Brodowys Woche

Brodowys Woche

Mehr als ein Keks

Völlig zurecht setzte Falco dem Genie Mozart mit „Rock me, Amadeus“ ein musikalisches Denkmal. Und Rudi Carrell besang Deutschlands Dichterfürsten mit seinem Lied „Goethe war gut“ – im Wissen, dass „gut“ eine minimale Untertreibung ist. Hingegen schrieb noch niemand eine Hymne auf Gottfried Wilhelm Leibniz. Dabei hätte es dieses Universalgenie mehr als verdient. Leider stehen mir in dieser Kolumne nur 1500 Zeichen zu, da ist es nahezu ausgeschlossen, sich dieser Geistesgröße auch nur in Ansätzen zu nähern. Allein das Wort „Infinitesimalrechnung“ kostet mich ja schon 21 Zeichen. Aber die Tatsache, dass ich diesen Text auf dem Computer tippe, ist schon unmittelbar mit Leibniz verbunden, diesem Steve Jobs der frühen Aufklärung. Nicht nur, dass er eine Rechenmaschine mit einer Walze gebaut hat, nein, er ist auch mitverantwortlich dafür, dass unsere digitale Welt letztlich nur aus 0 und 1 besteht. Leibniz war jemand, der diese beste aller möglichen Welten so weit wie möglich begreifen und gestalten wollte. In unserer Zeit, in der manch einer wieder laut nach allzu leichten Lösungen schreit, scheint es mir angebracht, sich lieber auf Leibniz zu besinnen, um der Komplexität des Seins nicht die simple Parole, sondern den Verstand entgegenzusetzen. Leider sind die Universalgelehrten eine ausgestorbene Gattung. Apropos Sterben. Trotz seiner Größe starb Leibniz ziemlich einsam und wie Mozart erhielt er ein eher unwürdiges Begräbnis. Aber die Musik seiner Ideen lebt weiter im Fortissimo.
Matthias Brodowy

❱❱ www.brodowy.de

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