Für die Blutspende wird hart gearbeitet
Blutspende funktioniert nur dank der Hilfe zahlreicher Ehrenamtler. Die 91-jährige Sophie Bövers ist seit Jahren dabei und seit langem die Herrin des Büfetts.

Für die Blutspende wird hart gearbeitet

Quelle: Mirko Haendel

DRK-Team hat bereits im Vorfeld viel zu tun / 20 Helfer pro Termin im Einsatz

Barsinghausen. „Heute Blutspende“ – Plakate und Aufsteller mit dieser Aufschrift sind immer irgendwo zu entdecken. Auf dem Land ist es der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der mithilfe der Ortsvereine die Termine organisiert. Deren ehrenamtliche Mitglieder sind unverzichtbar für das Blutspendesystem. Schließlich sorgen sie dafür, dass in Deutschland annähernd die Menge an Spenderblut zur Verfügung steht, die benötigt wird. Und natürlich ginge nichts ohne die Spender. „Blutspende ist auch ein Ehrenamt“, sagt Patrick Ploberger, Vorsitzender des DRK Barsinghausen und DRK-Gebietsreferent für Stadt und Region Hannover.

Quelle: Mirko Haendel

Annegret Ronschke (links) verteilt bereits Wochen vorher die Plakate und Flyer in den Geschäften der Stadt.

Doch während die Spender einen relativ ruhigen Nachmittag verleben, bedeutet für die Ehrenamtler ein Blutspendetermin viel Arbeit. In der Bert-Brecht-Schule war das jetzt mitzuerleben. Für das DRK Barsinghausen ist es bereits der siebte Blutspendetermin des Jahres. Bis Ende 2017 werden noch drei weitere hinzukommen.

1600 ehrenamtliche Stunden
Bevor die ersten Tropfen Blut in der Schule abgezapft werden, hat eine Helferin schon mehrere Stunden gearbeitet. Pro Termin sind etwa 20 Ehrenamtliche, fast ausschließlich Frauen, im Einsatz. „Bei jedem Termin kann man etwa mit zehn Stunden Arbeit für jeden Helfer rechnen“, sagt Ploberger. „Mit allen Arbeiten kommen so locker über 1600 Stunden ehrenamtliche Arbeit im Jahr zusammen.“ Die stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Annegret Ronschke verteilt bis zu zwei Wochen vor dem Termin Plakate und Flyer und sorgt dafür, dass Plakate aufgehängt werden. Ebenfalls frühzeitig versendet das DRK Postkarten mit der Einladung zum Spendetermin an etwa 1000 registrierte Spender. „Davon kommen dann etwa 80 Personen“, erläutert Ploberger.

Und die haben nach der Spende Hunger und Durst. Einen Tag vor der Blutspende besorgen Helfer daher Lebensmittel und Getränke, die nach der Spende angeboten werden. „Wir kaufen alles frisch und vor Ort“, betont der Vorsitzende. Der Klassiker ist das kalte Büfett mit den beliebten Mettbrötchen. „Wir haben aber auch schon Gutscheine für ein Restaurant verteilt oder Motto-Blutspenden mit Oktoberfest-Brotzeit und alkoholfreiem Weizenbier durchgeführt.“

Quelle: Mirko Haendel

Helma Lorenz (von links), Herma Knapke und Jutta Behnsen belegen Brote.

Diesmal gibt es Schnittchen. Stunden vor Beginn der Spende bis kurz vor Ende des Termins sitzen acht Frauen um einen großen Tisch, plaudern, scherzen und belegen unzählige Brotscheiben und Brötchen. „Wir gehören gern zur Küchentruppe“, sagt Jutta Behnsen. „Hier können wir während der Arbeit miteinander plaudern.“ Ein Platz am Küchentisch werde quasi vererbt, erklärt Teamleiterin Margot Kiel. „Die Jüngeren werden von den Älteren angelernt.“

Als die ersten Spender die Schule betreten, ist alles vorbereitet. Die Tische und Bänke sind aufgestellt, die Ecke für die Kinderbetreuung ist mit Spielzeug, Papier und Stiften bestückt, das Büfett präsentiert sich in voller Pracht. Heute begrüßt Julia Reker die Spender. Sie nimmt Spendenausweise entgegen und gibt die personalisierten Fragebögen aus, die vor jeder Spende ausgefüllt werden müssen. Erstspender informiert sie über die Abläufe und zeigt ihnen die Räumlichkeiten. Dann übernehmen hauptamtliche Mitarbeiter. Zunächst ermitteln sie die Blutwerte, ein Arzt misst Blutdruck und Puls, checkt den Fragebogen und spricht mit dem Spender. Danach geht es zur eigentlichen Spende. Sind die 500 Milliliter Blut aufgefangen, können sich die Spender am Büfett bedienen.

Quelle: Mirko Haendel

Julia Reker empfängt die Spende und teilt die Fragebögen aus.

Freundliche Worte für jeden
Hier führt seit vielen Jahren Sophie Bövers die Regie. Die 91-Jährige findet für jeden ein freundliches Wort, bestückt die Teller und füllt die Gläser. Sie gibt den Spendern das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Papp- und Plastikgeschirr ist verpönt. „Wir wollen mit dem Büfett unsere Wertschätzung ausdrücken. Außerdem gibt sich die Küche viel Mühe. Pappteller und Plastikbecher passen da nicht“, sagt Ploberger. Und das ist wieder Arbeit für die Helfer, die das Geschirr spülen und abtrocknen müssen.

Nach fast vier Stunden verlassen die letzten Spender die Schule. Jetzt geht es ans Aufräumen, Putzen und Einpacken. Während die hauptamtlichen DRK-Mitarbeiter die Behältnisse mit dem gespendeten Blut in ein Transportfahrzeug laden, sorgt das Team der Ehrenamtlichen dafür, dass die Räume am nächsten Tag wieder für den Schulbetrieb genutzt werden können. Für sie geht ein lange Tag zu Ende. Jetzt können sie sich ein wenig ausruhen, doch schon in wenigen Tagen beginnen die Vorbereitungen für den nächsten Blutspendetermin am Montag, 4. Dezember, von 16 bis 19.30 Uhr in der KGS Goetheschule, Goethestraße 29. Am Freitag, 15. Dezember, werden Spender von 16 bis 19.30 Uhr in der Grundschule Hohenbostel, Heerstraße 14a, erwartet. Und am Freitag, 29. Dezember, wird von 16 bis 19.30 Uhr in der Bert-Brecht-Schule, Schulstraße 5, ein Spendetermin organisiert.

Quelle: Mirko Haendel

Julia Reker trocknet das gespühlte Geschirr ab.

 

Blutspende und Spenderblut: Fakten und Daten

• In Deutschland werden täglich etwa 15 000 Blutspenden benötigt, in Niedersachsen 2 300.
• In Niedersachsen führt das DRK daher täglich 26 Blutspendetermine durch.
• 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland dürften gemäß der Kriterien (Alter, Gesundheitszustand) Blut spenden.
• 4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland spendet Blut.
• Gemäß dem Transfusionsgesetz dürfen Blutspender nicht entlohnt werden.
• Das Deutsche Rote Kreuz ist in Niedersachsen die einzige Organisation, die außerhalb der Großstädte, in Kleinstädten und Dörfern, Blutspendetermine durchführen
• In Barsinghausen fand 1958 der erste Blutspendetermin bei der Firma Rose statt.
• Seitdem wurden 319 Blutspendetermine durchgeführt und 37 791 Blutspenden gesammelt.

Wer braucht Blut?:
• Krebskranke (26%)
• Herzkranke (20%)
• Magen- und Darmerkrankte (19%)
• Unfallpatienten (15%)
• Andere, z.B. Mütter nach Geburtskomplikationen (20%)

Quelle: Mirko Haendel

Die Blutkonserven sind verstaut. Der Transporter fährt sie nun ins Zentralinstitut nach Springe.

 

Vom Spender bis zum Empfänger – der Weg des Spenderbluts

• Nach der Blutspende wird das Spenderblut zum Zentralinstitut des DRK nach Springe transportiert. Hier werden sämtliche Blutkonserven aus Niedersachsen, Oldenburg und Bremen verarbeitet.
• Die Blutkonserven werden untersucht, es werden die Blutgruppen ermittelt, das Blut auf Infektionskrankheiten wie Hepatitis, HIV und Syphilis untersucht.
• Die Blutkonserven werden verarbeitet. Es entstehen die Blutpäparate Blutplasma (drei Jahre haltbar), Blutplättchen (fünf Tage haltbar) und rote Blutkörperchen (49 Tage haltbar).
• Untersuchung und Verarbeitung müssen innerhalb von 19 Stunden geschehen.
• Im Zentralinstitut in Springe lagern ungefähr 15 000 Blutkonserven. Diese werden an die Krankenhäuser verteilt und reichen für etwa eine Woche.
• Das Spenderblut wird nur regional verwendet. Bei Mangel an einer bestimmten Blutgruppe werden Ausnahmen gemacht.
• In der Regel landet ein Blutpräparat innerhalb von drei Tagen nach der Spende beim Empfänger.

Bildquelle

  • Blutspende_01: Mirko Haendel
  • Blutspende_20: Mirko Haendel
  • Helma Lorenz (von links), Herma Knapke und Jutta Behnsen belegen Brote.: Mirko Haendel
  • Julia Reker empfängt die Spende und teilt die Fragebögen aus.: Mirko Haendel
  • Julia Reker trocknet das gespühlte Geschirr ab.: Mirko Haendel
  • Blutspende_02: Mirko Haendel
  • Die 91-jährige Sophie Bövers ist die Herrin des Büfetts.: Mirko Haendel

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