„Die Lage ist kritisch“
Bleiben immer öfter leer: Die Blutspendemobile des DRK. Foto: Photovision/Daniel Hermann

„Die Lage ist kritisch“

Das DRK beklagt: Blutspendebereitschaft in Hannover unter dem Landesdurchschnitt

Von Clemens Niehaus

HANNOVER. Die Hannoveraner spenden zu wenig Blut. Nur 9789 (1,9 Prozent) Einwohner nehmen Blutspendetermine des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wahr – im Gegensatz zu landesweiten 3,6 Prozent. „Für die Versorgung der Kliniken in der Region Hannover werden täglich etwa 150 Blutkonserven benötigt. Zur Herstellung dieser Konserven müssen 170 Menschen zum Blutspenden kommen“, so Markus Baulke, Hauptabteilungsleiter Blutspenderwerbung und Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Blutspendedienst NSTOB (Niedersachsen-Sachsen-Anhalt-Thüringen-Oldenburg-Bremen).
Das bedeutet, allein das DRK benötigt rund 62.000 Blutspenden jährlich. „Aktuell liegen wir um 3000 bis 4000 Spenden unter der notwendigen Menge“, so Baulke.  Doch während die Anzahl der Patienten, die Blutspenden benötigen in den letzten Jahren nahezu konstant geblieben ist, schwankt die Zahl der Blutspender. „Die immer wieder kehrenden Mangelsituationen sind darauf zurückzuführen, dass das Angebot an Blut stärker schwankt als die Nachfrage nach Blutprodukten. In Urlaubszeiten oder in Sondersituationen (zum Beispiel während oder kurz nach epidemisch verlaufenden Infektionen stehen deutlich weniger Spender zur Verfügung“, weiß Dr. med. Hans-Gert Heuft vom Institut für Transfusionsmedizin an der Medizinische Hochschule Hannover, die bislang noch keinen Engpass bei den Blutkonserven beklagt. „In der MHH ist die Lage nicht kritisch“, so der Mediziner.
Ganz im Gegensatz zum DRK, wo die Situation langsam dramatisch wird. Schuld daran sei auch das Wetter, so Baulke. „Die hohe Zahl an Hitzetagen im Juli hat die Menge der Blutspenden um bis zu 35 Prozent zurückgehen lassen“, sagt er. Dazu kam der Poststreik. „In dieser Zeit konnten zahlreiche Einladungen zur Blutspende nicht rechtzeitig zugestellt werden.“ Das mache sich deswegen so stark bemerkbar, weil etwa 70 bis 80 Prozent der Spender durch solche Einladungskarten gewonnen würden, so Baulke.

Grundsätzlich kann jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 68 Jahren Blut spenden. Mehrfachspender können nach individueller Entscheidung der Ärzte des DRK-Blutspendedienst NSTOB bis zum 73. Geburtstag spenden. Frauen können viermal, Männer sogar sechsmal innerhalb von zwölf Monaten Blut spenden. Pro Spende werden zwischen 450 und 500 Milliliter Blut gezapft. Zwischen zwei Blutspenden muss ein Abstand von mindestens acht Wochen liegen. Mitbringen sollten die Blutspender/innen ihren Unfallhilfe- und Blutspenderpass, bei Erstspendern reicht ein amtlicher Lichtbildausweis.
Etwa 107 Millionen Blutspenden werden weltweit pro Jahr benötigt. Mit einer Blutspende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden. Eine Vielzahl von Patienten verdankt ihr Leben fremden Menschen, die ihr Blut spenden. Neben Unfallopfern und Patienten mit Organtransplantationen sind vor allem Krebspatienten auf Blutpräparate angewiesen. Auch bei ungeborenen Kindern im Mutterleib konnten Ärzte bereits Leben erhalten und schwerste Schädigungen vermeiden, dank Blutspenden.
Detaillierte Informationen zur Blutspende sowie zu den aktuellen Blutspendeterminen sind unter der Spender-Hotline (0800) 1 19 49 11 (kostenlos aus dem deutschen Festnetz) oder im Internet unter der Adresse www.blutspende-nstob.de abrufbar. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte sich vor dem Besuch eines Blutspendedienstes informieren, ob eine Blutspende möglich ist.
Informationen und Termine gibt es unter www.blutspende-nstob.de und unter www.mutspende.de

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