Einsatz von Tablet-Computern in der Schule
In vielen Schulen bereits Alltag: Der Einsatz von Tablets im Unterricht. Foto: imago

Einsatz von Tablet-Computern in der Schule

Als erstes Bundesland will Niedersachsen Schülern den Einsatz von Tablet-Computern bei Klassenarbeiten oder Abiturprüfungen erlauben. Dies sieht ein Erlass des Landes vor, der vom kommenden Schuljahr an gelten soll.

Bisher betrifft der Erlass nur Schulen, die bereits mit Tablets arbeiten. Es gehe nicht darum, dass alle Arbeiten am Tablet geschrieben werden, sagt Sebastian Schumacher, Sprecher des Kultusministeriums. Die Geräte sollen lediglich Hilfsmittel, die schon in Prüfungen erlaubt sind, ersetzen – wie etwa Formelsammlung, Wörterbuch, Atlas und Taschenrechner. Damit die Schüler nicht im Internet nach Lösungen suchen oder auf Dateien zugreifen können, die sie vorab auf das Gerät geladen haben, sollen die Tablets über eine App in den Prüfungsmodus versetzt werden, der nur von den Lehrern abgestellt werden kann. Durch die App würde bestimmt, auf welche Dateien und Hilfsmittel die Schüler während der Prüfungszeit zugreifen können.

„Darauf haben wir schon lange gewartet“, sagt Henning Bergmann, stellvertretender Schulleiter der IGS Mühlenberg. Dort wurden bereits Tablet-Klassen eingerichtet, die im normalen Schulalltag mit den Geräten arbeiten. Auch an anderen Schulen wird die Idee begrüßt – allerdings gibt es auch Bedenken: Claus-Hinrich Schröder von der Humboldtschule fordert, dass es dann auch Personal geben müsse, das sich um Umsetzung und Technik kümmert. Daran hapert es allerdings noch, sagt Henning Bergmann, stellvertretender Schulleiter der IGS Mühlenberg. „Die Mittel, die das Land zur Verfügung stellt, reichen nicht, um geschultes EDV-Personal einzustellen.“ Kritisiert wird auch, dass die Anschaffung Kosten für die Schüler verursacht. Denn die Tablets werden über ein Miet-Kauf-System finanziert. An der IGS Mühlenberg kalkuliert man derzeit mit rund 15 Euro monatlich für das Gerät, Wartungsservice und Versicherung. An der IGS Mühlenberg zahlen die Schüler drei Jahre lang 16 Euro monatlich. Eltern müssen jedoch zunächst nicht damit rechnen, dass sie teure Geräte zu kaufen haben. „Dies ist eine Möglichkeit – keine Verpflichtung“, betonte der Ministeriumssprecher. „Bei uns kann jeder entscheiden, ob er in eine Tablet-Klasse möchte oder nicht“, bestätigt Oliver Wolfskehl, Oberstufenleiter an der IGS Linden.

Bis alle Schulen die Tablets nutzen, wird es jedoch noch dauern.  „Bei uns wäre das nicht ohne Weiteres möglich“, sagt Martin Thunich, Leiter der Wilhelm-Raabe-Schule, an der bisher nicht mit den Geräten gearbeitet wird. „Wir haben nicht mal überall WLAN.“ Doch ohne WLAN können zwar Prüfungen geschrieben , aber im Unterricht nicht sinnvoll mit den Geräten gearbeitet werden. Zwar habe Bundesbildungsministerin Johanna Wanka  angekündigt, Geld für die WLAN-Ausstattung von Schulen zur Verfügung zu stellen, sagt Schumacher. „Bedauerlicherweise ist diese Ankündigung noch nicht finanziell hinterlegt worden.“

Von Lisa Malecha


Umfrage: Sollen Tablets bei Schulprüfungen zugelassen werden?

Erik Höfel (24), 
Tiefbaufacharbeiter:
„An sich finde ich die Idee nicht schlecht. Es wird alles moderner und wir haben ja die Möglichkeit, die neuen Medien auch zu nutzen. Einen Vorteil sehe ich zum Beispiel darin, dass man auf einem Tablet viel schneller Wörter finden kann als in einem Wörterbuch. Dies spart Zeit und nimmt einen eventuellen Zeitdruck von den Schülern. Natürlich muss aber vorher immer kontrolliert werden, dass man mit dem Tablet nicht betrügen kann und eine Internetnutzung auch wirklich ausgeschlossen ist. Daher sollten die Tablets am besten von der Schule gestellt werden.“

Annette Hartmann (54), 
Dipl.-Designerin :
„Die Schüler mit Tablets statt Wörterbüchern und Taschenrechnern auszustatten, damit sie diese benutzen wie Wörterbücher und Taschenrechner ist nicht gerade die ganz große Innovation. Wünschenswert wäre es, sich insgesamt stärker auf die neuen Technik und Medien einzulassen, den Umgang damit beizubringen und den Mehrwert, den sie bieten, für den Unterricht zu nutzen. Mit anderen Worten: Ja, dafür, aber das kann bestenfalls ein Anfang sein.“

Michael Opitz (46), 
Gebietsverkaufsleiter:
„Nicht nur die Nutzung von Tablets bei Prüfungen oder Klausuren, sondern auch verstärkt im täglichen Unterricht sollte viel mehr zum Einsatz kommen. Je früher sich Kinder an den Umgang mit neuen technischen Hilfsmittel gewöhnen, desto besser. Aber ich vermute, dass noch vieles von den Kosten abhängt, egal ob für die einzelnen Geräte oder an der technischen Voraussetzung an den Schulen und Hochschulen. Die Möglichkeit sollte auf jeden Fall für alle gegeben sein, sich dieser Lernunterstützung zu bedienen.“

Manuela Zuppke (45), 
Zahnarzthelferin:
„Kinder und Jugendliche müssen mitgehen mit der Zeit und der technischen Entwicklung, von daher ist die Nutzung von Tablets bei Prüfungen durchaus sinnvoll. Der sichere Umgang mit neuen technischen Hilfsmitteln kann in vielerlei Hinsicht sehr hilfreich sein, egal ob bei einem Auslandsaufenthalt oder beim Studium an einer Universität. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen stimmen und jegliche Kosten sollten eigentlich von Vater Staat übernommen werden, damit keine zusätzlichen Kosten für Familien entstehen.“

Ute Philipp (56),
Lehrerin:
„Klar, die Schülerinnen und Schüler müssen heute den Umgang mit digitalen Medien beherrschen. Warum sollte man diese dann nicht auch in Prüfungen verwenden dürfen. Aber Schule muss auch weiterhin den Umgang mit herkömmlichen, analogen Werkzeugen wie Tafelwerk, Atlanten, Lexika, etc, vermitteln. Diese Kompetenzen werden auch in Zukunft noch gebraucht. Und: Man muss aufpassen, dass solch ein Angebot nicht nur finanzkräftigen Familien vorbehalten bleibt. Das würde zumindest den Zielen der Gesamtschulen widersprechen.“

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