„Fremd bin ich eingezogen …“. Heinz Maraun singt Franz Schuberts „Winterreise“ / Neuveröffentlichung als Doppel-CD
Seit 2006 offiziell im Ruhestand, ist der in Rethen lebende Opernsänger Heinz Maraun nach wie vor mit einer Vielzahl musikalischer Projekte befasst. Seine CD „Männer weinen“ ist unter anderem bei Decius im Leine-Center erhältlich.

„Fremd bin ich eingezogen …“. Heinz Maraun singt Franz Schuberts „Winterreise“ / Neuveröffentlichung als Doppel-CD

Laatzen. „Für einen Sänger“, schreibt Heinz Maraun im Booklet seiner jüngsten CD-Veröffentlichung, „ist es eine der größten Herausforderungen, denen er sich im Laufe seiner Karriere stellen kann.“ Mehr als 50 Mal stand der in Rethen lebende Opernsänger im Laufe seiner langen Karriere mit Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ auf der Bühne – jetzt hat er eine bemerkenswerte Neuveröffentlichung seiner 2002 entstandenen CD-Einspielung des auf Texten von Wilhelm Müller (1794-1827) basierenden Werkes vorgelegt.

Bemerkenswert ist „Männer weinen“, so der Titel der Maraunschen Doppel-CD, nicht allein aus musikalischer Sicht. „Männer weinen“ enthält, wenn man so will als Bonus-Material, einen von Maraun gelesenen Essay von Barbara Sichtermann („Das Weinen ist des Müllers Lust“), den die Autorin 2004 als Nachwort zu einer im Hildesheimer Gerstenberg Verlag erschienenen Textsammlung über die „Winterreise“ verfasste.

Der Liederzyklus, von Schubert zwei Jahre vor seinem Tod komponiert, gilt – in musikalischer Hinsicht – als das „die Grenzen der Melancholie gelegentlich überschreitende Bekenntnis eines tief unglücklichen Menschen“ (Booklet). Schubert hat darin – mit überzeugenden musikalischen Mitteln – der sich in den Gedichten Wilhelm Müllers offenbarenden menschlichen Pein Ausdruck verliehen: „dem Schmerz, der Klage, dem Sich-Aufbäumen gegen die Verzweiflung, der Erinnerung an erträumtes Glück – schließlich der Resignation und dem Versinken im Wahnsinn“.

Dieser kaum aus dem zeithistorischen Kontext der Deutschen Romantik zu lösende „Blick in das tiefste Innere einer menschlichen Seele“ ist es, der die „Winterreise“ für den Sänger Maraun zu einem „einzigartigen Zyklus“ macht. Der Aufgabe, diesen „Mount Everest des Liedgesangs“ (Maraun) zu erklimmen, hat sich der Rethener gemeinsam mit der Pianistin Margaret Singer angenommen, mit der den 78-Jährigen eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. Beide, schreibt die Kritik, liefern eine ganz eigenständige, sich durch Rückzüge in das innere Ich des „Alleingängers“ auszeichnende Interpretation des Schubertschen Werkes. An einer dem Text durchaus angemessenen Dramatik, lässt sich aus diesen Worten herauslesen, fehlt es der Interpretation von Heinz Maraun und Margaret Singer, nicht. rks

 

Bildquelle

  • : privat

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