Fährmannsfest: Crowdsurfing im Rollstuhl
Crowdsurfing mit Rollstuhl: So geht Inklusion auf dem Fährmannsfest. Fotos: Haak

Fährmannsfest: Crowdsurfing im Rollstuhl

Auf der Bühne rocken „Milliarden“ – und das trifft nicht nur den Geschmack von Sebastian Kaszynski. Auch seine vierjährige Tochter Lena ist begeistert. Zufrieden sitzt sie auf seinen Schultern mit bestem Blick auf die Musikbühne. Sie wippt im Takt, klatscht mit und hebt die Hand zum Metal-Gruß.

Tausende Besucher haben am ersten August-Wochenende auf dem Fährmannsfest gefeiert. Für Sonnabend waren etwa 4 000 Karten verkauft, am Sonntag tummelten sich bei freiem Eintritt und warmem Wetter sogar rund 10 000 Menschen auf der Leinehalbinsel und auf der benachbarten Faustwiese.

Sebastian Kaszynski und seine Tochter Lena (4) sind musikalisch auf einer Wellenlänge.

Dabei hatte das Festival im Vorfeld mehrfach auf der Kippe gestanden. Zunächst war die Finanzierung für das kostenlose Kinder- und Kulturfest auf der Faustwiese gefährdet. Auf der Zielgeraden drohte dann das Hochwasser, den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung zu machen. Eine Woche vor Beginn des Festivals war die Fährmannsinsel komplett überflutet und das Orga-Team arbeitete fieberhaft an einem Plan B. Doch zum das Wasser ging schneller zurück als gedacht.

Und so wurde auf der Fährmannsinsel wieder ordentlich gerockt und auf der Faustwiese entspannt gefeiert. Die Veranstalter mussten keine Abstriche machen: Mit dem freien Eintritt am Sonntag und dem Kinder- und Kulturfest war es wieder ein Festival für alle Altersstufen.

Außerdem war das Fährmannsfest wie schon in den vergangenen Jahren inklusiv: Auf der Kulturbühne begeisterten „Die Eisbrecher“ der Hannoverschen Werkstätten und „The Boppin‘ Blue Cats“ der Lebenshilfe Burgdorf-Peine. Am Sonnabend sorgten die Besucher dann für ein inklusives Highlight. Beim Konzert der Band Sondaschule ließ sich eine Rollstuhlfahrerin vom Publikum über die Menge zur Bühne tragen: Crowdsurfing geht auch im Rollstuhl.

Das Publikum war bunt gemischt. Doch egal ob Rock-Fans mit Einhornluftballons, Lindener Urgesteine oder Familien mit Kindern – in ein paar grundlegenden Fragen waren sich offensichtlich alle einig. Das stellten sie beim Abschlusskonzert der Band Großstadtgeflüster unter Beweis. Keyboarder Raphael Schalz forderte das Publikum zum Mitsingen auf: „Alle, die aus Linden sind.“ Er bekam ein lautstarkes Echo. „Und jetzt alle, die Nationalismus toll finden.“ Wieder hält er das Mikrofon in die Menge. Stille. Ein ziemlich deutliches Statement. Vor allem bei einem Konzert wie diesem. Denn zum Abschluss hat Großstadtgeflüster die Fährmannsinsel noch mal nach allen Regeln der Kunst zum Tanzen und Abfeiern gebracht.

Von Franka Haak

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.