Es gibt nichts Schöneres als Kommunalpolitik
Nachdenklich, aber auch amüsiert und zukunftsweisend: Herbert Schmalstieg beim Gespräch auf dem Roten Sofa. Foto: cle

Es gibt nichts Schöneres als Kommunalpolitik

Ex-Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg besucht die hallo Wochenende-Redaktion zum Gespräch auf dem Roten Sofa

Das_Rote_Sofa_Logo.inddHannover. Ja, er hatte schon Angebote, aus Hannover wegzugehen. Dennoch hat er es nie getan. Das hat Herbert Schmalstieg auf dem „Roten Sofa“ verraten. Der dienstälteste Oberbürgermeister der Republik ist noch immer politisch aktiv; in die Stadtpolitik mischt er sich aber nicht mehr ein: „Ich bin der Auffassung, dass sich das einfach nicht gehört.“ Nur eine Ausnahme hat er gemacht – und zwar als es um die Städtepartnerschaft zwischen der türkischen Stadt Konya und Hannover ging. „Konya ist eine sehr konservative und reaktionäre Stadt. Wenn man so etwas macht, sollte man das kurdische Diyarbakir hinzunehmen.“

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Herbert Schmalstieg: Das könnte bei der Wiedereröffnung des Vahrenwalder Bades gewesen sein. Foto: archiv

Beim Aufräumen unseres Archivs waren der Redaktion alte Bilder in die Hände gefallen. Darauf zu sehen: Herbert Schmalstieg. Doch niemand konnte sich genau erinnern, wann und zu welchem Anlass der ehemalige Oberbürgermeister fotografiert worden war. Grund genug, Herrn Schmalsteig zu uns aufs Rote Sofa einzuladen und ihn selbst zu fragen.

Herr Schmalstieg, wissen Sie noch, wann und wo das Foto aufgenommen worden ist?
Also, ich habe mit meiner Frau gesprochen. Sie meint, das muss vor 2000 gewesen sein. Das könnte dann die Wiedereröffnung des Vahrenwalder Bades gewesen sein. Nach 2000 hatte ich ganz kurze Haare. Viele Leute sagen übrigens, dass ich heute besser und jünger aussehe als damals. Aber das ist heute wohl so. Meine Großeltern sahen 1950 bei ihrer Goldenen Hochzeit richtig alt und „verbraucht“ aus. Aber gehen Sie heute mal zu einer Goldenen Hochzeit. Da fragt man sich manchmal: Wo ist denn die Goldbraut?

Vielleicht halten Sie ja Ihre vielen Aktivitäten fit? Obwohl die kein Oberbürgermeister mehr sind, ist Ihr Terminkalender sehr voll…
Ja, ich engagiere mich unter anderen in der Niedersächsischen Härtefallkommission. Es geht da um Menschen, die seit vielen Jahren in Deutschland leben, aber keine Aufenthaltserlaubnis haben. Zum Teil sind da ganz traurige Fälle. Da gab es beispielsweise  zu Herrn Schünemanns Zeiten einen Jungen, der keine Aufenthaltserlaubnis erhalten sollte. Einer der Gründe war, dass sein Notendurchschnitt von 2,8 auf 3,2 gesunken war und man ihm keine positiven Zukunftsaussichten prognostizierte. Was da passiert ist, war teilweise menschenverachtend. Ach, ich könnte Bücher darüber schreiben. Aber eins muss ich sagen: Seitdem wir eine neue Regierung haben, gibt es einen neuen Stil in der Ausländerpolitik. Und das ist Stephan Weil und Boris Pistorius zu verdanken. Pistorius ist der beste Innenminister, den wir je hatten – weil er eben auch Oberbürgermeister von Osnabrück war und kommunalpolitische Erfahrungen mit einbringt.

Die zwei mit der Mütze: Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt mit Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg. Foto: Archiv

Die zwei mit der Mütze: Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt mit Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg. Foto: Archiv

Warum ist das wichtig?
Sehen Sie, wenn die Menschen etwas auf dem Herzen haben, dann gehen sie nicht zum Minister, dann gehen Sie ins Rathaus zum Oberbürgermeister. Ich habe in der langen Zeit als Oberbürgermeister bestimmt über 300 Sprechtage gemacht. Das war mir immer sehr wichtig. Zudem: Jeder muss ernst genommen werden. Jeder Mensch hat seine Würde, sei es ein Obdachloser, ein Müllwerker oder ein Vorstandsvorsitzender.

Herr Pistorius ist nun vom Oberbürgermeister Osnabrücks zum Innenminister geworden: Hatten Sie eigentlich jemals Ambitionen, auch Minister zu werden?
Ja und nein. 1990 gab es die Überlegung von Gerhard Schröder, mich zum Innenminister zu machen. Das hat sich Gott-sei-Dank zerschlagen.

Nachdenklich: Herbert Schmalstieg auf unserem Roten Sofa. Foto: cle

Nachdenklich: Herbert Schmalstieg auf unserem Roten Sofa. Foto: cle

Warum ist daraus nichts geworden und warum Gott-sei-Dank?
Die Braunschweiger hatten ja jemanden mit Gerhard Glogowski. Und Gott-sei-Dank, weil ich als Oberbürgermeister so viel habe bewegen können. Denken Sie beispielsweise an die Expo. Als Innenminister reist man zudem nicht so viel in der Welt herum. Da hätte ich nicht vor der Uno Vollversammlung reden können. Dort war ich für die weltweite Vereinigung „Bürgermeister für den Frieden“.

Würden Sie angesichts der vielfältigen Probleme heute eigentlich nochmals als Oberbürgermeister antreten?
Mit meinem heutigen Kenntnisstand und 27 und nicht 72 Jahre alt, dann würde ich das machen. Klar. Es gibt nichts Schöneres als Kommunalpolitik.

Hatten Sie eigentlich jemals überlegt, aus Hannover wegzugehen?
Eigentlich nie. Ich hätte zweimal die Möglichkeit gehabt: Einmal sollte ich Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages werden, dann Geschäftsführer des deutschen Sparkassenverbandes. Dann wäre ich entweder nach Bonn oder nach Köln gegangen. Aber das war beide Male unmittelbar vor Kommunalwahlen und ich war bereits als OB-Kandidat nominiert. Und da habe ich gedacht: Ich kann die Leute doch jetzt nicht im Stich lassen.

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