Brodowys Woche: Bremer Waschmusikant
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Bremer Waschmusikant

Zu den Dingen, die mich wahnsinnig machen, gehören laute Geräusche zur Unzeit. Kreissäge bei Sonnenaufgang oder Rasenmähen in der Mittagszeit. Dass ich selber noch viel schlimmer sein könnte, hätte ich nie gedacht. Aber von vorne: Zurzeit bin ich für ein fünfwöchiges Gastspiel in einem Bremer Varieté-Theater und bewohne eine sehr hübsche kleine Künstlerwohnung im siebten Stock eines Hochhauses. Da ich ob der Temperaturen meine Auftrittshemden über Gebühr durchschwitze, habe ich zwischen zwei Shows schnell um kurz vor acht die Waschmaschine angeschmissen. Diese würde ja nach maximal zwei Stunden durch sein. Mitnichten! Als ich um 23.45 Uhr aus dem Theater kam, war die Maschine immer noch in einem vollen Gange. Ich hörte und spürte ihre Vibrationen jedenfalls schon von weitem. Bedauerlicherweise ließen sich im Vorfeld die Schleuderumdrehungen nicht einstellen. Offenbar schleuderte die Maschine nicht mit 1200, sondern mit 12000 Umdrehungen. Es hörte sich an, als wollte ich in meiner Wohnung Raketentriebwerke für die nächste Mondmission testen. Solche Geräusche kannte ich von meiner heimischen Waschmaschine nicht. Die flüstert beim Arbeiten. Und arbeitet flott. In meiner Verzweiflung habe ich versucht, Dämmmaterial in Form von Handtüchern unter die Maschine zu schieben, die auch über vier Stunden nach Betriebsstart nicht aufhören wollte und weiter rotierte. Ich rotierte auch. Und die Nachbarn bestimmt erst recht. Seitdem wasche ich von Hand. Und summe dabei leise.

Matthias Brodowy

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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