Ich habe einen Traum vom Lachen
Marie Marcks (1922–2014), Alleinerziehende, o. J., Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst

Ich habe einen Traum vom Lachen

Gisela Vetter-Liebenow, Geschäftsführerin der Wilhelm-Busch-Gesellschaft, träumt von der Freiheit der Satire

Gisela Vetter-Liebenow ist Kunsthistorikerin und Leiterin des Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst – in Hannover.Quelle: privat

Gisela Vetter-Liebenow ist Kunsthistorikerin und Leiterin des Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst – in Hannover.

So manches Projekt für Ausstellungen, so mancher Plan für die Sammlungen des Museums oder seine Perspektiven hat als Traum begonnen – und ist dann wahr geworden. Andere Träume haben sich verändert oder gar zerschlagen, sind geplatzt im Licht der Realität. Auch wenn der Museumsalltag manchmal ein hartes Geschäft sein kann: All diese Träume sind wesentlich für die Kreativität. Es braucht Träume, in denen Fantasien, Ideen und Einfälle für die Zukunft durchdacht werden können, in denen es keine Tabus und Denkverbote gibt – und die Frage der Finanzierung erst einmal keine Rolle spielt (wobei ein Traum meist daran scheitert).

In den vergangenen Jahren konnten wir große Zugänge für unsere Sammlungen verkünden und dabei sind – unter großem Einsatz und mit viel Unterstützung unserer Förderer – auch Träume in Erfüllung gegangen: Dazu gehören die Nachlässe der herausragenden Zeichner Friedrich Karl Waechter oder Volker Kriegel, ebenso wie das bildkünstlerische Werk Günter Kunerts. Es gehört dazu der Nachlass des englischen Karikaturisten Ronald Searle mit seinem persönlichen Archiv, seiner Kunstbibliothek und seiner Sammlung historischer Karikaturen. Und es gehört ganz aktuell dazu der Nachlass von Marie Marcks, aus dem wir gerade in der Ausstellung „Nichts gegen Männer …“ eine erste Auswahl präsentieren. Zu sehen sind über 160 Karikaturen, die all das zeigen, was Marie Marcks bewegt hat. Auch sie hat nie den Traum auf Veränderung zum Besseren aufgegeben und sich zum Beispiel für die Gleichberechtigung der Frau eingesetzt, immer wieder das Thema Bildung angesprochen und den Blick auf politische und soziale Missstände gerichtet.

Was ich mir im Traum nicht vorstellen möchte, ist eine Welt, in der die Menschen nicht mehr frei und ungezwungen lachen dürfen, in der Ideologen und Terroristen bestimmen, was in Karikatur und Satire erlaubt ist. Der Anschlag am 7. Januar dieses Jahres auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris hat uns tief erschüttert – aber manche der darauffolgenden Debatten über die Forderung nach engeren Grenzen von Satire auch verstört.
Ich stimme dem Komiker Thomas Hermanns zu, wenn er sagt: „Dort, wo Witze reguliert oder eingeschränkt werden, stimmt etwas nicht. In einer freien und offenen Gesellschaft sind stets auch die Lacher frei.“ Mit drei weiteren Karikaturinstitutionen haben wir deshalb eine Online-Ausstellung zu „Charlie Hebdo“ erarbeitet, die informieren und zugleich den Wert unserer Presse- und Meinungsfreiheit unterstreichen will.
www.museen-fuer-satire.com

 

Mehr Beiträge aus der Serie „Ich habe einen Traum von…“ finden Sie auf unseren Themenseiten.

 

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