Es wird zu viel weggeworfen
Viele Lebensmittel weisen ein kurzes Haltbarkeitsdatum auf, sind oft aber viel länger haltbar. Foto: Imago

Es wird zu viel weggeworfen

Ernährungsminister Schmidt pocht auf rasche Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums bei Lebensmitteln

Von Jan Sternberg  und Sebastian Engel
Berlin. Im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung macht sich Ernährungsminister Christian Schmidt für eine rasche Abschaffung des Haltbarkeitsdatums auf Verpackungen stark. Er gehe davon aus, dass in wenigen Monaten der Entwurf einer entsprechenden EU-Richtlinie vorliege, sagte der CSU-Politiker. Brüssel will die EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichten, die Zahl der Lebensmittelabfälle bis 2025 um 30 Prozent zu verringern.
Die meisten Produkte seien erheblich länger verwendbar als auf den Verpackungen stehe, argumentierte Schmidt. „Wir werfen massenweise gute Lebensmittel weg, weil die Hersteller zu große Sicherheitspuffer eingebaut haben.“
Bis zum Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) sollte ein Produkt normalerweise in Top-Zustand sein – also seinen vollen Geschmack behalten oder nicht matschig werden. Das setzt sachgemäße Aufbewahrung und eine intakte Verpackung voraus. Vor allem langlebige Lebensmittel wie Reis, Nudeln oder Tee können aber auch weit über das MHD hinaus ohne Bedenken genießbar bleiben.
Schmidt mahnte an, neue Wege zu gehen. Die Zukunft gehöre „der intelligenten Verpackung“. In Joghurtbecher etwa ließen sich elektronische Chips einbauen, die ermittelten, wie sich das Produkt von Tag zu Tag verändere. „Eine Farbskala von Grün bis Rot zeigt an, wie es um die Verzehrbarkeit steht“, erläuterte der Minister. „Jeder kann dann selbst entscheiden, bis zu welchem Grad er das Nahrungsmittel noch verwenden will.“
Laut einer 2012 vorgestellten Studie für sein Ministerium landen in Deutschland jährlich rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Davon stammen 6,7 Millionen Tonnen von Privathaushalten. Viele Geschäfte spenden Waren kurz vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit an die Tafeln. Verkaufen dürfen sie die Waren nach Ablauf nicht mehr.
In Frankreich müssen Händler nach einem Anfang Februar beschlossenen Gesetz unverkaufte Nahrungsmittel spenden, verarbeiten, als Tierfutter verwenden oder kompostieren. Die Bundesregierung plant ein solches Wegwerf-Verbot allerdings nicht.

 

Soll das Mindesthaltbarkeitsdatum abgeschafft werden? (Umfrage und Fotos: Triller)
Ernst Kulisch

Ernst Kulisch (59), Angestellter, Barsinghausen: Das Mindesthaltbarkeitsdatum hat nur einen Informationswert. Ich kann mir vorstellen, dass die Verbraucher künftig Lebensmittel ohne Datumsangabe noch eher wegwerfen.

Jasmin Busse

Jasmin Busse (23), Auszubildende, Hannover: Ich würde es nicht vermissen. Für mich ist das Mindesthaltbarkeitsdatum ein Anhaltspunkt, wie alt ein Produkt ist. Ich verbrauche Lebensmittel auch dann noch, wenn das Datum abgelaufen ist.

Joachim Bender

Joachim Bender (68), Rentner, Hannover: Für mich ist das Mindesthaltbarkeitsdatum beim Einkaufen wichtig. Aber sinnvoll ist das Datum nur auf den Verpackungen von bestimmten Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und H-Milch.

Megan Vogels

Megan Vogels (23), Erzieherin, Hannover: Das Mindesthaltbarkeitsdatum sollte um die Info ergänzt werden, dass Lebensmittel auch über das Datum hinaus verbraucht werden können. Auf Dauerprodukte wie Salz und Kaffee macht das Datum keinen Sinn.

Sabine Poppe

Sabine Poppe (51), Verwaltungsangestellte, Hannover: Das kommt auf das Produkt an. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist für mich ein Richtwert. Das heißt aber nicht, dass ich Lebensmittel, die abgelaufen sind, wegwerfe.

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