Hindernisfahrt zum Einsatzort
Hier geht nichts mehr: Der Feuerwehrwagen versucht auf dem Bürgersteig in der Jakobistraße in Position zu gehen. Foto: oberdorfer

Hindernisfahrt zum Einsatzort

400 Falschparker stehen Feuerwehr jährlich im Weg

Von Thomas Oberdorfer

HANNOVER. Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange schlägt Alarm: Verbotswidrig geparkte Autos blockieren immer wieder Rettern den Weg zu ihren Einsatzorten. Rund 400 mal mussten Hannovers Feuerwehrleute im vergangenen Jahr Fahrzeuge aus dem Weg räumen, bevor sie mit den eigentlichen Löscharbeiten beginnen konnten. Bei 4000 Brandeinsätzen im Jahr, kommt es bei jedem zehnten Einsatz zu solch einer Situationen.
„Bisher hatten wir Glück, Personen sind durch Falschparker noch nicht zu Schaden gekommen. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies passiert“, prophezeit Lange. Der Feuerwehrchef weiter: „Viele Autofahrer wissen einfach nicht, was sie tun, wenn sie ihre Fahrzeuge auf Bürgersteigen oder in Straßenkreuzungen abstellen“, ärgert er sich.
Durchschnittlich fünf Minuten dauert es, einen Wagen aus dem Weg zu räumen. „Wertvolle Zeit, wenn wir Leben retten sollen“, sagt Lange.  Wird es zu eng für die Feuerwehr, kommen Unterwagenheber zum Einsatz. Jeder Löschzug ist mit diesen Geräten ausgerüstet. Feuerwehrleute können damit Fahrzeuge anheben und wegrollen.

Ortstermin in der Jakobistraße: Bezirksbürgermeisterin Irma Walkling-Stehmann im Gespräch mit Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange.Foto: Oberdorfer

Ortstermin in der Jakobistraße: Bezirksbürgermeisterin Irma Walkling-Stehmann im Gespräch mit Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange.Foto: Oberdorfer

Aber es kommt auch immer wieder zu Unfällen. Knapp 40mal touchierten im vergangenen Jahr Feuerwehrwagen auf dem Weg zu Einsätzen verbotswidrig abgestellte Fahrzeuge. Kein Wunder: Der Löschwagen mit der Drehleiter ist 12,5 Meter lang, 2,5 Meter breit und wiegt 18 Tonnen. Zu groß für enge Straßen in einigen Stadtteilen, zumindest dann, wenn in den Kreuzungsbereichen PKWs geparkt sind. „Vor allem in Linden, Limmer und der Südstadt haben wir Probleme mit Falschparkern“, erläutert Lange. Kommt es zu Unfällen, haben die Besitzer von verbotswidrig abgestellten Fahrzeugen wenig zu befürchten: Die Versicherung der Feuerwehr zahlt die Schäden an deren Autos.
In der List ist das Problem anders gelagert. Beispielsweise in der Jakobistraße. Breite Bürgersteige laden dort die Autobesitzer zum Parken direkt vor der Haustür ein. „Erlaubt ist das nicht und obendrein gefährlich“, erläutert Lange. Und weiter: „Wenn wir über die Drehleiter Menschen aus einem brennenden Haus retten müssen, dann brauchen wir einen gewissen Abstand des Einsatzfahrzeuges zum Haus. Maximal 12 Meter“. Zu gering für die List. Wird das Löschfahrzeug in der Mitte der Jakobistraße aufgestellt, beträgt der Abstand rund 15 Meter. Zwar könnte der Wagen auch auf den breiten Bürgersteigen in Position gehen, doch in der Regel verhindern Falschparker dies.
In der List hat der Bezirksrat nun einen Anlauf genommen, dem Falschparken auf den Bürgersteigen in der Jakobistraße ein Ende zu setzen. Poller – so der Stand der Diskussion – könnten die Bürgersteige und damit die Rettungswege für die Feuerwehr frei halten. Das Problem: Rund 100 „illegale“ aber dennoch täglich genutzte Parkplätze würden verloren gehen. Wo die Anwohner dann ihre Autos abstellen sollen, auf diese Frage blieb die Politik bislang eine Antwort schuldig.

1 Kommentar zu diesem Beitrag
  1. Mia bei 6:12

    Es wird sich weisen ob Poller die Lösung für die Rettungswege sein können. Selbst wenn die Parkplätze wegfallen, handelt es sich ja hierbei , um die Umsetzung geltenden Rechtes. Auf diesem Weg könnten die Bürger, vielleicht auch versuchen zu ihren Parkplätzen zu kommen.

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