Gauck lädt zum Dialog ein
Rudolf Sirch, Generalsekretär des Deutschen Koordinierungsrates der GCJZ, Ewald Wirth, Vorsitzender der GCJZ Hannover, Oberbürgermeister Stafan Schostok, Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, Regionspräsident Hauke Jagau und Friedhelm Pieper, evangelischer Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der GCJZ.

Gauck lädt zum Dialog ein

„Um Gottes Willen“ – unter diesem Motto lädt die Woche der Brüderlichkeit in diesem Jahr Christen und Juden zur Begegnung ein. Am kommenden Sonntag, 6. März, wird Bundespräsident Joachim Gauck sie in Hannover offiziell eröffnen.

Noch bis Juni gibt es viele Veranstaltungen, die sich mit dem interreligiösen Dialog und dem diesjährigen Motto der Woche der Brüderlichkeit auseinandersetzen. Der Titel „Um Gottes Willen“ biete Diskussionspotenzial. „Es geht beispielsweise darum, was alles im Namen Gottes getan wird und wie damit Missbrauch getrieben wird“, erläutert Ewald Wirth, katholischer Vorsitzender der GCJZ Hannover.

Die Veranstaltungen nähern sich dem Thema aus jüdischer, christlicher, muslimischer und religionswissenschaftlicher Perspektive. „Ich freue mich, dass sich so viele Organisationen und Gruppen an der Gestaltung beteiligen“, so Wirth. Lesungen und Diskussionsrunden stehen ebenso auf dem Programm wie Konzerte und Kunstausstellungen.

Doch es gibt auch Kritik an der Woche. Michael Fürst, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hannover, bezeichnet sie zugespitzt als „Ablasswoche“. Einmal im Jahr wiederhole sie das Bekenntnis zur Verständigung. Das restliche Jahr über passiere zu wenig. „Ich würde mir wünschen, dass sich die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit stärker politisch einbringen und sich deutlicher gegen Rassismus positionieren“, so Fürst. Außerdem erreiche die Veranstaltung kaum junge Menschen.

Trotz dieser Kritik hält die GCJZ Hannover an der Woche der Brüderlichkeit fest. „Der Dialog ist nach wie vor wichtig“, betont Wettberg. Die Verständigung zwischen Christen und Juden habe in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. „Vor 30 Jahren war so etwas wie der Rat der Religionen, in dem ich mitarbeite, noch undenkbar“, sagt sie. Auch Hanna Kreisel-Liebermann, evangelische Vorsitzende der GCJZ Hannover, lobt die kontinuierliche gute Zusammenarbeit der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften in Hannover. Wettberg sieht aber weiterhin viel Handlungs- und Diskussionsbedarf. „Wir können in der Woche der Brüderlichkeit nicht die Welt verändern, aber wir können im Kleinen vorleben, was wir uns im Großen wünschen.“Seit 1952 veranstalten die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) in vielen Städten jährlich diese Woche des Dialogs. Die Gesellschaften waren nach dem zweiten Weltkrieg zunächst auf Initiative der US-Militärregierung entstanden, um den Antisemitismus in Deutschland einzudämmen. Der Ort der zentralen Eröffnungsfeier wechselt. Hannover ist nach 37 Jahren jetzt zum zweiten Mal an der Reihe. Rund um die Woche der Brüderlichkeit hat die GCJZ Hannover in diesem Jahr ein umfangreiches Rahmenprogramm mit vielen Veranstaltungen zusammengestellt.

 

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