Ehrenamtliches Engagement bei der Bahnhofsmission
Kirsten Heinrich wartet an Gleis 9 auf einen Reisenden, der zum Anschlusszug begleitet werden möchte. Fotos: Haak

Ehrenamtliches Engagement bei der Bahnhofsmission

Berührungsängste hat Kirsten Heinrich nicht. „Ich gehe offen auf jeden zu, der zu uns kommt“, sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Bahnhofsmission: „Man darf hier nicht zimperlich sein, auch nicht, was den Geruch oder das äußere Erscheinungsbild einiger Besucher angeht.“ Die Bahnhofsmission sei eine niederschwellige Anlaufstelle für Menschen mit ganz unterschiedlichen Anliegen: Reisende, die sich verletzt haben, fragen nach Verbandszeug. Mütter kommen, um ihre Kinder zu stillen oder ein Fläschchen aufzuwärmen. Einige Obdachlose sind fast täglich in der Bahnhofsmission, um sich auszuruhen und im Winter aufzuwärmen; andere kommen vorbei, um Zeitung zu lesen und Kaffee zu trinken. Und Menschen, die weder Handy noch Festnetzanschluss haben, nutzen das Telefon der Bahnhofsmission.
Auch Flüchtlinge, die gerade in Deutschland angekommen sind und ein Ticket zu einer der Erstaufnahmestellen in Braunschweig oder Friedland benötigen, kommen in die Bahnhofsmission. Im Auftrag der Ausländerbehörde kaufen die Mitglieder der Bahnhofsmission ihnen die Fahrkarten. „Meistens können wir uns auf Englisch und mit Händen und Füßen verständigen. Ansonsten gehen wir zu Burger King nebenan und fragen dort, ob jemand in der jeweiligen Sprache vermitteln kann“, so Heinrich. Meistens klappe das gut.
„Das ist das Spannende: Man weiß nie, was passiert, wenn die Tür aufgeht“, so Heinrich. Genau diese Vielseitigkeit schätzt sie so an der Bahnhofsmission. „In einem Obdachlosenheim oder der Drogenhilfe ehrenamtlich zu arbeiten, wäre mir zu hart“, gibt sie zu. Die Bahnhofsmission sei für sie deshalb ein guter Kompromiss. Auch dort versuche sie, Obdachlosen und Drogenabhängigen zu helfen. Doch die Aufgaben in der Bahnhofsmission seien abwechslungsreicher und es gebe auch sehr viele schöne Momente.
„Ich denke oft: Gut, dass ich heute da war“, sagt Heinrich. Manchmal helfe es schon, wenn sie jemandem zuhört. Am schönsten findet Heinrich es aber, wenn sie ganz praktische Hilfestellungen geben kann. Menschen, die zum ersten Mal obdachlos geworden sind, fänden häufig den Weg in die Bahnhofsmission. „Wir geben ihnen dann Tipps, wo sie etwas zu essen bekommen und wo sie schlafen können“, so Heinrich.
Als sich Heinrich vor vier Jahren nach dem Ehrenamt erkundigt hat, wusste sie nicht, was sie erwartet. „Ich bin viel mit der Bahn unterwegs und kannte dadurch die Umsteigehilfe“, so die 63-Jährige. Sie sei positiv überrascht gewesen, was sie Arbeit in der Bahnhofsmission alles beinhaltet. Sie ist jetzt meist zweimal in der Woche für jeweils sechs Stunden in der Bahnhofsmission. Am liebsten macht sie die Frühschicht von 6.45 bis 13.30 Uhr oder die Spätschicht von 18.15 bis 24 Uhr: „Das kann ich dann gut mit meiner Arbeit als freiberufliche Gesundheitstrainerin in Einklang bringen.“
In der Bahnhofsmission sind insgesamt 25 Ehrenamtliche tätig, davon acht Männer. Ein junger Mann leistet dort gerade seinen Bundesfreiwilligendienst. Außerdem gibt es eine Vollzeit- und drei Teilzeitstellen.

Bildquelle

  • ehrenamt_bahnhofsmission_heinrich: Haak

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