Brodowys Woche: Beerenfolgen
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Foto: privat

Brodowys Woche: Beerenfolgen

Ich liebe Heidelbeeren. Und manchmal hasse ich sie! Aber lassen sie mich kurz erzählen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich einen Auftritt, bei dem freundlicherweise in der Garderobe ein Schälchen herrlichster blauer Beeren stand, auf das ich mich sogleich ungehemmt stürzte. Frisch gedopt mit Antioxydantien, entzündungshemmenden Tanninen, Vitamin C, Eisen und und und stürmte ich also energiegeladen die Bühne, absolvierte munter den Abend und stellte erst zuhause vor dem nächtlichen Zähneputzen fest, dass rechts und links der Schneidezähne Heidelbeer­überreste in den Zwischenräumen auf Bürste und Zahnseide warteten. Peinlich hoch drei! Ich meide aus diesem Grund ja schon lange Mohnbrötchen in der Theatergarderobe. Es ist nahezu unmöglich, ein Mohnbrötchen zu essen, ohne Mohnreste zwischen den Zähnen kleben zu haben. Ebenso schlimm ist Petersilie. Als Dekoration auf dem Schnittchen hübsch, als Schnittchenfolge im Zahnzwischenraum unhübsch. Komisch, ist die gleiche, sogar die selbe Petersilie: Einmal hübsch, einmal unhübsch. Wobei Petersilie auf Schnittchen oder kalten Platten ja auch ein bißchen anachronistisch ist. So wie Hawaii-Toast, Mett-Igel, Ragout fin oder Kullerpfirsich. Die wichtigste Quintessenz, die ich aus diesem Erlebnis ziehe: Es ist nicht eitel, sich vor einem Auftritt ein eigenes breites Lächeln im Spiegel zu gönnen. Und vielleicht haben Sie jetzt Lust bekommen, an diesem Wochenende mal Toast Hawaii zu, ähh, kochen. Und zum Nachtisch: Heidelbeeren!

Matthias Brodowy

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Livetipp: Brodowy und Werner Momsen: Am 2. September in der Kleinkunstbühne „step by step“  (Melanchthonstraße 57)

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