Hannovers grüne Runde

Hannovers grüne Runde

 

Von Thomas Oberdorfer

Hannover. Ein königlicher Garten, zwei Flüsse, ein von den Hannoveranern selbst ausgehobener See, eine Schenkung der Herzöge Wenzeslaus und Albrecht von Sachsen sowie eine geplante, aber nie gebaute Hauptverkehrsstraße machen es möglich – die große grüne Fahrradrunde um Hannovers Innenstadt. Das Besondere dieser Tour: Auf der 25 Kilometer langen Strecke entfernen sich die Radler nie mehr als fünf Kilometer vom Kröpcke und fahren dabei trotzdem fast immer entlang oder durch Grünanlagen ohne störenden Autoverkehr. Einen schöneren Weg für die gemütliche Sonntagnachmittag-Fahrradtour gibt es in Hannover nicht.

Die Mitarbeiter des städtischen Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün haben nicht nur diese Tour ausgearbeitet, sondern mit dem „Julius-Trip-Ring“ auch gleich einen passenden Namen gefunden (siehe Bericht auf dieser Seite).

Nun aber rauf aufs Rad:  Das Schöne an der Strecke – es gibt weder Start- oder Zielpunkt noch eine vorgegebene Richtung auf dem Rundkurs. Den Weg weist ein kleines quadratisches Schildchen (siehe Foto), das zugleich an den Namensgeber erinnert.

Wir starten zu unserer Tour in Herrenhausen. Auf der kleinen Straße zwischen dem bereits 1714 von der Kurfürstin Sophie angelegten Großen Garten und dem Georgengarten führt der Weg hinab an die Leine und am Ufer des Flusses weiter in Richtung Linden und hinüber auf die Fährmannsinsel. Am Zusammenfluss von Leine und Ihme lädt der wunderschön gelegene Biergarten „Strandleben“ zu einer kleinen Pause ein. Weiter geht es entlang des Ihmeufers zum Maschsee. Der Bau des Stadtsees wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts geplant – allerdings fehlte das nötige Geld, um die Pläne  umzusetzen. Erst eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zwischen 1932 und 1936 ermöglichte  den Bau des Maschsees.

Wir radeln am Strandbad vorbei hinein in die Eilenriede – den rund 640 Hektar großen Stadtwald. Die Bürger Hannovers erhielten ihn 1371 als ein Geschenk der Herzöge Wenzeslaus und Albrecht von Sachsen. Nach den ersten Metern im Wald ändert sich die Geräuschkulisse. Der Autolärm verstummt, Vögel geben nun den Ton an. Unter dem Blätterdach der Eilenriede radeln wir weiter Richtung Nordosten. Herrlich, vor allem an heißen Sommertagen.

Ohne ein kleines Stück durch Wohnstraßen geht es dann aber doch nicht: In der List führt die Strecke aus dem Wald hinaus und hinüber zum Pastor-Jäckel-Weg. Aufgepasst, die kleinen Schildchen, die den Julius-Trip-Ring markieren, sind hier leicht zu übersehen. Die Strecke führt nun vorbei an Kleingärten und durch einen breiten Grünstreifen über die Vahrenwalder Straße hinweg nach Hainholz. Eigentlich sollten auf diesem Streckenteil heute längst Autos rollen. Stadtplaner hatten die „Niedersachsenring-Trasse“ über Jahrzehnte hinweg für eine große städtische Ost-West-Verbindung frei gehalten. Diese wurde zwar geplant, aber nie gebaut. Vorbei am Berggarten geht es nach 25 erholsamen Kilometern zurück zu unserem Ausgangspunkt, dem Großen Garten in Herrenhausen.

Übrigens: Das war meine erste Tour, die ich auf einen E-Bike  geradelt bin. Aber sicher nicht meine letzte. Vor allem die Brücken in der Eilenriede sind mit einem E-Bike ein Kinderspiel. Das Zweirad-Center Stadler (Göttinger Straße) hatte es mir zu Testzwecken zur Verfügung gestellt.

 

Grabstein Julius Trip (* 17. Mai 1857 in Wermelskirchen; † 18. September 1907 in Hannover) war ein deutscher Gartenarchitekt.

Grabstein Julius Trip (* 17. Mai 1857 in Wermelskirchen; † 18. September 1907 in Hannover) war ein deutscher Gartenarchitekt.

Julius Trip – Hannovers erster Gartendirektor

Der Maschpark, die Vordere Eilenriede, Friehöfe, Spiel- und Sportplätze – Julius Trip prägte bis heute an vielen Stellen das Stadtbild Hannovers. Als erster Gartendirektor der Leinemetropole legte er hierfür zwischen 1897 und seinem Todesjahr 1907 den Grundstein. Mit der Bildung eines Grünflächenausschuss schuf Trip bereits 1897 eine selbstständige Gartenverwaltung. Er ist auf dem Stadfriedhof in Stöcken beigesetzt.

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