Alarmhandy unterm Pult
Hilfe kommt per Tastendruck: Das von der hannoverschen Firma Tassta entwickelte Notfallhandy.

Alarmhandy unterm Pult

Eine hannoversche Firma stattet erste Lehrer mit Notfallhandy aus

Berlin. Eine berufsbildende Schule in Hannover macht den Anfang: Sie will jetzt alle Lehrkräfte mit speziellen Alarmhandys ausstatten. Damit kann im Ernstfall – also einem Amoklauf an der Schule wie in Erfurt (2002) und im baden-württembergischen Winnenden (2009) – der Lehrer mit einem Tastendruck das Sekretariat oder die Polizei erreichen.

Das Besondere an den Geräten der hannoverschen Firma Tassta: Sie wählen sich nicht ins normale Mobilfunknetz ein, das bei einem Notfall schnell überlastet sein kann. Die Notfallhandys senden Daten über Internetverbindungen einfachen Standards (2G, EDGE) und funktionieren eher wie ein Funkgerät. So sollen sie auch noch verfügbar sein, wenn das Mobilfunknetz zusammenbricht.
Bisher sind vor allem Kurierdienste und Verkehrsunternehmen Kunden der Start-up-Firma, die bisher erst einige Tausend Notfallhandys verkauft hat. Ulf-Birger Franz, Bildungs- und Wirtschaftsdezernent der Region Hannover, will mit den Geräten das Sicherheitskonzept der hannoverschen Schulen revolutionieren. „Mobilen Systemen gehört die Zukunft“, sagt er. Sie ließen sich schneller modernisieren und technisch auf den neuesten Stand bringen. „Das ist viel leichter und billiger, als überall Wände aufzustemmen, neue Kabel zu verlegen und Monitore zu installieren. Denn das Alarmhandy hat auch eine Videofunktion und ist mit GPS ausgestattet, so dass Einsatzkräfte das Handy im Notfall orten können und idealerweise auch ein Bild von der Situation im Raum haben.
Zugriffszeiten, so die Hoffnung, könnten so gegebenenfalls deutlich verkürzt werden, was etwa im Falle eines Amoklaufs von erheblicher Bedeutung ist. Bisher nehmen viele Lehrer ihr normales Handy in den Unterricht mit, um im Notfall Hilfe rufen zu können. Sie schalten es dann aber meist aus. Anderswo in Niedersachsen sind mobile Alarmsysteme noch nicht Thema der Schulträger. In Oldenburg soll immerhin ein derartiges Konzept entwickelt werden, man sei aber erst „ganz am Anfang“. Beim Städte- und Gemeindebund ist der Trend noch nicht bekannt.

 

Alarmhandys für Lehrer an Niedersachsens Schulen – Eine gute Idee? (Umfrage & Fotos: triller)

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Alena Hänsel (20), Barriasta, Hannover: Die Idee finde ich sehr gut, weil die Sicherheit Vorrang hat. In den USA soll es in den Schulen stationäre Alarmknöpfe geben, aber ein mobiles Handy ist im Notfall einfach besser.

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Caren Wrede (19), Schülerin, Hannover: Ja, solche Sicherheitshandys können durchaus sinnvoll sein, vor allen an sogenannten „Brennpunktschulen“. Es gibt bereits Schulen, die baulich Sicherheitsmaßnahmen umsetzen. Zum Beispiel sind die Türen der Klassenzimmer dicker und sie sind mit einem Spion ausgestattet.

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Christine Volkmann (47), Auszubildende, Hannover: Ich halte das Problem nicht für so dringend. Amokläufe sind nicht als deutsches Problem präsent. Wer unbedingt Geld in die Hand nehmen will, findet in den Schulen viel dringendere Themen wie zum Beispiel Mobbing gegen Schüler.

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Florian Porada (14), Schüler, Hannover: Der Einsatz der Handys schadet sicher nicht, aber eine Meinung habe ich dazu nicht wirklich. Die Entscheidung sollten die Schulen selber treffen können. Die Frage ist auch, wer bezahlt die Handys? Die Schulen aus ihrem knappen Budget?

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