Ich habe einen Traum von einer Reise

Ich habe einen Traum von einer Reise

Über die Herausforderung, eine inspirierende Atmosphäre in einem Bild einzufangen.Vor vielen Jahren träumte ich von einer Reise in ein exotisches Land. In dem Traum besuchte ich einen Bazar oder Kasbah mit engen Gässchen zwischen den Gebäuden, die Schatten gespalten von Scherben aus Sonnenlicht. Es war einer dieser intensiven Träume, die man nie wieder vergisst. Ich habe oft versucht, das Gefühl dieses Traumes in Bildern und Zeichnungen einzufangen. Ich wollte die intensiven exotischen Farben abbilden, das Gefühl, vom starken Sonnenlicht geblendet zu sein, Spritzer aus Gelb- und Rottönen gegen die Blau- und Violetttöne der tiefen Schatten.

Meine Versuche, diesen Traum einzufangen, endeten immer in abstrakten Kompositionen, denen irgendwie ein Mittelpunkt zu fehlen schien. Die Bilder hatten einander überschneidende Linien und Flächen, die Farben voneinander trennten – aber mir fehlte eine zentrale Figur oder ein Motiv, um all die Farben zusammen zu bringen und ihnen einen Rhythmus oder Fokus zu geben. Aber lange fand ich nichts, das meiner Idee entsprach.

Dann, viel später, in den 1990ern, als ich gerade auf Ibiza war, besuchte ich einen Jazzclub in der Altstadt. Er befand sich in einem alten Gebäude, das aussah, als gehörte es nach Havanna und wäre dort aufgehoben und hier beim Hafen von Ibiza wieder abgesetzt worden. Ich ging hinein. Eine Band spielte auf einer kleinen Bühne, ein Pianist, ein Saxophonspieler und eine junge Sängerin. Die Musik war wunderbar, ein Mix aus Salsa und lateinamerikanischen Rhythmen. Inspiriert von dem heißen Sommerabend, wusste ich sofort, welch großartige Herausforderung es sein würde, diese Atmosphäre in einer Reihe von Bildern einzufangen.

Das war der Moment, in dem mir aufging, wie ich die Ideen der sich überschneidenden Ebenen und Kanten von den Bildern nutzen könnte, die von dem lang vergangenen Traum inspiriert worden waren: um das Gefühl der über der Bühne leuchtenden Scheinwerfer zu erschaffen, Licht und Schatten, die die Musiker auf der Bühne hervorholten, Figuren, die ins Licht und in die Dunkelheit hinein- und hinaustraten. Die Figuren würden durch die Farben und Schatten rund um sie definiert werden. Ohne tatsächlich die Figuren selbst zu malen, konnte ich versuchen, die Atmosphäre dieser heißen Sommernacht einzufangen, indem ich malte, was um sie herum geschah. Also hatte ich endlich die zentrale Figur, den Mittelpunkt gefunden, die all den Farben Leben und Fokus geben würden.

Ich entwarf gleich dort – auf der Rückseite irgendwelcher Umschläge oder Papierreste –ein paar Ideen, und Wochen später, zurück in meinem Atelier in London, wo ich zu der Zeit lebte, begann ich die ersten Bilder einer Serie zu malen. Es ist ein immer noch laufendes Projekt, und bis heute experimentiere ich mit den Möglichkeiten und habe viel Freude daran, immer neue Bilder zu entwerfen, immer wieder inspiriert durch die Rückkehr zum alten Club beim Hafen in Ibiza.

Hier ist eines der Bilder aus der Serie, der ich den Titel „Deco Paintings“ gegeben habe. Der Club in der Altstadt von Ibiza heißt übrigens Teatro Pereyra– es gibt ihn immer noch, und man kann dort immer noch wunderbare heiße Sommernächte erleben und großartige Livemusik hören.

Einige meiner „Deco Paintings“ hängen an den Wänden des Restaurants „Der Zauberlehrling“ in der Geibelstraße in Hannover, wo ich bis Ende Januar 2015 ausstelle.

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