Hinter den Kulissen der Marienburg

Hinter den Kulissen der Marienburg

Marienburg. „Ich wohne seit über dreißig Jahren in Hannover, aber habe es noch nie geschafft herzukommen“, erzählt Susanne Oberdick. Sie steht mit zwei anderen Gewinnern unter Arkaden im Schlosshof der Marienburg. Auch Patrick Schauperl und Bettina Schrake haben sich das erste Mal auf den Weg zum Welfenschloss gemacht. Schließlich wartet am dritten Adventswochenende eine eindrucksvolle Führung auf sie – und natürlich die Krone. „Die Krone und die Juwelen, die reizen mich schon“, freut sich Patrick Schauperl. Doch vor dem Blick auf die unbezahlbaren Insignien des Königs steht zuerst eine Lektion in hannöverscher Herrschergeschichte.

Bereits der üppig verzierte Aufgang in den einstigen Königinnentrakt versetzt die Führungs-Teilnehmer 148 Jahre in der Zeit zurück. „Man bringe mir eine Sänfte“, scherzt einer. Über 50 000 Besucher haben im Jubiläumsjahr der Erhebung Hannovers zum Königreich bereits die Sonderausstellung „Der Weg zur Krone“ besucht. Knapp eine Stunde dauert die informative Reise durch die Geschichte der Welfen.

Von Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg, der Hannover 1663 zur Residenzstadt machte, bis zum Exil des letzten Königs. Natürlich spielt auch das Schloss selbst darin eine Rolle. Zwischen 1866 bis 1869 lebten die ehemalige Königin Marie und ihre Tochter Mary das Schloss, dass König Georg V. Ihnen kurz zuvor gebaut hatte. „So einige Namen hat man ja als Hannoveraner schon mal gehört“, sagt Patrick Schauperl. Es ist nicht leicht, sich alle Erbfolgen und Anekdötchen zu merken, die Führerin Patricia Dyko souverän vorträgt.

Intrigen hier, Romanzen dort, und auch von Mordversuchen weiß sie zu erzählen. Die Geschichte der Welfen ist keine friedliche. Sogar ein blutbeflecktes Nachthemd gibt es zu sehen. Natürlich kommen alle bekannten Figuren vor, deren Namen man als Hannoveraner immer wieder begegnet. Georg der Fünfte etwa, oder Ernst August der Erste und natürlich Kurfürstin Sophie, deren Bild gleich den ersten Ausstellungsraum ziert.
Auf einem Bild erkennt Susanne Oberdick sogar ein Objekt, das sie bereits anderswo besichtigt hat. „Die Kutsche steht doch im Landesmuseum“, raunt sie ihrer Freundin zu. Tatsächlich zeigt ein Ölgemälde den „Staatswagen Nummer eins“. Das pompöse königliche Gefährt befindet sich heute im Historischen Museum in Hannover. Beeindruckt zeigen sich die Besucher auch von dem Pomp der Ausstellungsräume. Heute beinahe leergeräumt, gibt ein schwarz-weiß Foto einen Eindruck von den Schätzen und dem Mobiliar, mit dem sich die Herrscher früher umgaben. „Die mussten ja auch nicht Staubputzen“, ulkt eine Besucherin.

Und dann ist es soweit. Gespannt wartet die Gruppe vor einem samtenen royalblauen Vorhang. Bedeutsam zieht die Führerin an einer Kordel und gibt den Blick auf die Schätze frei. Das erste Mal seit 163 Jahren sind die Insignien der Welfenkönige wieder auf deren ehemaligem Territorium zu sehen. Die drei Gewinner nutzen die Gelegenheit für ein einmaliges Foto mit den Kronjuwelen. „Fotografieren nicht erlaubt“, heißt es für die übrigen Besucher.

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