Dicke Luft in Hannover
Luft-Messstation an der Göttinger Straße: Tempolimit wegen Feinstaub. Foto: Behrens Hannover, Luft-Meßstation an der Göttinger Straße. Tempolimit 40 wegen Feinstaub

Dicke Luft in Hannover

Die Stadtverwaltung will möglicherweise ganze Straßenzüge sperren

von Andreas Niesmann

Hannover. Vielen Hannoveranern stinkt es, einigen sogar gewaltig. Noch immer werden in der City die vorgeschriebenen Grenzwerte für Stickoxide nicht eingehalten. Und das ist nicht nur ein Problem für feine Nasen. Stickoxide gelten gesundheitsschädlich, sie werden verantwortlich gemacht für viele Erkrankungen der Atemwege. Hauptverursacher der Luftverschmutzung ist der Straßenverkehr. Besonders Diesel-Autos gelten als echte Stinker. Das Problem ist erkannt, Streit gibt es aber über die Frage, wie sie wieder rein werden soll, die Hannoveraner Luft. Die Stadt arbeitet derzeit an einem neuen „Luftreinhalteplan“. Geht es nach ihr, wird der Individualverkehr zurückgeschraubt. „Einschneidende Maßnahmen“, hat Elisabeth Czorny, Leiterin des Fachbereichs Umweltplanung, bereits angekündigt. Das Umweltamt plane, ganze Straßen zu sperren, berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung.
Den Grünen geht das nicht weit genug. Sie fordern Fahrverbote für Benzin- und Dieselautos. „Autos mit Verbrennungsmotoren gehören aus der Innenstadt verbannt“, sagte Grünen-Umweltexperte Patrick Drenske der HAZ. Etwas moderater ist die SPD unterwegs. Sie hofft darauf, dass ein bereits gescheiterter Plan ihrer Umweltministerin Barbara Hendricks doch noch Wirklichkeit werden könnte: die Einführung der blauen Plakette. Die würden nur schadstoffarme Dieselautos bekommen, alle anderen müssten dann die Innenstadt meiden.
Die FDP wiederum will erst einmal gar keine neuen Regeln. Sie rät von Schnellschüssen ab. Die Wirtschaft in Hannover ist dennoch bereits in Alarmstimmung. Die Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK) warnt dringend davor, Dieselfahrzeuge aus der Stadt auszusperren, zumal ein Großteil des Waren- und Dienstleistungsverkehrs mit Dieselfahrzeugen abgewickelt werde.  Ein Verbot würde den Standort schädigen, warnen die Wirtschaftsvertreter. Ungeachtet dessen macht die Stadt Tempo. Schon Ende des Jahres sollen die Pläne fertig sein, Anfang 2017 werden sie der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Eine City (fast) ohne Autos – ein Segen oder eine Zumutung? (br/Fotos: Diana Cabrera-Rojas)
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Ursula Küster (57), Hausfrau
Es wäre gut, wenn es nicht so viele Autos in der Stadt gäbe. Das hätte den Vorteil, dass die Radfahrer und Fußgänger sicherer durch die Stadt kommen. Und es stört mich, dass immer wieder Autos durch die Fußgängerzone fahren.

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Uwe Vahldieck (62), Ingenieur
Die Stadt ist so strukturiert, dass sowieso schon weniger Autos fahren, wenn die Straßen schmaler und enger werden. Eine Stadt fast ohne Autos geht meiner Meinung nach nicht, aber zu viele Autos sind auch nicht gut. In einigen Außenbezirken könnte man mehr verkehrsberuhigte Zonen einrichten.

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