin)

Die Position des Tunnels orientiert sich an der heutigen Lage des Schnellwegs. Die Einfahrt liegt vor der Schützenallee, die Ausfahrt östlich der Hildesheimer Straße. In wohnortnahen Gebieten wird Lärmschutz errichtet. Die Willmerstraße wird zur Anliegerstraße mit Bäumen zu beiden Seiten und einer Platanen-Allee in der Mitte. An der Zeißstraße entsteht ein Stadtteilpark.

Platz 2
Bürogemeinschaft Gertz Gutsche
Rümenapp; yellow z urbanism architecture;
bgmr (Hamburg / Berlin)
Die Ricklinger Masch wird mit einer Brücke überquert. Auf Höhe der Ricklinger Teiche wird einseitig ein Radschnellweg geführt. Die Tunneleinfahrt liegt vor der Schützenallee, die Ausfahrt östlich der Hildesheimer Straße. Die Willmerstraße wird zum Stadtboulevard mit Baumreihen ausgebaut. Die Kreuzung Hildesheimer Straße wird neugestaltet und das Gewerbegebiet Wagenfeldstraße höherwertig entwickelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.