Brodowys Woche
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Foto: privat

Brodowys Woche

Überfisch

Die Autokorrektur meines Computers verwirrt mich regelmäßig. Aber sie sorgt auch für philosophische Erleuchtungen. Als ich diese Woche einen Text über die Panama-Papers schreiben wollte, tippte ich in meinen Rechner das Wort „unethisch“ ein, was dieser sofort korrigierte. Er machte aus „unethisch“: „Überfisch“. Fasziniert davon fragte ich mich, um was für einen Fisch es sich bei einem Überfisch wohl handeln mag. Ist ein Überfisch unethisch? Oder ist das ein Synonym für einen Mafiaboss, gerade im Vergleich zu den kleinen Fischen in diesem Gewerbe? War also Marlon Brando ein Überfisch? Oder ist der Überfisch das maritime Pendant zu Nietzsches Übermensch? Auch Google weiß dazu keine Antwort, sondern verrät mir nur alles „über Fisch“. Ich glaube, es handelt sich dabei um des Menschen größtes Missverständnis, nämlich den Wal, dieses Säugetier, das über lange Zeit als Walfisch angesehen wurde. Ein absoluter Überfisch! Vielleicht nicht gerade der Orca, aber so ein Blau- oder Pottwal – Riesen der Meere und die größten Säugetiere unserer Erde. Dieser Überfisch ist alles, außer unethisch. Unethisch ist eher, wie man ihn über lange Zeit gejagt und fast ausgerottet hat. Trotz der Größe strahlt so ein riesiger Wal ja eine unglaubliche Anmut und Würde aus, ich möchte fast sagen: In ihm kulminiert und manifestiert sich alle Weisheit dieser Welt. Er ist, wenn man so will, der Buddha der Meere. Daher kommt übrigens auch unsere Redensart: Buddha bei die Fische! Wieder was gelernt. Dank Autokorrektur.
Matthias Brodowy

❱❱ www.brodowy.de

Bildquelle

  • Brodowy: privat

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.