Freies Internet für die Innenstadt
hallo Wochenende online lesen – bald soll das überall in der Innenstadt möglich sein. Foto: Haak

Freies Internet für die Innenstadt

htp plant zusammen mit der Üstra ein flächendeckendes W-Lan-Netz / Umsetzung bis Ende des Jahres

Von Franka Haak
Hannover. Vor dem Hauptbahnhof E-Mails abrufen, am Kröpcke aktuelle Nachrichten lesen und am Steintorplatz über das Internet einen Stadtplan öffnen – das Telekommunikationsunternehmen htp plant zusammen mit der üstra ein flächendeckendes offenes W-Lan-Netz für die Innenstadt. Über das drahtlose Netzwerk soll sich jeder mit seinem Smartphone oder Tablet ins Internet einwählen können. Der Zugang soll auf eine Stunde begrenzt sein. Ist die Zeit abgelaufen, wird die Verbindung unterbrochen. „Man kann sich aber direkt wieder verbinden“, erklärt htp-Pressesprecherin Kathrin Mackensen. Damit wolle das Unternehmen verhindern, dass Nutzer unbegrenzt große Dateien herunterladen und dadurch immensen Datenverkehr verursachen.
In einem Pilotprojekt will htp bis Weihnachten 20 Stationen zwischen Hauptbahnhof und dem Platz der Weltausstellung sowie Aegi und Steintorplatz einrichten. Der erste Standort vor dem htp-Geschäft an der Limburgstraße ist bereits freigeschaltet. Im Juni sollen Hauptbahnhof, Kröpcke, Aegi und der Platz der Weltausstellung folgen. Insgesamt investiert das Unternehmen für das Projekt nach eigener Aussage einen „mittleren sechsstelligen Betrag“ in die Technik und die Miete der Glasfaserkabel von der üstra.
Ganz neu ist das alles nicht. An vielen Stellen in der Innenstadt ist bereits ein offener W-Lan-Zugang verfügbar, beispielsweise von Geschäften, Cafés und der Initiative Freifunk. Bisher gleicht das W-Lan-Netz in Hannover aber einem Flickenteppich. Es sind unterschiedliche Anbieter, jeweils mit ihren eigenen Konditionen. Selten funktioniert die Verbindung im ersten Anlauf. Vielerorts schwankt die Empfangsqualität, die Übertragung ist teilweise sehr langsam. Oft ist es mühsam, eine Position mit gutem Empfang zu finden. Dieses Problem will htp nun beheben. Bis Ende des Jahres soll in der Innenstadt überall W-Lan verfügbar sein. „Wir begrüßen das. Das ist ein sehr guter Ansatz“, sagt Christine Kastning, Fraktionsvorsitzende der SPD im Rat.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Seidel sieht das ähnlich.  Auch er begrüßt es, dass htp zusamen mit der üstra die Innenstadt mit freiem WLAN versorgen will. Als Standort der Computermesse Cebit müsse die Stadt Hannover beim Ausbau von offenem Internet eigentlich Vorreiter sein. „Die bisher vorhandenen vereinzelten WLAN-Angebote in der Innenstadt reichen auf keinen Fall aus“, so Seidel.
Grundsätzlich stimmt Dirk Hillbrecht, Ratsherr der Piraten-Partei, dem zu. Die geplante Begrenzung auf eine Nutzungsdauer von einer Stunde kritisiert er: „Das ist eine Lachnummer.“ In vielen europäischen Städten sei offenes WLAN ohne zeitliche Bregenzung selbstverständlich. Auch in Hannover könnte sich das bald in diese Richtung entwickeln, vermutet Hillbrecht. Ein großes Hindernis sei bisher die sogenannte Störerhaftung: Wer sein privates WLAN-Netz öffnet, haftet dafür, wenn andere Nutzer illegale Inhalte aufrufen. Am Mittwoch haben sich SPD und CDU im Bund darauf geeinigt, diese Regelung abzuschaffen. „Das Projekt von üstra und htp droht von der Realität überholt zu werden. Bis sie das im Herbst oder Winter umgesetzt haben, bieten vielleicht längst viele Privat- und Geschäftsleute freies Internet an“, so Hillbrecht.
Auch für die Initiative Freifunk Hannover macht das neue Gesetz vieles einfacher. Der Verein ermöglicht es Privat- und Geschäftsleuten, ihr WLAN-Netz für andere Nutzer zu öffnen. So soll ein möglichst flächendeckendes Netz geschaffen werden. Um der Störerhaftung aus dem Weg zu gehen, leiten sie ihre Daten über einen Server in Frankreich um, wo es ein entsprechendes Gesetz nicht gibt. Dieser Umweg könnte in Zukunft wegfallen. Neben dem technischen Vorteil hat Carsten Wiemann, Vorstandsmitglied von Freifunk Hannover noch eine andere Hoffnung: Die Akzeptanz für Freifunk in der Bevölkerung könnte wachsen. „Wegen der Störerhaftung schrecken viele bisher davor zurück, ihr Internet zu öffnen“, erklärt er. Er hofft, dass die Zahl der freien Zugänge durch die Gesetzesänderung wächst.

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