Der Keks mit Namen Leibniz

Der Keks mit Namen Leibniz

Vor 125 Jahren übernahm Hermann Bahlsen das Fabrikgeschäft „Cakes and Biscuits“ in der Oststadt

Hannover. Klein, rechteckig und immer mit 52 Zähnen – das ist der Leibniz-Butterkeks, ohne den es vielleicht die Erfolgsgeschichte des Hauses Bahlsen gar nicht gegeben hätte. Wer ihn isst, hat seinem Körper etwa 22 Kalorien gegönnt – davon 63 Prozent Kohlenhydrate und 23 Prozent Zucker, außerdem 15 Prozent Fett und 8,5 Prozent Eiweiß. Was diesen Keks einzigartig macht, ist der krosse Biss, bei dem es kaum krümelt. Zum richtigen Keks gehört der richtige Sound – für das perfekte Knistern haben die Desi-
gner auch bei Bahlsen ein eigenes Labor.

Ganz ohne Soundlabor ist der Leibniz-Butterkeks 1891 auf den Markt gekommen – nur zwei Jahre, nachdem Hermann Bahlsen das Unternehmen gegründet hatte. Zehn Mitarbeiter und eine kleine Bäckerei mit einem 30-PS-Gasmotor standen ihm zur Verfügung. Das reichte für einen Siegeszug, den schon vier Jahre später eine Goldmedaille bei der Weltausstellung in Chicago krönte.

„Wer Keks sagt, meint Bahlsen“ heißt heute ein Firmenslogan. Längst ist Bahlsen Deutschlands Nummer eins am Markt für Süßgebäck. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 2500 Mitarbeiter und hat 2013 einen Umsatz von 526 Millionen Euro gemacht. Mit dutzenden von Kekssorten (neben dem Klassiker ist vor allem die Kombination aus Schokolade und Keks des „Pick up“ bekannt) und Kuchen.

Jahrzehntelang gehörte neben dem Süßen auch das Salzige dazu – Chips, Salzletten, Erdnüsse. Doch seit 1999 sind die beiden Geschäftsbereiche getrennt – in unabhängig voneinander agierenden Gesellschaften. Das Süßwerk heißt weiterhin „Bahlsen“, die andere Sparte „Lorenz Snack World“, benannt nach Firmenchef Lorenz Bahlsen. Die Hintergründe dieser Trennung sind vielleicht weniger aufgearbeitet als die Jahre, in denen Bahlsen Zwangsarbeiter einsetzte. Im Jahr 2000 wies das Landgericht Hannover eine Klage von 60 Osteuropäern ab, die Zahlungen von mehr als 500 000 Euro verlangt hatten – „verjährt“. Das Unternehmen ist einer Stiftung zur Entschädigung beigetreten, weil es sich – so heißt es – seiner sozialen Verantwortung auch in diesem Fall stellen will. Das war schon in der Gründerjahren so; das soll noch heute so sein, wo als neuer Wert Nachhaltigkeit gilt – und praktiziert wird, indem man Weizen aus kontrolliertem Anbau oder zertifizierten Kakao ordert.

„Wir sind als Zukunftsmacher der Branche bekannt“, sagt Firmenchef Werner Michael Bahlsen, „deshalb können wir uns als mittelständisches Unternehmen so gut im globalen Wettbewerb behaupten.“

Mehr noch als die Vision macht den Erfolg aus, dass die Marke weltweit für Genuss steht. In China kommt die „exotische“ Verpackung aus Deutschland gut an. Besonders erfolgreich sind Kekse in Form von kleinen Tieren und Figuren. Im Nahen Osten reichen Gastgeberinnen Bahlsen-Gebäck zum Vormittagstee. Die Amerikaner lieben Keks & Co. zum Frühstück und als Betthupferl.

Zum 125. Geburtstag präsentiert sich Bahlsen mit neuem Design. Ein neuer Markenauftritt soll die veränderten Konsumgewohnheiten und das Lebensgefühl gerade von jüngeren Kunden ansprechen. Zum Konzept gehören neue Produkte, eine neue Gestaltung, neue Verpackungen und ein überarbeitetes Logo. Und natürlich die Suggestion des Gefühls, sich neben Genuss möglichst gesundes Naschwerk zu leisten.

Ursprünglich hatte der Firmengründer den Keks mit den 52 Zähnen nach Hannovers Stadtwald benannt. Als Eilenriede-Cakes kam der Urvater auf die damals noch sehr überschaubare Süßwarenwelt. Nur ein Jahr später entschloss sich der 31-jährige Hermann Bahlsen, ihn nach dem Philosophen „der besten aller möglichen Welten“ zu taufen. Vielleicht war das der Glücksgriff – denn das Produkt namens Leibniz gilt vielen als der beste aller möglichen Kekse.

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