Der Dienst als Pflicht
2011 wurden in Deutschland zuletzt wehrpflichtige Rekruten angelobt. Foto: Imago

Der Dienst als Pflicht

Schweden will die Wehrpflicht wieder einführen – Auch in Deutschland gibt es Überlegungen eine einjährige Dienstpflicht einzuführen

Von Jörg Köpke

Berlin. In dieser Woche gab es Historisches zu vermelden: Erstmals übte die Bundeswehr im Inland mit Polizeieinheiten aus insgesamt sechs Bundesländern. Geübt wurde die Terror-Abwehr, der hoffentlich nie eintretende Fall, dass die Polizei durch mehrere zeitgleich verübte verheerende Anschläge so ausgelastet ist, dass es ohne die Bundeswehr nicht mehr geht.
Der Einsatz der Armee im Innern ist ein mindestens ebenso kontrovers diskutiertes Thema wie die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Nicht erst seit der gemeinsamen Terror-Abwehrübung rückt der Gedanke an den verpflichtenden Dienst an der Waffe wieder ins öffentliche Bewusstsein der Deutschen.  15 Auslandseinsätze weltweit zwischen Mali, der Ägäis und Afghanistan bringen die Truppe an den Rand der Belastungsfähigkeit. Hinzu kommt die wachsende Bedrohung aus Richtung Russland. Bis Mai stellt die Bundeswehr in Litauen an der Ostflanke der Nato das Hauptkontingent eines 1000 Soldaten umfassenden europäischen Bataillons. Einziger Zweck: die Abschreckung. Russland soll davon abgehalten werden, im Baltikum ähnliche Expansionsgelüste zu entwickeln wie in der Ukraine. 15.000 zusätzliche Soldaten braucht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach eigenen Angaben besser heute als morgen – inklusive zahlreicher IT-Experten und Cyber-Spezialisten, die Deutschlands Armee vor den Bedrohungen der Zukunft schützen sollen.
Auch in Schweden fehlen Soldaten. Das traditionell bündnisfreie skandinavische Land denkt offen über die Einführung der Wehrpflicht nach. Was dort vor wenigen Jahren noch als undenkbar galt, könnte angesichts fehlender Soldaten inzwischen notwendig werden. Als der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Wehrpflicht in Deutschland aussetzte, ahnte niemand, dass sich die weltpolitische Großwetterlage in kürzester Zeit derart gravierend verändern würde. Innerhalb der Union gibt es erste Überlegungen, eine einjährige Dienstpflicht für Jungen und Mädchen einzuführen. Das Argument: Nur so könnten nicht nur die wachsenden militärischen, sondern auch die sozialen und humanitären Verpflichtungen Deutschlands besser bewältigt werden.  „Wir brauchen die Dienstpflicht. Anders werden wir den Zufluss an Flüchtlingen und deren Integration nicht bewältigen“, sagte Eckhardt Rehberg (CDU), haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
Bundesverteidigungsministerin von der Leyen steht einer Wiedereinführung der Wehrpflicht kritisch gegenüber. Das Aussetzen der Wehrpflicht habe der Bundeswehr gutgetan. „Sie hat sich seitdem stark modernisiert, um junge Menschen zu gewinnen und Fachkräfte zu halten. Eine Rückkehr zur Wehrpflicht brächte uns aktuell überhaupt keinen Mehrwert“, erklärte die Ministerin.

 

Brauchen wir die Wehrpflicht wieder? (Umfrage & Fotos: Lisa Otto)

 

Mike Deglau (55), Rentner:
Ich bin der Meinung, dass die Wehrpflicht in Deutschland auf jeden Fall wieder eingeführt werden sollte. So weiß jeder, dass man im Notfall immer eine Truppe hat, die eingesetzt werden kann. Deswegen finde ich persönlich, dass sie so auch der Sicherheit für das Land und demnach auch dem Staat dient.

Katharina Henning (22), Kauffrau im Gesundheitswesen:
Ich persönlich bin der Meinung, dass eine erneute Einführung der Wehrpflicht in Deutschland nicht wirklich sinnvoll ist. Außerdem sehe ich es auch so, dass es jeder von sich aus beziehungsweise für sich selbst entscheiden sollte, ob er gerne zur Bundeswehr gehen möchte oder eben lieber nicht.

Elfi Warnecke (58), Versicherungskauffrau:
Ich finde, dass es besser wäre, wenn die Wehrpflicht in Deutschland wieder eingeführt wird. Dort wird denen dann auch wieder Zucht und Ordnung beigebracht und die werden richtig erzogen. So lernen sie auch mal selbstständig zu leben, einen Knopf anzunähen und vor allem pünktlich zu sein.

Niklas Roszak (24), dualer Student:
Ich persönlich finde, dass die Wehrpflicht wieder eingeführt werden sollte. Gerade jetzt in Zeiten der Krise ist es umso wichtiger, die Bundeswehr aufzustocken. Auch wäre es wahrscheinlich sinnvoll, die Polizei aufzustocken. Dies zeigt Präsenz und man weiß, dass einem in jedem Fall die nötige Sicherheit geboten wird.

Lennard Lischka (25), Student:
Ich glaube nicht, dass die erneute Einführung der Wehrpflicht in Deutschland unbedingt notwendig ist. Im Moment haben wir hier in Deutschland keine Kriegssituation. Daher denke ich, dass wir zur Zeit keine Wehrpflicht brauchen. Da sollte man das Geld lieber für etwas anderes einsetzen.

 

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