Flüchtlinge ziehen in Baumarkt
Fluechtlinge beziehen den ehemaligen Baumarkt Badenstedter Straße / Ecke Carlo-Schmid-Allee Foto: Katrin Kutter

Flüchtlinge ziehen in Baumarkt

Umzug vom Messegelände / 300 Asylbewerber leben in 14 Zeltdörfern

Von Hartmut Heinze
Hannover. Eine der größten Notunterkünfte für Flüchtlinge in Hannover steht seit dieser Woche in Badenstedt. Am Mittwoch sind 300 Flüchtlinge in den ehemalige Marktkauf-Baumarkt an der Carlo-Schmid-Allee eingezogen. Es sind ausschließlich Männer. Sie kommen zumeist aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Zuvor waren sie sechs Wochen auf dem Messegelände in Halle 21 einquartiert, doch jetzt mussten sie nach Badenstedt umziehen. Die Halle musste geräumt werden, weil der Mietvertrag mit der Messe endet. Sie wird für die bevorstehende Landtechnik-Messe Agritechnica benötigt.
Im ehemaligen Verkaufsbereich des Baumarktes in Badenstedt stehen jetzt 14 Zeltdörfer, die den Bewohnern ein wenig Privatsphäre bieten sollen. Diese „Dörfer“ sind – wie schon auf dem Messegelände – mit Sichtschutzzäunen umgeben und bieten Platz für jeweils knapp 30 Personen. In jedem „Dorf“ stehen vier Zelte. Ein Zelt bietet Platz für acht Personen. Die Zelte gruppieren sich um einen kleinen „Platz“. Auf ihm stehen Tische und Stühle. Jedem Bewohner steht ein eigener Spind zur Verfügung. 20 Personen müssen sich eine Toilette teilen, 25 eine Dusche. „Mit dem Konzept der Parzellierung haben wir in der Messehalle gute Erfahrungen gemacht“, sagte Stadtsprecher Alexis Demos.
Handwerker haben den seit 2008 leerstehenden Baumarkt in Badenstedt in nur vier Wochen hergerichtet. Kabel wurden gezogen, Gas-, Wasser- und Sanitäranschlüsse gelegt. Das Baustofflager wurde zum Speiseraum umgebaut, die Anlieferzone zum Technik- und Lagerraum. „Das Gelände war zugewuchert. Wir brauchten Macheten“, sagte Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange. In der Landeshauptstadt ist die Feuerwehr für die Notunterkünfte verantwortlich. Der Aufbau und die Ausstattung mit Betten, Spinden, Tischen, Stühlen und auch Sanitär- und Duschcontainern wurde von rund einhundert Berufsfeuerwehrleuten geleistet. Viele Mitarbeiter hatten sich freiwillig gemeldet und sich zusätzlich zur regulären Arbeitszeit engagiert, auch ehrenamtliche Mitglieder der DLRG und der Freiwilligen Feuerwehren beteiligten sich an den Arbeiten. Zu den genauen Kosten für den Umzug vom Messegelände nach Badenstedt, den Mietkosten und der Dauer des Mietvertrages für den ehemaligen Baumarkt wollte sich die Stadt nicht äußern.
Genau 448 Betten haben die Feuerwehrleute aufgebaut. Bei Bedarf bietet der Baumarkt sogar Platz für weitere Flüchtlinge: „Es gibt noch Flächen“, sagte Lange. Die Stadt Hannover hat den Baumarkt angemietet. Wahrscheinlich werden hier über Jahre hinweg Flüchtlinge untergebracht. Die Betreuung der Flüchtlinge übernehmen etwa 30 Mitarbeiter vom Roten Kreuz. Rund um die Uhr ist ein Wachdienst vor Ort. Verpflegt werden die Flüchtlinge zentral in einem Speisesaal, der 240 Personen Platz bietet. „Für eine Notunterkunft ist das hier in Badenstedt ein guter Standard“, sagte Lange. Im ehemaligen Oststadtkrankenhaus sind mit etwa 750 Personen zwar deutlich mehr Menschen untergebracht als im Badenstedter Baumarkt, doch aus Sicht der Stadt zählt das Gebäude an der Podbielskistraße nicht als „Notunterkunft“, ebenso wenig wie Wohncontainer, weil die Menschen dort nicht in Zelten untergebracht sind.
„Die Feuerwehr hat hier in Badenstedt großartige Arbeit geleistet. In dieser Notunterkunft können die Flüchtlinge für eine gewisse Zeit gut wohnen und leben“, sagt Badenstedts Bezirksbürgermeisterin Brigitte Schlienkamp. „Viele Bürger fragen schon jetzt, wie sie den Flüchtlingen helfen können. In der kommenden Woche wird der Unterstützerkreis seine Arbeit aufnehmen“, fügt sie hinzu. „In Ahlem klappt es hervorragend mit der Unterstützung der Flüchtlinge. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es auch in Badenstedt funktionieren wird“, sagt die Bezirksbürgermeisterin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.