900 Jahre: Linden, meine Stadt
Der Lindener Marktplatz mit dem Nachtwächterbrunnen Anfang des 20. Jahrhunderts. Rechts im Bild das Geburtshaus der Philosophin Hanna Arendt.

900 Jahre: Linden, meine Stadt

Ein Dorf mit Geschichte: Linden – von der Arbeiterstadt zum Kultstadtteil

von Michael Krowas

Das Dorf Linden wird erstmals im Jahre 1115 in einer Schenkungsurkunde des Bischofs Widelo von Minden erwähnt. Ab 1130 waren die Grafen von Roden Gerichtsherrn und ab dem 13. Jahrhundert die Grafen von Alten größte Grundherren. 1285 wird die Kirche des Heiligen Martin erwähnt, die 1328 dem Kloster Marienwerder eingegliedert wurde – sie wurde nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1957 wiederaufgebaut. 1652 ließ Herzog Georg Wilhelm in Linden einen „Lust-  und Küchengarten“ zur Versorgung seines Hofes mit Obst und Gemüse anlegen. 1688 erwarb Oberhofmarschall Franz-Ernst von Platen das Gut der Familie von Alten durch einen Nutzungsvertrag. Es umfasste etwa 56 Hektar Land, das Jagdrecht, die Gerichtsbarkeit, den Lindener Schäferhof sowie Ländereien und Berechtigungen in der Lindener Glocksee, der Neustadt und der Aegidienmasch.
Nach der Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen im Jahr 1866 war Linden das größte Dorf Preußens. Am Küchengarten siedelten sich Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche kleinere Firmen an, etwa die Lindener Samtspinnerei, die Baumwollspinnerei und die Mechanische Weberei, die Lindener Aktien-Brauerei, zwei Gummifabriken und die Deutsche Asphalt sowie eine Korsettfabrik und eine Bettfedernfabrik, auf deren Gelände sich heute das Kulturzentrum FAUST  befindet.
Im 19. Jahrhundert bauten begüterte Familien aus Hannover ihre Vorstadtvillen in Linden. Das Gewerbe expandierte, insbesondere durch die Unternehmungen von Georg Egestorff. Er gründete die Egestorffsche Fabrik, die spätere Hanomag. Nach 1845 begann die Bau- und Wegekommission unter Leitung von Georg Ludwig Friedrich Laves mit der planmäßigen Bebauung von Linden-Süd und Linden-Nord mit Arbeiterwohnungen.
Am 1. April 1885 wurde Linden, das damals über 25 000 Einwohner zählte, die Stadtrechte verliehen. Gleichzeitig wurde aus den Ämtern Linden und Wennigsen der Landkreis Linden geschaffen, der erst 1932 zum Landkreis Hannover kam. Und Linden wuchs weiter.  1909 kamen die Orte Badenstedt, Davenstedt, Bornum und Limmer zur Stadt Linden, 1913 wurde Ricklingen eingemeindet.
Mit dem 1. Januar 1920 war die Stadt Linden nach knapp 35 Jahren Eigenständigkeit Geschichte. Rund 80 000 Lindener wurden von einem Tag auf den anderen Hannoveraner.
1927 wurde am Küchengarten ein städtisches Badehaus erbaut – viele Arbeiterfamilien besaßen ja kein eigenes Bad. Nach der Schließung zog dort 1987 Dietrich Kittner mit seinem Theater am Küchengarten (TAK) ein.
Auf dem Lindener Berg, der zweithöchsten natürlichen Erhebung Hannovers nach dem Kronsberg, befinden sich der Wasserhochbehälter und die Volkssternwarte. Direkt gegenüber, in einem ehemaligen Jugendhaus, liegt der berühmte Jazz Club Hannover, dessen Gründer Mike Gehrke war. Im gleichen Gebäude spielt das „Mittwoch-Theater“. Der Lindener Bergfriedhof wurde 1862 angelegt und 1965 außer Dienst gestellt. Hier steht seit 1914 der barocke „Küchengarten-Pavillon“. Seit 2004 findet dort alljährlich während der Scilla-Blüte ein Blütenfest unter dem Motto „Das Blaue Wunder“ statt.
Das heutige Linden ist dreigeteilt: Die Stadtteile Linden-Mitte, -Nord und -Süd sind geprägt durch eine bunte Gastronomieszene und einen hohen Anteil von Studenten und Bewohnern mit Migrationshintergrund. Das bürgerschaftliche Engagement ist sehr ausgeprägt, kulturelle Aktivitäten wie das Fährmannsfest haben überregionale Bedeutung.
Linden-Mitte ist die Keimzelle Lindens. Durch den Westschnellweg wird der Stadtteil in ein Gewerbegebiet im Westen und ein Wohngebiet im Osten geteilt. Mittelpunkt des Stadtteils ist der Lindener Marktplatz mit dem neuen Rathaus von 1899 (das alte befindet sich an Eingang der Deisterstraße), dem Nachtwächterbrunnen, den ältesten Straßenlaternen Hannovers (im Volksmund „Bischofsstäbe“ genannt), dem Geburtshaus der Philosophin und Politologin Hannah Arendt und einem dienstags und sonnabends stattfindenden  Wochenmarkt.
Der Lichtenbergplatz ist einer der schönsten Plätze aus der Jahrhundertwende in Hannover; stilistisch orientieren sich die Häuser an der Weserrenaissance und dem Barock.
Auf dem Gelände der 1961 stillgelegten Mechanischen Weberei wurde Anfang der 1970er Jahre im Stil des Brutalismus das Ihme-Zentrum als Einkaufs-, Wohn- und Bürozentrum gebaut. Angrenzend auf der anderen Seite der Blumenauer Straße wurde auf dem früheren Gelände der Lindener Brauerei die Reihenhaussiedlung „Gilde Carré“ errichtet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.