Hannover holt bei der Inklusion auf
Gemeinsam lernen ist das Ziel der Inklusion. Hannover hat damit bereits erfolgreiche Arbeit geleistet. Foto: Imago

Hannover holt bei der Inklusion auf

In der Region Hannover lernen immer mehr behinderte und nicht behinderte Jungen und Mädchen gemeinsam: Im Schuljahr 2014/15 besuchte in der Region jedes dritte Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Regelschule. Das entspricht einer Inklusionsquote von 33 Prozent. Gegenüber dem vorangegangenen Schuljahr ist das ein deutlicher Anstieg. Damals lag die Quote noch bei 24 Prozent und stimmte in etwa mit dem niedersächsischen Durchschnitt von 23,3 Prozent überein. Im Vergleich mit anderen Bundesländern lag Niedersachsen damit allerdings weit zurück. Zu diesem Ergebnis kommt die Bertelsmannstiftung in einer kürzlich veröffentlichten Studie. Nur in Hessen war der Inklusionsanteil noch geringer. Der Bundesdurchschnitt lag bei 31,4 Prozent. Um die Inklusion voranzubringen, plant das Land Niedersachsen bis 2019 rund 1,09 Milliarden Euro ein. Hinzu kämen rund 400 Millionen Euro für 1240 zusätzliche Lehrer und pädagogische Mitarbeiter.

Um die Inklusion umsetzen zu können, sind außerdem oftmals Umbauten notwendig. Normalerweise muss der Schulträger die Kosten tragen, wenn beispielsweise Fahrstühle eingebaut oder Toiletten umgerüstet werden müssen. Doch der Stadt fehlt das Geld. Nach Protesten aus den Kommunen hat das Land Niedersachsen aber eine Unterstützung zugesagt: In diesem Jahr stellt das Land den Schulträgern für die Inklusion insgesamt 17,5 Millionen Euro zur Verfügung – für bauliche Maßnahmen sind allein 11,7 Millionen Euro veranschlagt. Im kommenden Jahr soll der Betrag auf insgesamt 30 Millionen Euro aufgestockt werden.

Dabei steht die Stadt Hannover schon besser da als die Region. Bereits im Schuljahr 2013/14 entsprach die Inklusionsquote in Hannover ungefähr dem Bundesdurchschnitt; im vergangenen Schuljahr stieg sie sogar auf 41,4 Prozent an. Auch der Schüleranteil an den Förderschulen ist in Hannover besonders gering. Im Schuljahr 2013/14 besuchten nur 3,4 Prozent aller Schüler eine Förderschule, deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt, der bei 4,7 Prozent liegt.

Ein Grund dafür ist auch, dass in Hannover vergleichsweise wenig Schüler einen Förderbedarf haben. Ihr Anteil lag im Schuljahr 2013/14 bei fünf Prozent, in Niedersachsen bei 5,3 Prozent. Im Bundesländervergleich ist das der niedrigste Wert und liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 6,8 Prozent. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt wertet das als Erfolg des niedersächsischen Konzeptes. Der niedrige Wert werde durch vorschulische und schulische präventive Förderung erreicht. „Bei uns werden Kinder nicht mit einem Etikett versehen, erhalten aber dennoch die nötige Unterstützung“, so die Ministerin.

Die Studie der Bertelsmannstiftung vergleicht aber nicht nur, wie viele Kinder mit Förderbedarf an den Regelschulen lernen, sondern auch die Situation an den Förderschulen selbst. Im Fokus steht dabei die Chance auf einen Schulabschluss. An den niedersächsischen Förderschulen macht jeder dritte Schüler an einer Förderschule einen Hauptschulabschluss, das entspricht 33,7 Prozent. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt sind es 28,7 Prozent. In Hannover ist die Abschlussquote sogar noch wesentlich höher als in Niedersachsen: Im vergangenen Jahr hatten etwa 48 Prozent, also fast die Hälfte, der Schulabgänger von Förderschulen einen Hauptschulabschluss erreicht; weniger als 18 Prozent der Schüler verließen die Förderschule ganz ohne Abschluss.

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