Ein attraktives und schnelles Spiel
Sind begeistert bei der Sache: Die Korballerinnen der 1. und 2. Mannschaft des TuS Vahrenwald. Foto: dik

Ein attraktives und schnelles Spiel

Von Dieter Kösel
Vahrenwald. Viele He­ranwachsende haben die Stangen mit dem Korb obendrauf schon einmal im Geräteraum ihrer Sporthalle gesehen. Das erinnert an Basketball, aber wozu diese Korbstangen eigentlich genau verwendet werden, das wissen nur wenige. Korbball gehört zu den Sportarten, die im Unterricht nicht mehr oder nur noch sehr selten gelehrt werden.
Schade, denn Korbball ist ein attraktives schnelles Spiel, und Hannover war einmal eine Hochburg. Alleine der TuS Vahrenwald kann auf eine deutsche Meister- und eine Vizemeisterschaft verweisen. Er ist einer von fünf Vereinen, in denen dieser Sport in unserer Landeshauptstadt überhaupt noch angeboten wird.
Korbball wurde bereits zwischen 1860 und 1880 in Deutschland gespielt. Dieses Spiel geriet in Vergessenheit, bis es 1896 August Hermann aus Braunschweig wiederbelebte. Auf Grund weicher Wurfbewegungen und des nicht ausgeprägten Körperkontaktes bezeichnete er es als ein besonders für Frauen geeignetes Spiel. Dies hat sich durchgesetzt, Korbball wird hauptsächlich von Mädchen und Frauen ausgeübt.
Korbball ist zwar zu einer Randsportart geworden, doch die kann auf eine treue Gemeinde verweisen. Birgit Basse ist dafür ein Beispiel. Die 56-Jährige ist seit 44 Jahren Mitglied beim TuS und hat mit elf Jahren begonnen, Korbball zu spielen. Als Spielerin hat Birgit Basse die glorreichen Zeiten miterlebt und auch geprägt. Sie wurde deutsche Meisterin und Vizemeisterin, später zudem als beste Schiedsrichterin bei na-
tionalen Meisterschaften ausgezeichnet.
1985 beendete Birgit Basse ihre erfolgreiche Karriere, doch dies war noch längst kein Grund, um dem Korbball ade zu sagen. „Unser Abteilungsleiter verließ den Verein, da bot es sich an, dass ich dieses Amt übernehme“, erklärt sie. Dieses ist ihr umso leichter gefallen, weil die Korbballer „eine sehr pflegeleichte Gruppe“ sind. Die umfasst derzeit „nur“ noch 46 vorwiegend Spielerinnen, aber auch einige Spieler.
„Wir sind in der glücklichen Lage, dass die Freunde und Ehemänner der Spielerinnen mit Eifer dabei sind“, weiß die Abteilungsleiterin, warum in einer weiblich dominierten Sportart auch Männer für den TuS antreten. Sieben Mannschaften tragen die Farben des Vereins, darunter ein Mixed-Team. Schaut man auf die Jugend, dann wird das Problem deutlich. Zwischen der Jugend 8/9 und 10/11 klafft ein Riesenloch zur 18/19.
„In unserem Stadtteil leben nicht so viele Kinder und das sportliche Angebot ist groß“, nennt Birgit Basse einen Grund. Hinzu kommt, dass Korbball kein Schulsport mehr ist, von TV-Übertragen, wie es sie früher einmal gab, ganz zu schweigen. Mit Flyern, die in Schulen und Geschäften verteilt werden, einer stets aktuellen Internetseite oder Korbballtagen auf Verbandsebene etwa für Lehrer versucht man, Werbung zu betreiben. Neugierige, die diesen Sport einmal ausprobieren möchten, sind stets willkommen.
Hinzu kommt die unbefriedigende Hallensituation. „Bereits im Februar muss ich die Termine für die im Oktober beginnende Hallensaison beantragen“, erklärt sie. In Hannover gibt es mit den Hallen der IGS Stöcken und Albert-Liebmann-Schule gerade zwei, die die Voraussetzungen wie Bodenhülsen für die Korbballstangen aufweisen. Ansonsten müssen die festgeklebt werden.
„Es ist schwierig“, seufzt die Abteilungsleiterin. Doch aufgeben steht nicht auf dem Spielplan.

❱❱ Infos: www.tus-vahrenwald.de

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