Gewa(a)gt und gewonnen
Susanne und Kurt Waag leiten das Strangriede Stage am E-Damm. Foto: niehaus

Gewa(a)gt und gewonnen

Strangriede Open Air feiert fünften Geburtstag

von Clemens Niehaus
Nordstadt. Der nördliche Bereich des Engelbosteler Damm entwickelt sich von einer Problemecke zu einer Wohlfühlzone. Treibende Kraft dieses Wandels ist Kurt Waag, der zusammen mit seiner Frau Susanne das Strangriede Stage betreibt. Seit Februar 2014 bieten die beiden mit ihrer „Musikkneipe“ eine Anlaufstelle für Musiker und Bands aus Hannover und der Umgebung.
„Angefangen hat alles 2013 mit dem ersten Strangriede Open Air“, erzählt Kurt Waag. Damals habe man das Open Air Festival initiiert, um die Gegend rund um den Streifenplatz aufzuwerten. Denn: „So konnte es nicht weitergehen“, erinnert sich Waag. Damals sei die Ecke rund um die Stadtbahnhaltestelle „Strangriede“ zu einem Drogenumschlagsplatz mutiert, erzählt Waag. „Die Dealer fanden hier optimale Bedingungen: Kurze Wege, dunkle Ecken, die Straßenbahn gleich um die Ecke“. Da seien sie mit dicken Autos vorgefahren und die Dealer hätten die Jugendlichen angequatscht. „Wir haben wirklich überlegt, wegzuziehen“, gibt Waag zu. Doch letztendlich entschieden sich Susanne und Kurt Waag zu bleiben und dafür zu sorgen, dass das Umfeld wieder lebens- und liebenswerter wird. Dazu sollte das erste Strangriede Open Air seinen Teil beitragen. „Wir haben uns mit ein paar Nachbarn zusammengesetzt und überlegt, was wir tun können“, sagt Kurt Waag. Schnell habe sich die Idee eines Musikfestes manifestiert und zusammen mit dem Stadtteildialog Nordstadt, dem Bezirksrat und dem Bezirksmanagement wurde die Idee umgesetzt und so fand 2013 da erste Strangriede Festival statt. Mit großem Erfolg. „Da kamen über hundert Leute und haben gefeiert“, erinnert sich Waag. Aber was viel wichtiger war: Es kamen da viele Menschen zusammen, die auch unzufrieden waren und nur darauf warteten, dass etwas passierte. Und nach dem ersten Festival passierte tatsächlich etwas. „Wir haben uns regelmäßig mit dem Stadtteildialog Nord getroffen und unsere dort unsere Probleme geschildert“, sagt Waag, und ganz langsam habe sich die Stimmung geändert.

Auch Noam Bar war schon mehrfach in der Strangriede Stage zu Gast. Foto: niehaus

Das war 2013. Im Folgejahr, 2014, sollte sich für Waag noch mehr ändern. „Ich bekam das Angebot, die Kneipe zu übernehmen“, erinnert sich der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann. „Nach langen Überlegungen und vielen Diskussionen mit meiner Frau haben wir uns entschlossen, das Angebot anzunehmen“. Im Februar 2014 eröffnete das Strangriede Stage. Das Konzept war klar: „Wir wollten einmal die Woche Live-Musik anbieten“, erläutert Waag. Ein Angebot, das gut angenommen wird. Inzwischen ist das Strangride Stage Anlaufpunkt für regionale und überregionale Bands geworden. „Wir arbeiten auch eng mit dem Musikzentrum zusammen“, erzählt Waag. Inzwischen ist das Wegziehen kein Thema mehr. „Wir fühlen uns wohl hier“, sind sich Susanne und Kurt Waag einig.
Alles gut also am Streifenplatz? Nicht ganz. Waag wünscht sich von der Stadt mehr Entgegenkommen. „Wir fühlen uns von der Stadt im Stich gelassen“. Grund für das „große Aua“: In das Gebäude von Soltendieck am E-Damm zieht ein Sportwettenbüro ein. Das konterkariere das, was wir uns eigentlich gewünscht hatten, meint Waag. „Wir hätten hier einen Aldi oder Lidl gebraucht, damit die Leute in diese Ecke vom Engelbosteler Damm kommen“. Spielhallen und Wettbüros ziehen die falschen Leute an. „Mein Traum ist, dass dieser hintere Teil des E-Dammes eines Tages an die Innenstadt angeschlossen ist.“

IDestroy aus Bristol rocken auf dem Strangriede Festival. Foto: red

Doch bevor es soweit ist fahren noch viele Bahnen den E-Damm entlang. Jetzt steht erst einmal das nächste „Großprojekt“ für das Strangriede Stage an: Das Open Air Fest am 25. und 26. August auf dem Streifenplatz und rund um die Haltestelle „Strangriede“. Zum 5. Geburtstag des Festivals hat sich der Verein Engelbosteler Damm Nordstadt als Veranstalter über die nähere Umgebung hinaus umgeschaut und drei Bands aus Großbritannien für das Festival verpflichtet: Demented Are Go, die Guitar Gangsters und IDestroy. Umrahmt werden die Auftritte der drei GB-Bands von lokalen Acts wie Ich Kann Fliegen, C For Caroline und den Donkey Pilots.
Infos zum Programm gibt es bei Facebook/strangriede stage.

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