Deutsche Gerichte lassen Dashcams als Beweismittel bei Unfällen zu
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Deutsche Gerichte lassen Dashcams als Beweismittel bei Unfällen zu

In Russland und USA sind Dashcams weit verbreitet: kleine Kameras, die am Armaturenbrett (englisch „dashboard“) oder dem Innenspiegel befestigt werden und die Straße filmen. Kommt es zum Unfall, sollen die Aufnahmen zeigen können, wer schuld ist. Das kann nun auch in Deutschland Schule machen: Erstmals hat ein oberes deutsches Gericht die Verwertung der Aufnahmen aus einer Dashcam in einem Schadensersatzprozess erlaubt. Das Oberlandesgericht Stuttgart zog die Bilder einer solchen im Auto angebrachten Kamera, die laufend das Verkehrsgeschehen aufzeichnet, als Beweismittel heran. Das berichtete die „Süddeutsche Zeitung“
Es sei dabei um den Zusammenstoß zweier Autos an einer Engstelle gegangen: Der Kläger fuhr an ein paar rechts parkenden Autos vorbei, die Fahrerin eines entgegenkommenden Fahrzeugs sah ihn zu spät, so dass es zu einer Kollision mit einem mehrere tausend Euro teuren Blechschaden kam. Auf den Bildern, die im Gerichtssaal vorgeführt wurden, habe man genau erkennen können, wie die Frau in letzter Sekunde das Steuer nach rechts riss. Zudem ließ sich die Geschwindigkeit des Autos aus den Aufzeichnungen ablesen. „Ohne Kamera“, so hatte ein Sachverständiger im Verlaufe des Verfahrens festgestellt, „wären die Details des Unfalls nicht aufklärbar gewesen“.
Bereits im vergangenen Jahr waren Dashcam-Aufnahmen in einem Bußgeldprozess zugelassen worden. Vorreiter war ebenfalls das Oberlandesgericht Stuttgart. In schwerwiegenden Fällen sei es grundsätzlich zulässig, auf das Material zurückzugreifen. Ein Rotlichtsünder konnte nur deswegen überführt werden, weil ein anderer Verkehrsteilnehmer seinen Verstoß mit einer Dashcam aufgenommen hatte.
Der Verkehrsgerichtstag plädiert aus Gründen des Datenschutzes für einen vorsichtigen Umgang mit den Kameras. Es würden Modelle bevorzugt, welche die Aufnahmen bereits nach kurzer Zeit löschen.

Von Jan Sternberg

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