E-Autos bleiben die Ausnahme
Elektroautos sind emmissionsfreie Stadtflitzer, trotzdem will kaum jemand eines haben. Foto: pixabay

E-Autos bleiben die Ausnahme

Nur 410 Elektroautos sind in Hannover zugelassen / Stadt plant mehr Ladestationen

Hannover (cle). Das Interesse ist grundsätzlich da – nur fahren möchte ein Elektroauto in Hannover kaum jemand. Unter den ingesamt 243.279 in der Stadt zugelassenen Kraftfahrzeugen (Stand 31. März) befinden sich nur 410 Elektrofahrzeuge, darunter 34 Dienstwagen der Stadtverwaltung. Insgesamt macht der Anteil der Elektroautos an der Gesamtmenge der in Hannover zugelassenen Fahrzeuge nur rund 0,17 Prozent aus.
Aber in der Stadtverwaltung geht man bedingt durch die von der Bundesregierung beschlossenen Kaufprämie in Höhe von 4000 Euro von einem Anstieg der Zulassungen für Elektrofahrzeuge aus. Die Prämie sei „ein Startsignal für all diejenigen, die bereits mit dem Kauf eines Elektroautos geliebäugelt haben“, so Stadtsprecher Alexis Demos. Um beste Voraussetzungen für Elektrofahrzeuge in Hannover zu schaffen, werde die Stadt noch in diesem Jahr ein Handlungskonzept erstellen, das sich unter anderem mit dem weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur beschäftige, kündigte Demos an. Dabei ist das Interesse der Menschen an Elektrofahrzeugen schon jetzt grundsätzlich vorhanden. „Besonders öffentliche Einrichtungen, Pflegedienste sowie Energieversorger, die eher im städtischen Umfeld unterwegs sind, setzen sich vermehrt mit dem Thema auseinander und stellen ihre Fuhrparks um“, sagt Malte Krause, Pressesprecher der Volkswagen Financial Services AG, die in Hannover bis 2015 das Quicar Carsharing-Angebot betreute.

Enercity macht Strom tanken teurer. Foto: pixabay

Enercity macht Strom tanken teurer.
Foto: pixabay

Knackpunkt seien die Batterien, sagt Continental-Chef Elmar Degenhart. „Zu groß, zu schwer, zu teuer – und damit nicht tauglich für den Alltag“, so sein Fazit kürzlich auf der Hauptversammlung des Konzernes. Wer ein E-Auto mit 500 Kilometern Reichweite wolle, müsse derzeit 300 Kilogramm Batterien zum Preis von 25.000 Euro einbauen, so Degenhart. Erst wenn sich Größe, Gewicht und Kosten mehr als halbierten, sei die Technologie bereit für den Massenmarkt, so der Conti-Chef.
Ein weiterer Grund für die Kaufzurückhaltung ist die fehlende, beziehungsweise unzureichende Infrastruktur. „Bevor ich mir ein Elektroauto kaufe, müsste das Netz an Stromtankstellen besser ausgebaut sein und die Reichweite erhöht werden“, sagt Floristin Melanie Albrecht-Ahrens in der hallo Wochenblatt-Umfrage (siehe unten).
Das sieht auch Detlev Pätsch, Vorstand Operations der Sixt SE, so. „Wir verzeichnen zwar bei unseren Kunden eine steigende Nachfrage an Elektrofahrzeugen, aber auf sehr niedrigem Niveau“. Ein  wesentlicher Grund dafür sei die unzureichende Ladesäulen-Infrastruktur in Deutschland, die keine reibungslose und flexible Mobilität gewährleiste, so Pätsch.
Dazu kommt, dass Elektroautos nicht nur in der Anschaffung deutlich teurer  sind als Benziner. Elektroautos seien über eine Zeit von vier Jahren und einer Fahrleistung von jährlich 15.000 Kilometern teurer als Autos mit herkömmlichem Antrieb, stellte der ADAC kürzlich fest. Für den e-Up von VW beispielsweise veranschlagte der Automobilclub einen Verbrauch von 11,7 kWh und einem Anschaffungspreis von 27.200 Euro. Dazu kommen Kosten für Werkstatt und Reifen, Fix- und Betriebskosten sowie der Wertverlust. Daraus errechnete der ADAC inklusive Steuern monatliche Gesamtkosten von 574 Euro oder 45,9 Cent pro Kilometer. Beim Up! 1.0 BMT geht der ADAC von 4,1 Liter Verbrauch aus und kommt auf 31,1 Cent Kosten pro Kilometer. In der Anschaffung sei er zudem 12.000 Euro günstiger als das Elektro-Pendant.
Während die Stadt Hannover das Umfeld für Elektroautos attraktiver machen will, kassieren die Stadtwerke jetzt fürs Stromtanken Gebühren. Wie das Unternehmen mitteilte, wird der Ladestrom an den Ladestationen des Unternehmens seit dem 1. Mai in Rechnung gestellt.

 

Enercity nimmt jetzt Gebühren

Der Strom von Enercity für E-Autos war fünf Jahre lang kostenfrei. Künftig wird der Ladestrom an Wechselstrom-Ladestationen (Mennekes-Säulen) mit 3,50 Euro je Stunde, und an den Gleichstrom-Schnellladestationen (ABB-Säulen) mit 5 Euro je Stunde berechnet. „Die Preise werden jeweils minutengenau abgerechnet“, verspricht Enercity-Pressesprecher Karlo Kallen. Zusätzlich zu den Ladekosten fallen für die ersten 20 Ladevorgänge  Ladevorgänge im Monat eine Verrechnungsgebühr in von 35 Cent pro Ladevorgang an. Das Unternehmen wolle sich in diesem Bereich jetzt „auf den Betrieb und den bedarfsgerechten Ausbau der Ladeinfrastruktur konzentrieren“, sagte der Sprecher.

 

Würden Sie sich ein E-Auto oder ein E-Fahrrad kaufen? (Umfrage/Fotos: Theiß)
Umfrage_Albrecht-Ahrens_Melanie

Melanie Albrecht-Ahrens (41), Floristin: „Wenn es preislich interessant ist, würde ich mir das mit einem E-Auto überlegen. Dafür müsste aber das Netz an Stromtankstellen besser ausgebaut sein und die Reichweite erhöht werden.“

Umfrage_Dörfler_Carsten

Carsten Dörfler (27), Zweiradmechaniker: „E-Autos sind derzeit noch zu teuer und die Technik ist nicht ausgreift. Deshalb würde ich mir keines kaufen. Das gilt auch für ein Fahrrad. Hier hat das allerdings sportliche Gründe.“

Umfrage_Klein_Wolfgang

Wolfgang Klein (64), Küster: „Ein E-Auto ist in der Anschaffung teuer und die Reichweite ist nicht besonders groß. Ich würde mir deshalb keines kaufen. Über ein E-Fahrrad kann man nachdenken, es müsste sich aber definitiv lohnen.“

Umfrage_Praschak_Christoph

Christoph Praschak (31), Bankkaufmann: „Wenn man identische Strecken wie mit einem Benziner fahren kann, sich die Auflade-Optionen deutlich vermehren und der Preis im Rahmen ist, würde ich mir ein E-Auto kaufen.“

Umfrage_Schildmann_Udo

Udo Schildmann (58), Werkzeugmacher: „Die Entwicklung ist noch nicht so weit und ein Kauf deshalb noch nicht interessant. Für die Zukunft wäre ein Elektro-Auto aber eine Überlegung wert, was Kurzstrecken anbetrifft.“

Elektroautos sind emmissionsfreie Stadtflitzer, trotzdem will kaum jemand eines haben.  Foto: pixabay

Elektroautos sind emmissionsfreie Stadtflitzer, trotzdem will kaum jemand eines haben. Foto: pixabay

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