„Das Mittelmeer ist ein Massengrab“. Laatzener Kirchengemeinden beteiligen sich an Aktion des Bündnisses Seebrücke
Auch sie wollen mit Rettungswesten an ihren Kirchen symbolisch auf das Thema Flucht und deren Ursachen hinweisen: Pastor Jens Wening (2. von rechst) mit seinen Kollegen Susanne Michaelsen (von links), Matthias Freytag, Ilka Straeck, Christine Braun und Burkhard Straeck.

„Das Mittelmeer ist ein Massengrab“. Laatzener Kirchengemeinden beteiligen sich an Aktion des Bündnisses Seebrücke

Laatzen. Mit einer Andacht und einer Schweigeminute sowie dem Hissen einer Rettungsweste haben Laatzens Kirchengemeinden am Freitag vergangener Woche vor der Rethener St.-Petri-Kirche all jener Menschen gedacht, die in den vergangenen Jahren auf der Flucht im Mittelmeer gestorben sind. Um 15.12 Uhr läuteten stadtweit die Kirchenglocken.

„350 Tote gab es bereits in diesem Jahr, Tausende in den zurückliegenden Jahren: Das Mittelmeer ist ein Massengrab“, sagte St.-Petri-Pastor Jens Wening vor rund 40 Teilnehmern der Veranstaltung, zu denen auch Vertreter der katholischen St.-Oliver-Gemeinde gehörten. Die Andachtstexte verlas der Rethener gemeinsam mit seinen Kollegen, dem Pastorenpaar Ilka und Burkhard Straeck (Thomasgemeinde und St. Marien), der Gleidinger Pastorin Susanne Michaelsen (St. Gertruden) und Matthias Freytag von der Immanuelgemeinde in Alt-Laatzen.

Niemand mache sich leichtfertig auf diesen gefährlichen Weg der Flucht, betonte Wening: „Menschen fliehen, weil ihr Leben bedroht ist – durch Seuchen, Kriege, Terror, die Verletzung der Menschenrechte, durch Hunger und Korruption.“ All jener, die das Leben suchten und den Tod fanden, gelte es zu gedenken.

Gemeinsam riefen die Kirchenvertreter bei der gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Seebrücke realisierten Aktion dazu auf, das Leid an den europäischen Außengrenzen und auf dem Mittelmeer nicht zu ignorieren und sich der eigenen Verantwortung bewusst zu werden: „Wir sind satt in Europa – und sehen nicht, dass auch wir die Ursache für den Hunger schaffen. Wir sind unersättlich – und sehen nicht, dass dies die Ursache vieler Kriege ist.“ Die Kirchenvertreter riefen die politisch Verantwortlichen dazu auf, Regeln für Flüchtlinge zu finden, die von Menschlichkeit und Weitsicht geleitet sind.

Das Leid und Sterben von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer verschwinde aus der Berichterstattung und damit auch aus dem öffentlichen Bewusstsein, bedauerte Martina Röthlinger von dem Aktionsbündnis Seebrücke. Die internationale zivilgesellschaftliche Bewegung spricht sich gegen eine europäische Abschottung aus, fordert sichere Fluchtwege und eine Entkriminalisierung der Seenotrettung.

 

Bildquelle

  • : Astrid Köhler

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