Elektroschrott zurück zum Händler
Jährlich fallen hunderttausende Tonnen Elektroschrott in Deutschland an.

Elektroschrott zurück zum Händler

Bundesregierung beschließt Gesetz zur umweltfreundlichen Entsorgung von elektronischen Altgeräten

Von Frank Lindscheid

Berlin. Ob Mobiltelefone, Fernseher oder Staubsauger: Die Flut neuer Geräten schwillt jeden Tag an, immer schneller wechseln die Produkte. Wohin aber mit dem Elektroschrott? Das Bundeskabinett beschloss jetzt die Novelle des „Elektro- und Elektronikgerätegesetzes“, die eine umweltfreundliche Entsorgung erleichtern soll.
Das Gesetz zielt auf eine einfachere Entsorgung von Alt-Geräten. Große Händler sind künftig verpflichtet, beispielsweise einen älteren Kühlschrank beim Kauf eines neuen kostenlos zurückzunehmen. Als „große Vertreiber“ gelten Händler, die auf mehr als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche Elektronik und Elektrogeräte anbieten. Allerdings müssen Konsumenten künftig auch öfter einen Zollstock zur Hand nehmen: Kleinere Geräten mit einer Kantenlänge unter 25 Zentimeter, beispielsweise einen Rasierapparat, müssen die „Großen“ auch ohne den Kauf von Neugeräten zurücknehmen. Ein Kassenzettel ist künftig nicht mehr notwendig. Künftig kann man also auch eine Zahnbürste, die man in einem Kaufhaus erstanden hat, zum Beispiel in einem Baumarkt abgeben, wenn dieser die entsprechende Größe hat.
Die Regelungen gelten auch für den Onlinehandel. Die Vertreiber können wählen, wie sie die Auflagen erfüllen. Rücknahmestellen müssen allerdings in „zumutbarer Entfernung“ zum Kunden eingerichtet werden. Der Online-Handel hat inzwischen einen Anteil von etwa 20 Prozent am Gesamtumsatz. Tendenz steigend. Bisher haben große Online-Händler zum Teil Rücknahmegebühren erhoben.
Elektrogeräte dürfen nicht mit dem Restmüll entsorgt werden. Sie müssen, wie es im Text heißt, einem „zur Sammlung berechtigten Akteur“ überlassen werden. Das kann neben dem Händler wie bisher auch ein kommunaler Recyclinghof sein. Sinn des Gesetzes, mit dem eine EU-Richtlinie von 2012 umgesetzt wird, ist das Recycling wertvoller Rohstoffe wie Edelmetallen oder „seltenen Erden“. Aber Elektrogeräte enthalten auch viele Schadstoffe. Der Handel hat die Wahl: Er kann die Geräte selbst verwerten oder öffentlichen Entsorgungsstellen zuführen. Batterien müssen künftig entnommen werden. In manchen Städten gibt es bereits Container in der Innenstadt, in die Bürger ausgediente Geräte werfen können.
Bisher sind nach Zahlen der Bundesregierung in Deutschland etwa 780 000 Tonnen Elektroschrott gesammelt worden. Das entspricht 8,8 Kilogramm pro Einwohner, knapp die Hälfte der Menge, die ein einzelner Bürger im Jahr produziert. Ein weiteres Problem ist der illegale Export von Elektroschrott in Länder der Dritten Welt. Nach Auffassung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wird das fragwürdige Geschäft mit der Novelle eingedämmt.
Der Handel sieht das Gesetz wenig kritisch, vor allem weil kleine Geschäfte ausgenommen sind. „Es sind sich alle im Klaren, dass eine Rücknahme in einem Geschäft in der Einkaufsstraße keine Mengen bringt“, saqt Kai Falk, Geschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE).
Große zusätzliche Belastungen der Wirtschaft sieht der Handel nicht, weil schon bisher viele große Vertreiber freiwillig Produkte entsorgen. Aus Sicht des HDE hätte das eigentliche Ziel, bis 2019 etwa 65 Prozent des Elektroschrotts zu entsorgen, auch auf der Basis der bisherigen Gesetze erreicht werden können.
Die Grünen bewerten das Gesetz allerdings als halbherzig. „Die Beschränkung der Rücknahmepflicht schränkt den Nutzen für die Verbraucher erheblich ein, kritisiert Grünen-Chefin Simone Peter. Es sei zu befürchten, dass weiter Geräte im Hausmüll landen. Deshalb fordert auch die Verbraucherzentrale Bundesverband, die Rücknahme auszuweiten. Der IT-Branchenverband Bitkom moniert, das neue Gesetz könne zu einer „Zersplitterung“ der Rücknahmewege führen.

 

Umfrage: Wie gehen Sie mit Ihrem Elektroschrott um?

Frank

Frank Fügner (46),
Kaufmann, Hannover:

Ich würde es begrüßen, wenn jeder eigenverantwortlich handelt und Elektroschrott fachgerecht entsorgt. Meine Altgeräte bringe ich grundsätzlich zum Wertstoffhof. Wie das neue Gesetz wirkt, ob es zu Preiserhöhungen führt, wird sich zeigen.

 

 

Brixx

Brixx Vido (48),
Sachbearbeiter, Hannover:

Ich finde es zu umständlich, wie Elektrogeräte entsorgt werden müssen. Das neue Gesetz erscheint mir wenig praxis­tauglich. Die meisten Bürger werden weiterhin ihren Schrott auf dem kürzesten Weg entsorgen und in den Müll werfen.

 

Sarah

Sarah Grupe (39),
Lehrerin, Hannover:

Bei uns fällt kaum Elektroschrott an. Großgeräte haben die Händler auch jetzt schon oft zurückgenommen und kleinere Geräte haben wir zum Wertstoffhof gebracht. Das geplante Gesetz finde ich gut.

 

 

Heinrich

Heinrich Kotzold (68), Rentner, Herzberg:

Ich finde das neue Gesetz gut, weil es die Recycling-Idee fördert. Bisher habe ich alte Elektrogeräte oftmals über den Sperrmüll entsorgt.

 

 

Dogan

Dogan Sömö (25),
Verkäufer, Hannover:

Ich habe alte Elektrogeräte meist aufgehoben, Handys auch schon mal verschenkt. Weggeworfen habe ich kaum etwas. Ich finde das neue Gesetz ganz gut, mir gefällt der Umweltgedanke.

 

 

Umfrage/Fotos: Triller

Bildquelle

  • Elektroschrott: imago

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