Ich habe einen Traum von Verständigung
Ayda präsentiert den „Frauen Song“, bei dem zahlreiche Frauen aus Politik, Vereinen und Verbänden mitgewirkt haben, auf dem Entdeckertag. Foto: cle

Ich habe einen Traum von Verständigung

Ayda – Sängerin der Band Shanaya – hat sich ihren Lebenstraum erfüllt
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Die Hannoveranerin Ayda Iciok ist Frontfrau der Mig-Pop Band Shanaya. Mit 16 Jahren sang die Singer/Songwriterin den Werbesong für Gard-Haarshampoo, 2000 sang sie mit „Solutions Unlimited“ den Milleniumsong der Firma Kyocera. Ayda ist alleinerziehende Mutter, Moderatorin und Schirmherrin der Freiwilligenbörse Hannover 2016. Ayda ist unter anderem schon mit Peter Maffay und Udo Lindenberg aufgetreten.

Ich war „Gastarbeiterkind“ mit schlechten Deutschkenntnissen und lebte in der Parallelgesellschaft. Dort fühlte ich mich sicher und wohl. Die deutsche Mehrheitsgesellschaft war für mich dagegen eher fremd. Ich traute mich nicht, zu sprechen, wollte nicht negativ auffallen. So wuchs ich auf.
Als Teenagerin fing ich an, im Schulchor zu singen. Meine Stimme war kräftiger und lauter als die der Anderen. Und es waren mehrere Oktaven, die ich singen konnte. Meine Umgebung begann, mich zu beachten. Ich war plötzlich nicht mehr die Außenseiterin, sondern das Mädchen mit der schönen Stimme.
Später wurde ich Profisängerin. Die einzige türkische! Meine Eltern konnten es nicht verhindern. Mein Wille war zu stark. Ich musste diesen Weg gehen, auch wenn es nicht so geplant war. Mein Vater hätte mich viel lieber als Anwältin oder Lehrerin gesehen. Jahrelang sang ich für Firmen wie Coca-Cola oder Samsung auf hochwertigen Veranstaltungen im In- und Ausland. Ich war eine der wenigen Musikerinnen, die von diesem Beruf gut leben konnten.
Doch eines Tages hatte ich einen Traum: Ich träumte von einer Musik, die mich als deutsch-türkische Künstlerin wiedergeben sollte. Eine Musik, die eine Identität schafft. Eine Identität für uns Deutsch-Türken, die in Deutschland seit so vielen Jahren leben oder sogar hier auch geboren sind.
Oft stehen wir zwischen den Kulturen, sind verunsichert, hin- und hergerissen. Viele von uns sind bereits assimiliert. Das ist sehr schade, aber meist der bequemere Weg. Aber was ist mit denen, die nicht dazu bereit sind? Sie sind ja nicht weniger integriert. Aber eben hin-und hergerissen. Ein Teil von uns ist deutsch, der andere aber türkisch. So tragen wir „zwei Herzen“ in uns. Und wenn wir selbstbewusst sind, sind wir sogar stolz darauf, da es unser Leben bereichert. Mein Traum ist die Musik, eine Musik, die diese „zwei Herzen“ stärken soll. Eine Musik, die aber auch die verschiedenen Kulturen in diesem bunten modernen Land zusammenbringt. Eine Musik, die uns alle auf die Schippe nimmt, da wir es auch noch nach fünf Jahrzehnten des Zusammenlebens nicht geschafft haben, die Defizite zu beseitigen.
Ich fing bereits vor zehn Jahren an, diesem Traum nachzugehen. Obwohl der Weg steinig war, habe ich nicht aufgegeben. Es sollte eine Musik in deutscher Sprache mit orientalischen Einflüssen entstehen. Kommerziell genug, so dass sie von vielen Menschen gehört werden kann. Erst vor eineinhalb Jahren habe ich es mit Hilfe meiner Band Shanaya endlich geschafft, diese Musik zu veröffentlichen. Wir haben sie Mig-Pop (Migranten-Pop) genannt. Unsere Konzerte werden mittlerweile von Deutschen und Migranten gleichermaßen besucht. Der Traum ist wahr geworden: Sie stehen Seite an Seite, tanzen und singen zu der Musik einer multikulturellen Band und ihrer Frontfrau, die stolz „zwei Herzen“ in sich trägt.

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