Brodowys Woche: Spezialität
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“.

Brodowys Woche: Spezialität

„Schrabb, schrabb…“ Nachdem aus der Küche des kleinen Bistros zunächst der Geruch eines verbrannten Toastbrotes strömte, erklang nun dieses Geräusch. „Schrabb, schrabb…“ Und mir war klar, dies könnte nur eines bedeuten. Aber von vorne: Nachdem mir der Besitzer des kleinen Bistros, das eigentlich eher eine Art Kiosk in der Sporthalle war, der auch warmes Essen anbot, nachdem mir also der Besitzer mitteilte, dass es ausgeschlossen sei, vier Pizzen zuzubereiten, da er immer nur zwei in zwanzig Minuten fertigstellen könnte, empfahl er mir die „Spezialität des Hauses“: Sandwich! Nun muss man feststellen, ein Sandwich kann durchaus eine Spezialität sein. Ein gut gemachtes Club-Sandwich zum Beispiel. Zurück geht das Sandwich übrigens auf John Montagu, den 4. Earl of Sandwich, der 1792 verstarb, meines Wissens nicht an einer Lebensmittelvergiftung. „Schrabb, schrabb…“ Das Geräusch kannte ich. Wenn mir ein Toast anbrennt, schrabbele ich die schwarze Stelle ab. Das tat wohl auch der, nun, wie nennen wir ihn, Koch? Sagen wir: Der Sandwichmaker! Nachdem er also die acylamidgewürzte Fassade der Spezialität des Hauses entfernt hatte, kredenzte er die vier Sandwiches schön drapiert in Papiertüten auf einem Tablett, auf dem die Tüten dank der darunterliegenden Speisereste festklebten und nicht verrutschen konnten: Warmes Fladenbrot mit leicht zerlaufendem Gouda. Sonst nix! Keine Tomate, kein Gewürz, keine Sauce, dafür immer noch leicht angekohlt. Spezialiät des Hauses! Muss ich mal nachmachen!

Matthias Brodowy

www.brodowy.de

Bildquelle

  • Brodowy: privat

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