Ich habe einen Traum vom Clown

Ich habe einen Traum vom Clown

Urs Kobler ist Vorsitzender der Clinic-Clowns Hannover. Sie möchten kranken Kindern helfen.

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Der Anruf kam unverhofft und unpassend: „Dein Sohn hat sich verletzt, er muss ins Krankenhaus.“ In diesem Moment bin ich froh, dass ich alles stehen und liegen lassen kann und sehr schnell vor Ort bin. Klar ist, wir müssen ins Krankenhaus. Der Ellbogen ist verletzt oder gebrochen. Im Krankenhaus sind wir in bester Gesellschaft. Offensichtlich haben sich alle an diesem Abend verabredet. Wir müssen lange warten. Im Warteraum ist ein Fernseher. Es laufen Zeichentrickfilme, einige abgegriffene Spielzeuge liegen herum. Es wird eine lange Nacht auf den Fluren – teilweise stehend, da der Wartebereich voll und in den Gängen die Stühle alle besetzt sind. Neben den Schmerzen und dem Hunger meines Sohnes ist auch die Zeitdauer zu überspielen. Nach vier langen Stunden dann die Diagnose: Der Ellbogen ist gebrochen. Es wird eingegipst. Kurz vor Mitternacht sind wir zuhause. Ich bringe meinen Sohn ins Bett und schlafe gleich neben ihm ein.

Einige Zeit später. Wir sind erneut im Krankenhaus. Aber dieses mal ist der Wartebereich freundlicher gestaltet. Es gibt eine kleine Bühne, auf der ein Clown kleine Zauberkunststücke zum besten gibt. Der Hunger und die Schmerzen treten in den Hintergrund. Der Clown zaubert eine Glasperle in die vormals leere Hand.

Die Stimmung ist plötzlich anders. Es ist nicht mehr eine bedrückende Stille, unterbrochen durch Wimmern und ­Weinen, sondern es wird gelacht und ­gelächelt. Die Zeit vergeht deutlich schneller, und es ist begeisternd zuzusehen, wie der Clown von Patient zu Patient geht und jeden Einzelnen und dessen Umgebung fasziniert. Er zaubert uns ein ­Lächeln ins Gesicht. Mit diesem Lächeln geht es zur Untersuchung. Schade eigentlich. Wir wären gerne noch länger
geblieben und ­hätten dem Clown zugesehen, und uns in eine andere Welt entführen lassen…

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